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Digitales Leben

Geheimnisvoller Quizduell-Hack

Das gab es noch nie im Deutschen Fernsehen: Man wollte das Internet ins Fernsehen holen, richtig live und direkt. Die erfolgreiche Rate-App "Quizduell" hatte dann tatsächlich eine bemerkenswerte TV-Premiere.

Moderator Jörg Pilawa

Moderator Jörg Pilawa

Millionen nutzen die App "Quizduell": Es ist ein einfaches Ratespiel, das man auf dem Smartphone oder Tablet überall spielen kann, wenn man Netz hat. Die Gegner sind entweder Freunde, mit denen man sich innerhalb der App vernetzt, oder beliebige Spieler, irgendwo aus dem Web. Gespielt werden sechs Fragerunden in verschiedenen Kategorien, zu jeder Frage gibt es vier Antwortmöglichkeiten. Das Spiel ist so erfolgreich, dass allein in Deutschland fast 17 Millionen Nutzer registriert sind.

Da war es nur eine Frage der Zeit, bis das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) zuschnappte und mit dem Quizduell mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte. Erstens: Das Vorabendprogramm mit einer interaktiven Quizshow aufzupeppen, um auch das jüngere Publikum zu erreichen. Zweitens: Den beliebten Moderator und Quizmaster Jörg Pilawa zurückzuholen - der hatte jahrelang erfolgreich ein Vorabendquiz moderiert. Und drittens: Das Internet live ins Fernsehen zu holen - was über das mittlerweile übliche Verlesen von Twittermeldungen hinausgehen sollte.

Sternstunde für den Moderator

Im Studio standen vier kluge Kandidaten, Lehrer, die gegen die Fernsehzuschauer online antreten sollten. Als die erste Frage gespielt werden sollte, antwortete die App nicht. Kein Problem für Sonnyboy Pilawa, er quatschte fröhlich mit den Kandidaten weiter, um dann doch festzustellen, dass bei den 190.000 Mitspielern, die sich registriert haben, wohl offenbar "die Server überlastet seien".

Screenshot Quizduell

So sieht eine durchgespielte Runde in der App aus

Es gab keine Verbindung nach "draußen" - das "Team Deutschland" war im Netz verschwunden - Lost in Cyberspace. Also wurde "Quizduell unplugged" gespielt, Pilawa ließ die Kandidaten gegen das Studiopublikum antreten, das mittels einer kleinen Konsole die Antwortknöpfchen drücken konnte. Ganz ohne Internet.

Pilawa merkte man keine Sekunde lang an, dass ihm das komplette Konzept der Sendung soeben um die Ohren geflogen war. Während die Show lief, wurde im Hintergrund fieberhaft nach der Ursache der Panne gesucht. Das Ergebnis: Die App ist während der Sendung offenbar gehackt worden. Jörg Pilawa erklärte nach der Sendung, offenbar habe ein einzelner User weltweit 25.000 Server lahm gelegt. "Das ist eine extrem große Leistung. Wir sind hier sehr überrascht, wie so etwas passieren kann", sagte der Moderator. "Experten von Google versuchen herauszufinden, wie das möglich war. Es gab zwar vorher ein paar Drohungen aus der Szene, aber es hieß immer, so etwas sei nicht möglich."

Untergrundkämpfer am Werk?

Die "Szene" - so wird im Spaß geunkt, könnten Anhänger der Seifenoper "Verbotene Liebe" sein, die bisher auf diesem Sendeplatz zu sehen war. Diese Soap hat in Deutschland enorm viele Anhänger, die nicht sehr glücklich darüber sind, dass ihre Lieblingssendung für ein paar Wochen pausieren muss. Aber kann man den Fans einer Herzschmerz-Serie tatsächlich zutrauen, so viel kriminelle Energie aufzubringen, um eine TV-Show lahmzulegen?

Sicher wird die Ursache bald klar sein. Vielleicht tritt der vermeintliche Hacker demnächst in einer Talkshow auf. Vielleicht war aber alles nur ein genialer PR-Gag - um noch mehr Zuschauer vor den Bildschirm zu locken. Oder auch ein gelungener Coup des schwedischen Entwicklers der App, der FEO Media AB-Gruppe, die das Onlinequiz noch besser verkaufen will. Die App gibt es gratis mit Werbung oder werbefrei für knapp drei Euro zum Download. Eine Goldgrube.

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