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Nahost

Geheime Militärhilfe Israels im Irak?

Die israelische Polizei ermittelt wegen illegaler Militärhilfe für die Kurden im Norden des Irak. Eine israelische Firma und ein ranghoher kurdischer Regierungsvertreter sollen darin verwickelt sein.

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Haben israelische Soldaten kurdische Spezialeinheiten ausgebildet?

Wie eine israelische Tageszeitung am Donnerstag (22.6.) berichtet, stehen israelische Unternehmen und Sicherheitsexperten im Verdacht, ohne Genehmigung des israelischen Verteidigungsministeriums Militärgeräte und Geheimdienstinformationen verkauft und kurdische Spezialeinheiten ausgebildet zu haben. An der Ausbildung im Irak seien frühere Mitglieder israelischer Spezialeinheiten beteiligt gewesen. Die Geschäfte seien über die Firma Kudo abgewickelt worden, an der ein Israeli und ein ranghoher kurdischer Regierungsvertreter beteiligt sind.

Die israelische Polizei hat nach einer Meldung der Tageszeitung "HaAretz" Untersuchungen von Aktivitäten israelischer Firmen im Irak aufgenommen. Das Interesse der Beamten soll sich vor allem auf Firmen aus dem Sicherheitsbereich konzentrieren, die im kurdischern Nordirak tätig seien. Offizielle Bestätigung des Berichtes gibt es bisher nicht, es besteht jedoch kaum ein Zweifel, dass die Geschichte einen harten Kern der Wahrheit hat.

Israels Engagement im Irak

So sollen israelische "Spezialisten" die Sicherheitsanlagen des Flughafens im kurdischen Irbil gebaut haben und israelische Elektronikfirmen - wie zum Beispiel "Tadiran" - sollen an anderen "Sicherheitsprojekten" im Nordirak beteiligt gewesen sein. Das besondere Interesse der israelischen Polizei richtet sich jetzt auf die Aktivitäten einer Firma, die von einem israelischen US-Doppelstaatsbürger geführt wird. Der ehemalige Fallschirmjäger soll empfindliche Sicherheitstechnologie in den Irak exportiert haben.

Peschmerga Kämpfer bei Kirkuk

Peschmerga-Kämpfer bei Kirkuk

Israel wurde schon früh direktes Engagement im Irak nachgesagt. Jerusalem dementierte stets prompt. So hieß es während der amerikanischen Invasion, dass die US-Truppen von israelischen Agenten unterstützt würden und nach dem Skandal von Abu Ghraib erklärte die - später abgesetzte - Verantwortliche für das Gefängnis, Brigadegeneral Janet Karpinski, sie habe bei Gefangenenverhören mindestens einen Mann getroffen, der sich als Israeli zu erkennen gegeben habe.

Ideale Verbündete

Das israelische Interesse am Irak galt während des Krieges und unmittelbar danach ganz offensichtlich jenen Angehörigen des irakischen Geheimdienstes, die sich auf Israel spezialisiert hatten. Ob diese Leute ausfindig gemacht wurden und was mit ihnen geschah, bleibt freilich im Dunkeln. Dass Israel sich bei seinen Bemühungen auf irakische Kurden zu stützen suchte (und sucht) ist kaum verwunderlich: Historisch hat es lange enge Zusammenarbeit zwischen Israel und den Kurden gegeben.

Bereits Anfang der sechziger Jahre begann Israel, mit den Kurden zusammenzuarbeiten, weil diese von der irakischen Zentralregierung benachteiligt wurden und deswegen als ideale Verbündete Israels gegen das virulent anti-israelische Bagdad in Frage kamen. In der Folge intensivierten sich die Kontakte, besonders zum legendären Kurdenführer Mustafa Barzani, dessen Miliz "Pesch Merga" und auch dessen Geheimdienst maßgeblich von israelischen (und iranischen) Experten ausgebildet wurde und der selbst wiederholt Israel besuchte. Erst als der - Israel ebenfalls eng verbundene - Schah des Iran sich mit Bagdad vorübergehend in der Kurdenfrage einigte, reduzierte Israel sein Engagement im Irak.

Es geht um Profit

Die Präsenz Israels in Kurdistan entsprang der Strategie der ehemaligen israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir: Im Rücken der unmittelbaren arabischen Feinde müsse ein Gürtel von befreundeten Staaten oder Gruppen aufgebaut werden. Israels gute Beziehungen zum Iran des Schahs waren ein Beispiel dafür, Israels massives Engagement in Schwarzafrika ein weiteres. Kaum ein Staat dort, der nicht auf die eine oder andere Weise jahrelang hiervor profitiert hätte. Zu den größten Nutznießern zählte Uganda - wo Israel unter anderem den Putsch Idi Amins unterstützte. Amin, der seine militärische Ausbildung in Israel bekommen hatte, wurde allerdings später zu einem der bittersten Feinde Israels.

Diktator Amin tot

Idi Amin, ehemaliger Präsident von Uganda

Ein zweites Motiv ist allerdings viel profaner: Es geht um Profit. Die israelischen Streitkräfte "produzieren" jährlich hoch qualifizierte Spezialisten, die ihr Fachwissen nach dem Verlassen der Armee gewinnbringend anwenden wollen. So finden sich längst weltweit israelische "Spezialisten" in privaten "Sicherheitsfirmen", Israelis sind in Waffengeschäfte verwickelt und schrecken dabei nicht einmal davor zurück, mit dem Feind zusammenzuarbeiten - wie die "Iran-Contra-Affäre" zeigte, in deren Rahmen Israel mit privater Vermittlung die Mullahs in Teheran mit Waffen gegen Saddam Hussein versorgte.

Aktivitäten "hinter feindlichen Linien"

Israelische "Geschäftsleute" sind überall anzutreffen: Vor Jahren schon im Südsudan, wo sie mit in Israel zugelassenen LKWs Arbeiter zu von ihnen ausgebeuteten Goldgruben transportierten. Oder im Libanon und am Golf, wo vor einigen Jahren ein verschuldeter Israeli der "Hisbollah" in die Hände fiel, der sein Minus bei der Bank durch Waffendeals zu verringern suchte.

Politisches Kalkül, berechtigte Sicherheitsinteressen und wahnwitzige Profitgier waren und sind die treibende Kraft hinter den israelischen Aktivitäten "hinter feindlichen Linien". Und weil diese drei Motive nicht immer ganz klar voneinander zu trennen sind, bleibt es recht fraglich, ob die Polizei-Untersuchung wirklich Handfestes zu Tage bringen wird.

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