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Kultur

Geheimnis um "Deep Throat" gelüftet

Mehr als 30 Jahre war es eines der bestgehüteten Geheimnisse. "Deep Throat" - jener anonyme Informant, der den Watergate-Skandal auslöste und 1974 Präsident Nixon zum Rücktritt zwang - hat einen Namen bekommen.

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W. Mark Felt mit seiner Tochter Joan Felt am 31.5.2005 in Kalifornien

Mark Felt, die frühere Nummer zwei der Bundespolizei FBI, erklärt gegenüber dem Magazin "Vanity Fair", er sei die geheimnisvolle Quelle gewesen, welche die "Washington Post"-Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward mit Details aus dem Innenleben der Nixon-Regierung versorgt hatte und dessen Identität seither zu den liebsten Spekulationsobjekten von Medien, Historikern und Polit-Gurus gehörte.

"Na gut, ich bin´s"

Eigentlich sollte die Identität von "Deep Throat" ("Tiefer Schlund"), der seinen Decknamen in Ablehnung an einen erfolgreichen Pornofilm der damaligen Zeit erhalten hatte, erst nach seinem Tod ans Licht kommen. So hatte es der Informant mit Bernstein und Woodward sowie deren damaligem Chefredakteur Ben Bradlee fest vereinbart. Dass Felt sich jetzt im Alter von 91 Jahren outete, geschah laut "Vanity Fair" auf Druck seiner Familie. Felt habe sein Geheimnis noch bis vor drei Jahren vor der eigenen Verwandtschaft zu wahren versucht, nachdem er sich bereits seiner Vertrauten Yvette La Garde offenbart habe. Diese habe aber die Familie informiert. Als Felt von seiner Tochter Joan mit dem Bericht La Gardes konfrontiert worden sei, habe er knapp geantwortet: "Nun gut, ja, ich bin's."

Nachts in der Tiefgarage

Journalisten der Washington Post Carl Berstein und Robert Woodward Watergate Skandal Quiz 50 Jahre Deutsche Welle Frage 3

Bernstein und Woodward im Redaktionsbüro

Nach anfänglichem Zögern und einer öffentlichen Erklärung der Familie bestätigten auch Bernstein, Woodward und Bradlee schließlich, dass Felt ihre Quelle war. "Deep Throat" wusste, was im Weißen Haus, beim FBI, im Justizministerium und in Nixons Wahlkampfbüro vor sich ging. Er traf die Journalisten nachts in einer Tiefgarage, um seine Informationen preiszugeben.

Zur Verabredung der Treffen gab es einen Code. Wenn Woodward seinen Informanten treffen wollte, stellte er einen leeren Blumentopf mit einer roten Baustellen-Fahne auf den hinteren Balkon seiner Wohnung. Wenn "Deep Throat" ein Treffen wollte, erschienen auf mysteriöse Weise die Zeiger einer Uhr auf der Seite 20 von Woodwards Exemplar der "New York Times". Während der Begegnungen in der Garage gab der Informant den Reportern entscheidende Hinweise, ob sie mit ihren Recherchen die richtige Fährte verfolgten oder nicht.

Die Spur führt ins Oval Office

Nixons Kassettenrekorder

Präsident Nixons legendärer Kassettenrekorder

Mit Hilfe von "Deep Throat" konnten Bernstein und Woodward nach und nach aufdecken, dass die Spur von dem rätselhaften Einbruch in die Wahlkampfzentrale der oppositionellen Demokraten im Washingtoner Watergate-Hotel bis ins Oval Office führte. Diese Enthüllungen begründeten nicht nur den persönlichen Ruhm der beiden Reporter, der später durch den Hollywoodfilm "Die Unbestechlichen" zementiert wurde. Bernstein und Woodward wurden auch zu Vorbildern des investigativen Journalismus.

Über "Deep Throat" wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten aber kaum etwas bekannt. In ihrem Buch "All the President's Men" ("Die Männer des Präsidenten") verrieten Bernstein und Woodward nur wenig über ihren Informanten - etwa, dass er Whiskey trank und rauchte und in ständiger Furcht lebte, überwacht und gefeuert zu werden.

"Ich habe meine Pflicht getan"

Nicht nur der Whiskey passt zu Felt, der laut "Vanity Fair" früher ein regelmäßiger Konsument von Scotch und Bourbon war. Der FBI-Vize hegte demnach auch einen Groll auf das Nixonsche Weiße Haus, dem er anlastete, die Ermittlungsbehörden für politische Zwecke zu missbrauchen. Felt, der vor vier Jahren einen leichten Schlaganfall erlitt und im kalifornischen Santa Rosa lebt, will jedoch nicht nach dem Sturz des Präsidenten getrachtet haben. "Nein, ich habe nicht versucht, ihn zu Fall zu bringen", sagte er dem Magazin zufolge seiner Tochter Joan. Vielmehr habe er damals nur "seine Pflicht getan". (kas)

  • Datum 01.06.2005
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