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Europa

Gehirndoping an der Universität

Schneller studieren, mehr nebenbei arbeiten und in den Ferien noch Praktika machen – die Anforderungen an Studierende steigen. Nicht alle können mit diesem Stress umgehen und greifen zu Hilfsmitteln.

Tabletten

Ritalin gilt als Mittel zur Steigerung der Aufmerksamkeitsfähigkeit

Es sind zwar Semesterferien, doch die Bibliothek der Universität Bonn ist voll. Die Studierenden sitzen an den Tischen, lernen für Klausuren und schreiben Hausarbeiten. Der Druck ist groß, auch bei Manuel Becker. In zwei Tagen schreibt er eine Klausur, dann folgen drei mündliche Prüfungen und nebenbei hat er noch drei Nebenjobs. Manuel fängt immer früh an zu lernen, um den Prüfungsstoff in den Kopf zu bekommen. "Ich bin diese Woche dran, das Wissen, das ich in meinem Kopf habe, zu konservieren und wiederhole im Moment jeden Tag die Stoffmenge", erzählt er.

Weniger schlafen, mehr lernen

Ein mit Studenten gefüllter Hörsaal (Uli Deck dpa/lsw/05.10.2004)

Die Konkurrenz an den Universitäten ist groß

Viele Studierende kommen mit dem Stress jedoch nicht so gut zurecht. Sie helfen sich mit Psychopharmaka. Ritalin hat beispielsweise den Ruf, die geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Besonders in den USA nehmen es Studenten vor Prüfungen.

Dabei sind die Mittel alles andere als ungefährlich. Die Medizinerin Isabella Heuser von der Berliner Charité erforscht das so genannte "Neuro Enhancement", so nennen Experten die Verbesserung der Denkleistung mit Medikamenten wie Ritalin. "Diese Präparate verbessern die Konzentrationsleistung und die Aufmerksamkeitsleistung dadurch, dass sie die Müdigkeit verscheuchen. Die Qualität der Leistung verbessert sich nicht." Nehme man zu viele Aufputschmittel, könne es zum "Break down" kommen, erklärt sie.

Aber die Verlockung scheint groß. Studentin Natascha nimmt zum Beispiel Präparate, weil sie vor Klausuren unter großem Stress stehe, erzählt sie. Vor Ritalin schreckt sie aber zurück. "Manchmal habe ich auch im Abi oder bei der Führerscheinprüfung homöopathische Mittel gegen Nervosität und Stress genommen. Ich habe daran geglaubt und auch nicht viel genommen", sagt sie. Man höre aber auch, dass Leute richtig harte Sachen nehmen würden.

Der Leistungsdruck ist groß

Studenten in der Bibliothek der Universität

Lernen in der Bibliothek: Oft werden hier die Grenzen der Aufnahmefähigkeit erreicht

Solche und andere Studierende landen in der Sprechstunde von Edith Püschel. Sie ist Psychologin an der Freien Universität Berlin und beobachtet mit Sorge, wie Studierende ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, um den Leistungsansprüchen genügen zu können. "Ich denke, die moderne Gesellschaft fordert einen Charaktertypus. Die Möglichkeit, die Leistungen immer weiter zu steigern, erschöpft die Menschen und es ist die Frage, ob das der richtige Weg ist", sagt Püschel.

Experten fordern inzwischen sogar Doping-Kontrollen für Prüfungen an der Universität. Bislang wird die Einnahme von Präparaten in Prüfungsordnungen so gut wie nie verboten. Ohne Kontrollen könnten auch andere Studierende unter Druck geraten, Medikamente zu nehmen, um mithalten zu können. Isabella Heuser von der Berliner Charité hält dies jedoch für unrealistisch. "Gedopt gehen die Leute nicht in die Prüfung hinein, sondern sie nehmen die Mittel in der Zeit der Vorbereitung." Statt Kontrollen solle es eine bessere Aufklärung geben, fordert sie.

Studentin Natascha hat für die nächste Prüfung ihre eigene Strategie gefunden: "Genug Pausen machen, vielleicht ein paar homöopathische Kapseln und Schokolade!"

Autor: Stephan Scheurer
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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