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Afrika

Gehen oder Bleiben? Fluchtursachen und ihre Folgen

Gehen oder Bleiben? Vor dieser Entscheidung stehen Millionen Menschen in Afrika, die in ihrer Heimat keine Zukunft sehen. Um sie geht es im DW-Projekt "Dilemma Migration". Mitreden ist die Devise.

Junge Männer, Mütter, Ehefrauen, Politiker und Aktivisten - sie alle wollen mitdiskutieren, von ihren Erfahrungen berichten an diesem Abend in Senegals Hauptstadt Dakar. Das Thema der gemeinsamen Live-Diskussion von Deutscher Welle und dem lokalen Medienpartner Excaf Telecom hat viele Zuschauer neugierig gemacht. Selten wird hier so öffentlich über Migration diskutiert, über Fluchtursachen und die Folgen.

Auf dem Podium sitzt auch Yayi Bayam Diouf. Sie leitet einen Verband von Frauen in Dakar, der sich gegen illegale Migration einsetzt. Vor Jahren hat sie ihren einzigen Sohn verloren. Mit einem Fischerboot ist er 2007 nach Spanien aufgebrochen - aber kam dort niemals an. "Unsere Küsten werden ausgebeutet, wegen der Fischerei-Abkommen, die unsere Regierenden mit der EU geschlossen haben", kritisiert Diouf. "Jetzt gibt es kaum noch Fisch, den wir fangen können. Die jungen Leute haben keine Arbeit. Stattdessen beobachten sie jeden Morgen die fremden Schiffe draußen vor der Küste. Das frustriert sie - und deshalb setzen sie sich lieber in Boote und suchen woanders nach einem besseren Leben, auch wenn das Meer sie vielleicht tötet."

Senegal DW-Dreharbeiten - Hinterbliebene von Flüchtlingen in Thiaroye-sur-mer (DW/G. Vollmer)

Boote an Senegals Küste

Die Jugend will Chancen

Aktivist Thiat von der Bewegung "Y'en A Marre!" ("Wir haben es satt!") versucht zu erklären, wie viele junge Senegalesen denken. "Klar, wir tragen auch Verantwortung, aber was sollen wir tun? Wenn es keine Arbeit gibt und der Staat dich auch dann nicht unterstützt, wenn du es auf eigene Faust versuchst?", fragt Thiat. Auch er ist der Meinung, dass die Staaten, in denen viele Afrikaner eine bessere Zukunft suchen, eine Mitschuld tragen an der Hoffnungslosigkeit auf dem Kontinent. "Europa oder die USA diktieren uns ihre Politik und unsere Politiker haben nicht die Courage Nein zu sagen."

Ein klarer Seitenhieb gegen Senegals Minister für Jugend und Arbeit, Mame Mbaye Niang, der ebenfalls an der Diskussion teilnehmen wollte. "Die jungen Leute wollen arbeiten, und sie haben ein Recht darauf", sagt der Minister im Gespräch mit der DW. "Aber verstehen Sie doch: Wenn jemand keine Qualifikation hat, dann ist es schwierig, einen Job für diese Person zu finden." Der Präsident habe doch schon Bedingungen geschaffen: "Die jungen Leute können doch in der Landwirtschaft arbeiten." Doch das Publikum bekommt das an diesem Abend nicht zu hören, denn der Minister ist weg, bevor die Diskussion beginnt. Er habe einen dringenden Termin, heißt es nur.

Die französische Redaktion der DW hat die Debatte auf Facebook begleitet, unter dem Hashtag #partirourester (auf Deutsch: gehen oder bleiben) Fotos, Statements und kurze Ausschnitte gepostet. Auch aus anderen frankophonen Ländern haben sich Nutzer gemeldet. "Wir haben uns schon eingeloggt und freuen uns auf die Debatte!", schreibt etwa Patrick Nzey aus Kongos Hauptstadt Kinshasa. "Gute Fragen, es war spannend bis zum Schluss", resümiert später Josepha Bamba aus Nkongsamba in Kamerun. Und Stive Achille Boko Dahoundo aus Parakou, Benin, schreibt: "Warum habt ihr mich nicht eingeladen! Ich habe dazu auch jede Menge zu sagen."

