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Gehen und Gang

"Wie geht's? – Gestern ging's noch!" Ha, ha, sehr komisch, aber vor allem wollen wir heute nicht zurückschauen, sondern nach vorne sehen, ins neue Jahr: "Ob da wohl alles gutgeht? – Wird schon gehen."

Das erste Stichwort im neuen Jahr heißt "gehen". Warum? Nun, gerade haben wir Silvester gefeiert und kaum sind ein paar Tage vergangen, ist schon wieder Ostern. Leicht übertrieben, aber: "Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit." So heißt es bei Wilhelm Busch, und wir zitieren den umgangssprachlichen Ausdruck, der dasselbe meint: "Kinder, wie die Zeit vergeht!" Mancher wird sich zu Beginn des neuen Jahres fragen, wie wird es weitergehen für mich, die Familie, die Freunde, die Kollegen. Was wird sein?

Zunächst mal ist es ganz einfach

"Gehen" ist – und damit sagen wir nichts Neues – ein Verb der Bewegung. Allerdings ist diese Bewegung überaus mannigfaltig in ihren unterschiedlichen Bedeutungen, sie ist in wörtlichem wie im übertragenen Sinn zu verstehen. Stellen Sie sich eine Strecke vor, eine gedachte Strecke von A nach B. Zum Beispiel von Ihrem Zuhause bis zur nächsten Bushaltestelle. Sie gehen zu Fuß dahin? "Gehen" in seiner Grundbedeutung: "sich in aufrechter Haltung auf den Füßen schrittweise fortbewegen."

Für dieses "Gehen" im Sinne der Fortbewegung gibt es eine Vielzahl umgangssprachlicher Redensarten. Zum Beispiel für überaus vorsichtiges Gehen: "Gehen wie auf rohen Eiern." Wer langsam geht, kommt zwar auch ans Ziel, aber "gehen wie eine lahme Ente" muss man deshalb trotzdem nicht.

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

"Gehen" wird fast immer mit einem Ziel und/oder einem Zweck in Verbindung gesetzt. Beispiele hierfür: Der Spaziergang, der Gang zum Postamt, der sonntägliche Kirchgang. Das Wort "Gang" für sich genommen kann aber auch, das mag spitzfindig klingen, den Ort des Geschehens selbst bezeichnen. "Gang" in der Bedeutung von "Flur". Beispielsatz: "Unruhig ging er auf dem Gang hin und her." Auch in Zusammensetzungen wird "Gang" als Ort des Gehens näher bezeichnet, so in "Durchgang", "Ausgang", "Eingang", "Kreuzgang".

Auch wenn wir mit "gehen" in erster Linie "zu Fuß gehen" meinen, beschränkt sich die Bedeutung von "gehen" keineswegs auf diese Fortbewegungsart. "Zu Pferde gehen", "zu Wagen", ja, "zu Schiff gehen", waren bis ins Neuhochdeutsche durchaus gängige Ausdrücke. "Zu Pferd nach der Stadt gehen", das klingt befremdlich. "Gehen" hat in solchen Wendungen die Grundbedeutung von "sich begeben". In heutiger Sprache steckt dieses "Sich-Begeben" noch in durchaus geläufigen Ausdrücken wie "aufs Land", "an die See" oder "ins Ausland gehen".

Für den Weggang geht ein Zug – oder ein Flugzeug?

Sie reisen mit der Eisenbahn? Wann geht Ihr Zug? Sie müssen zum Flughafen? Wann geht Ihr Flieger? Natürlich "geht" keine Eisenbahn und kein Flugzeug. Trotzdem ist es kein schlechtes Deutsch, zu sagen: "Der Zug geht um 17.30 Uhr", und verstanden wird das allemal. Um noch deutlicher zu machen, dass auch in diesem "Gehen" das Fortbewegen gemeint ist, kann man auch sagen: "Der nächste Zug von Köln nach Hamburg geht um 17.30 Uhr."

Bleiben wir bei diesem Beispiel: Wer nach Hamburg oder sonst wohin geht, tut dies möglicherweise, um dort zu bleiben. Weggehen, um wegzubleiben. "Weggang", "Fortgang", "Abgang"; diese Komposita stehen gewissermaßen für ein Ergebnis, für – wenn man so will – das Ende des Gehens oder dessen baldiges Ende. Ein Vorgang indessen kann zwar abgeschlossen sein, beinhaltet jedoch stets den Aspekt einer Dauer. In der Floskel: "Was geht hier eigentlich vor?", ist dies besonders deutlich.

Was geht auf der Befindlichkeitsskala?

Und nun noch einmal zur gedachten Strecke von A nach B. Allerdings jetzt als eine Art Werteskala oder Maßstab verstanden. Nehmen wir die Allerweltsfrage, wenn wir jemanden treffen: "Wie geht’s denn so?" Treiben wir es auf die Spitze: Streng genommen wollen wir wissen, an welcher Stelle einer Befindlichkeitsskala sich der oder die Gefragte befindet. An welchem Punkt der Strecke zwischen sehr schlecht und sehr gut.

Aber so ernst nimmt diese Frage kaum jemand, so dass wir in aller Regel zur Antwort bekommen: "Es geht so", also irgendwo zwischen A und B. Oder: "Es könnte besser gehen", also mehr Richtung A, und mitunter werden wir hören: "Es könnte nicht besser gehen." In diesem Fall ist klar: eindeutig B. Angekommen. Da geht nichts drüber.´

Immer locker bleiben

Und noch eine Skala, die der Akzeptanz. "Geht’s noch?" ist ein verhältnismäßig junger Ausdruck der Umgangs- und Alltagssprache. Gemeint ist in etwa: "Sagen Sie, muss das sein?" Oder: "Es ist unmöglich, wie Sie sich verhalten." Jemand, der sich danebenbenimmt oder nur wenig auf sein Äußeres achtet und ungepflegt rumläuft, der lässt sich gehen. Das geht im Allgemeinen nicht lange gut und nimmt mitunter ein schlechtes Ende. So. Unser Stichwort geht zu Ende. Bleibt uns nur noch zu wünschen, dass für Sie alles gut geht im neuen Jahr. Lassen Sie’s langsam angehen.

Fragen zum Text:

Wer sich sehr vorsichtig fortbewegt, …

1. geht wie auf rohen Eiern.

2. geht wie eine lahme Ente.

3. lässt es langsam angehen.

Welche dieser Wendungen ist nicht mehr üblich?

1. Heute geht kein Zug mehr.

2. Der Flieger geht um 16.30 Uhr.

3. Wann geht es nach der Stadt?

Eine vor allem von älteren Menschen häufig gebrauchte Phrase lautet: "Kinder, …

1. was geht denn hier ab?"

2. wie die Zeit vergeht!"

3. geht's noch?"

Arbeitsauftrag:

"Wie geht's?", "Der lässt sich gehen.", "Geht's noch?", "Was geht hier vor?", "Es geht so." Vor allem in der Umgangssprache wird "gehen" nicht bloß im Sinne von "fortbewegen" gebraucht. Suchen Sie solche Ausdrücke mit übertragener Bedeutung aus dem Text und formulieren Sie sie um, indem Sie das Wort "gehen" ersetzen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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