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Erinnerungskultur

Geigensammler Weinstein erhält das Bundesverdienstkreuz

Sie sind wie Grabsteine für ein fehlendes Grab: Der israelische Geigenbauer Amnon Weinstein sammelt und restauriert Violinen von Holocaust-Opfern. Dafür wurde er jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Jede einzelne seiner "Violins of Hope" erzähle eine persönliche Geschichte, sagt Amnon Weinstein. Inzwischen umfasst seine weltberühmte Sammlung 55 Geigen von jüdischen Musikern, die von den Nationalsozialisten verfolgt oder ermordet wurden: Die Violine der Nichte von Gustav Mahler ist zum Beispiel dabei, und die von Alma Rose, die als Geigerin das Mädchenorchester in Auschwitz leitete.

Die ersten Instrumente verfolgter Juden erhielt der 1939 als Sohn europäischer Flüchtlinge in Palästina geborene Weinstein von seinem Vater Moshe, als er dessen Geigenwerkstatt übernahm. Für Weinstein, der in Tel Aviv lebt und arbeitet, sind die Instrumente ein Beweis dafür, "dass es unmöglich war, die wundervolle Kultur des jüdischen Volkes und ihre Liebe zur Musik zu zerstören". Jedes Instrument sei wie ein Grabstein zu einem fehlenden Grab.

Geigen israelischer Geigenbauer Amnon Weinstein (picture-alliance/dpa/A.Sultan)

Einige der von Weinstein restaurierten Geigen wurden von Häftlingen in Konzentrationslagern gespielt

Hinter jeder Geige eine menschliche Seele

Ähnlich äußerte sich Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei der Verleihung des Verdienstordens des Bundes an Weinstein. "Hinter jeder Ihrer kostbaren Geigen verbirgt sich eine menschliche Seele", so der deutsche Außenminister in Berlin. Die Geigen stünden für sechs Millionen Opfer des Holocaust und seien eine Ermahnung, dass so etwas nie wieder passieren dürfe. Ein Konzert im Januar 2015, bei dem Musiker der Berliner Philharmoniker anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz die "Geigen der Hoffnung" gespielt hatten, bezeichnete Steinmeier als einen der bewegendsten Momente seiner Amtszeit.

Um seine Botschaft der Verständigung und Versöhnung zu verbreiten, verleiht Weinstein seit 2006 die Instrumente regelmäßig an Musiker für Gedenkkonzerte, unter anderem in Jerusalem, Paris, London, Madrid und Rom. Und er hat jemanden gefunden, der seine Mission weiter verfolgen wird, wenn er es nicht mehr kann: Sein ältester Sohn Avshalom Weinstein hat das Projekt "Violins of Hope" mitbegründet und führt das Handwerk in dritter Generation fort. Gemeinsam mit seinem Vater setzte er sich dafür ein, dass die Erinnerung an die Musik verfolgter und getöteter Juden lebendig bleibt.

hk/ml (epd, kna, dpa)