DW Screenshot Facebook Französisch (facebook/DW)

Die Diskussion auf dem Podium in Dakar geht auf Facebook weiter

Hoffnungen und Ängste

Die Debatte in Dakar ist Teil des multimedialen Projekts "Dilemma Migration", das die Deutsche Welle mit Förderung des Auswärtigen Amtes in Westafrika umsetzt. Eine ähnliche Diskussionsrunde fand im November in Malis Hauptstadt Bamako statt, Mitte Dezember wird in Niamey im Niger diskutiert. Das Ziel: Menschen zusammenbringen. Die Verzweifelten, die nur noch weg wollen, die Rückkehrer, die ihr Glück woanders nicht gefunden haben und politische Entscheider, die jungen Leuten eine Zukunft in ihrem Heimatland geben wollen.

Zusätzlich dokumentieren DW-Fernseh- und Radioreporter die verschiedenen Stationen der illegalen Migration aus Westafrika über Libyen und Italien bis nach Deutschland, zeigen unerfüllbare Wünsche und enttäuschte Hoffnungen auf. Sie recherchieren in Senegal, Gambia, Mali und Niger die sozialen Folgen des "Exodus", befragen junge Leute zu ihren Erlebnisse, ihren Perspektiven und zur Verantwortung von Entscheidern in Afrika und Europa.

Mitreden auf Facebook

Da ist zum Beispiel die Geschichte von Musa aus Gambia. Er wagt die lebensgefährliche Flucht durch die Sahara, bis nach Libyen. Von dort aus soll es mit dem Boot weiter nach Europa gehen. Doch Musa wird von Kriminellen verschleppt, weggesperrt, geprügelt. Erst als seine Familie Lösegeld zahlt, kommt er frei. Inzwischen ist Musa zurück in Gambia, will dort Freunde von der Flucht abhalten. Oft vergebens.

Senegal DW-Dreharbeiten - Hinterbliebene von Flüchtlingen in Thiaroye-sur-mer (DW/G. Vollmer)

Kinder im Senegal. Viele jungen Leute sehen ihre Zukunft in Europa

Die DW-Haussa-Redaktion sendet die Radio-Berichte der Serie immer montags und diskutiert anschließend mit ihren Facebook-Fans. Auch über die Erfahrungen von Musa. "Ich denke, alle Afrikaner sollten sich selbst versorgen können, mit kleinen Unternehmen, schon während der Schule oder des Studiums", schreibt zum Beispiel Facebook-User Yusuf Usman Musa aus Kano, Nordnigeria. "Die Regierung kann nicht für alle Bürger sorgen und ihnen Jobs verschaffen, es sind einfach zu viele Menschen." Isaac Ehosa Godwin kommt aus Nigeria, aber lebt in Liberia. Er hat den Film über Musa auf der englischsprachigen Facebook-Seite der DW gesehen und schreibt: "In Afrika herrscht absolutes Chaos. Von 100 Prozent der Bevölkerung können gerade mal 20 Prozent das Leben genießen, vor allem Regierungsbeamte und die Familien der Präsidenten."

Fast ein Dutzend Beiträge zum Thema Migration sind bereits gelaufen. Das Feedback: positiv. "Wir freuen uns über euer neues Programm. Ihr schaut euch zunächst mal an, warum die Menschen wegwollen aus Afrika, dann weiß man auch, was man dagegen tun kann", schreibt Sani Mailangelange Yelwa aus Lagos, Nigeria. Und es gibt auch Tipps und Anregungen: "Es ist wichtig, dass ihr euch auch noch andere Aspekte anschaut und die Stimmen und Meinungen von Minderheiten hört. Dann wird vielleicht auch die Regierung auf ihre Probleme aufmerksam und hilft, zum Beispiel im Nordwesten von Nigeria", schreibt Aliyu Dan Hausa Gwammaja aus Kano.

Das Multimedia-Projekt  läuft noch bis Ende des Jahres.

Mitarbeit: Emmanuelle Landais

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