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Welt

Geheimtipp für Geisteswissenschaftler

Italien ist nicht bekannt für seine Elite-Universitäten und dennoch kommen viele deutsche Studenten für einige Semester in das mediterrane Land. Es geht ihnen um mehr als nur Seminare und Vorlesungen.

Universität in Pavia (Foto: picture-alliance/akg)

Bereits im Mittelalter war Pavia ein wichtiges Bildungszentrum

Feierabend in der norditalienischen Kleinstadt Pavia: Die Menschen strömen auf die Straßen. Man kennt sich, man grüßt sich und geht auf dem Weg nach Hause noch einen Aperitif trinken. Dieses Ritual hat Anna Beckmann aus Konstanz lieben gelernt. Die Philosophiestudentin kommt aus der Vorlesung und steuert eine gemütliche Kneipe an der Piazza Vittoria an. Hier ist sie mit Freunden auf ein Bier verabredet.

Geisteswissenschaften haben hohen Stellenwert

Anna lässt sich in einen Plüschsessel fallen. "Mir gefällt es hier sehr gut. Die Stadt ist einfach schön." Anna schaut aus dem Fenster auf die beleuchtete Piazza. Pavia ist eine alte Stadt, mit historischen Plätzen, kleinen Cafés und romanischen Kirchen. "Hier studieren viel mehr Leute Philosophie als in Deutschland. Das Fach ist viel anerkannter als bei uns", erzählt die Studentin.

Studenten Anna, Davide und Gabriele in einer Kneipe in Pavia (Foto: Kirstin Hausen)

Am Abend lassen die Studenten den Tag in einer Kneipe ausklingen

Die geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universität liegen mitten im Stadtzentrum, in einem prächtigen, ockerfarbenen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert. Schon im Mittelalter war Pavia ein wichtiges Bildungszentrum: Erst Sitz einer Rhetorikschule, dann Studienort für Rechtswissenschaften, schließlich für die gesamte humanistische Bildung. 1485 wurde Pavia offiziell eine Universitätsstadt. Anna meint, die Tradition zu spüren, wenn sie unter den Arkaden zu ihrem Vorlesungssaal geht: "Man bekommt schon so ein Gefühl von Ehrfurcht."

Entspanntes Lernen

Anna nippt an ihrem Bier. Die Entscheidung, ein Semester in Pavia zu studieren, war für sie genau richtig. "Ich habe mich noch nie so entspannt gefühlt wie hier. Diese ruhige Art der Italiener schwappt auf einen über. Die Leute haben eine andere Art, zu leben", sagt sie. Die Italiener würden das Leben viel mehr genießen als andere – und dennoch nicht weniger arbeiten. Das findet auch ihre Freundin Gabriele, die in Pavia Wirtschaftswissenschaften studiert. Allerdings mahlen ihr die Mühlen in Italien manchmal auch zu langsam. Zwar seien die Italiener flexibler als die Deutschen, aber: "Ich lerne hier die Zuverlässigkeit der Deutschen und ihren Hang, Pläne zu machen, neu schätzen."

Omar Serra im Innenhof der Universität von Pavia (Foto: Kirstin Hausen)

Omar hilft den neuen Erasmus-Studenten

Der italienische Student Omar Serra schmunzelt. Er engagiert sich bei ESN, dem Netzwerk der Erasmusstudenten in Pavia. Omar hat den beiden Deutschen am Anfang ihres Semesters in Pavia bei den praktischen Kleinigkeiten im Alltag sehr geholfen. "Wir erklären, wie man in Italien die Stromrechnungen bezahlt und solche Sachen", sagt Omar. "In Italien herrscht ein organisiertes Chaos, aber es läuft irgendwie." Für die Einschreibung und die Formalitäten sei ein offizielles Büro zuständig, das Ufficio Mobilita, Eine andere Stelle helfe bei der Wohnungssuche. Anna Beckmann wohnt im Studentenwohnheim. Das ist finanziell günstiger und Anna hat so direkt Kontakt zu italienischen Kommilitonen.

Kontakte sind schnell geknüpft

Anna hat ihre Kommilitonen schnell kennen gelernt. "Die Italiener sind sehr geduldig, erklären dir jedes Wort fünf Mal. Ich hatte gar keine Probleme", sagt die Philosophiestudentin. Das sei es, was italienische Universitäten auszeichne, sagt auch ihre Freundin Gabriele. "Ich kann in England an eine Eliteuniversität gehen, aber ich hab da nicht das Studentenleben, das ich hier habe. Denn Pauken allein öffnet keine Horizonte", sagt sie. Wer zum Studium nach Italien geht, will wie Anna Land und Leute kennenlernen: "Mir gefällt die Fähigkeit der Italiener, aus wenig viel zu machen, zum Beispiel wenn man abends zusammensitzt und anfängt zu kochen. Man hat gar nicht viel im Haus, aber am Ende gibt es ein tolles Abendessen und man sitzt drei, vier Stunden zusammen und es ist total witzig."

Autorin: Kirstin Hausen
Redaktion: Pouyeh Ansari

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