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Politik & Gesellschaft

Geißler schlägt Kombi-Bahnhof für Stuttgart vor

Im Streit um "Stuttgart 21" macht Schlichter Heiner Geißler einen Kompromissvorschlag: Der Kopfbahnhof bleibt teilweise, neu hinzu kommt der unterirdische Durchgangsbahnhof. Doch vor allem die Bahn ist skeptisch.

Heiner Geißler (Foto: dapd)

Schlichter Heiner Geißler (CDU)

Am Ende hat Heiner Geissler noch mal alle überrascht: Den ganzen Tag hatten Gegner und Befürworter von "Stuttgart 21" diskutiert, ob der Bahnhofsneubau den "Stresstest" bestanden hat, da legte Schlichter Geißler am Freitagabend einen Kompromissvorschlag auf den Tisch: Der alte oberirdische Bahnhof bleibt in verkleinerter Form - für den Nahverkehr. Der neue unterirdische Durchgangsbahnhof wird für den Fernverkehr gebaut, aber mit vier statt acht Gleisen. Die Kosten für den Kombi-Bahnhof belaufen sich den Berechnungen zufolge auf 2,5 bis 3 Milliarden Euro, das wäre weniger als der geplante Tiefbahnhof, der 4,1 Milliarden Euro kosten soll.

Geißler hofft nun, damit den Streit endgültig beenden zu können, der die baden-württembergische Landeshauptstadt seit Monaten in Atem hält. "Frieden in Stuttgart" heißt das 16-seitige Papier, das Geißler gemeinsam mit dem Schweizer Verkehrsberatungsbüro sma erarbeitet hat. Gebe es keine Einigung, drohten neue Auseinandersetzungen, wenn im Herbst das Plebiszit über "Stuttgart 21" stattfindet: "Das eine sage ich Ihnen: Die Volksabstimmung und der Wahlkampf wird, wenn die Konfrontation bleibt, fürchterlich", warnte er.

Keine Begeisterung

Amr Runden Tisch wurde über den Stresstest debattiert (Foto: dapd)

Am Runden Tisch wurde über den Stresstest debattiert

Die Reaktionen auf das Konzept eines Doppelbahnhofs fielen zurückhaltend bis ablehnend aus. So erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse" am Samstag (30.07.2011), dass der Geißler-Vorschlag nichts Neues sei. Es sei eine "uralte Variante, die vor vielen Jahren bereits schon einmal verworfen wurde", sagte der CSU-Politiker. Er appellierte an alle Beteiligten, der "vertraglich vereinbarten Projektförderungspflicht nachzukommen und das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 voranzutreiben."

Der Verkehrsminister von Baden-Württemberg, Winfried Hermann (Grüne), ein "Stuttgart 21"-Gegner, sprach sich dafür aus, den Vorschlag zu prüfen. "Ich kann für unsere Seite nicht zusagen, dass wir dem in der Landesregierung zustimmen können", sagte dagegen Finanz-Staatssekretär Ingo Rust (SPD).

Bahnvorstand Volker Kefer äußerte sich zunächst nicht, die Bahn ließ aber durchsickern, dass sie dem Geißler-Vorschlag keine Chance gibt. Deutlicher wurde CDU-Fraktionschef Peter Hauk: "Der Vorschlag ist honorig und ehrenwert, aber er kommt 15 Jahre zu spät." Die Bahn gibt "Stuttgart 21" jedenfalls nicht auf. "Wir werden in dem Projekt weitermachen", sagte Bahn-Vorstand Kefer am Ende der Schlichtungsgespräche.

Nächster Stresstest

Geißler mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Bahnvorstand Volker Kefer (Foto: dapd)

Geißler mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Bahnvorstand Volker Kefer

In einem Punkt kam die Bahn ihren Kritikern aber entgegen. Der zentrale Bestandteil des Belastungstest für "Stuttgart 21" werde wiederholt, kündigte Kefer an. "Diesen weiteren Simulationslauf kann man relativ kurzfristig machen", sagte er. Der sogenannte Stresstest war von den Bahnkritikern als völlig unzureichend kritisiert worden. Es sei ein "Stresstest ohne Stress", befand die Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen "Stuttgart 21", Brigitte Dahlbender.

Autor: Dirk Eckert (dpa)

Redaktion: Gerhard Friese

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