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Politik

Geheimdienste deckten Eichmann

Deutsche und US-Geheimdienste haben 1958 verschleiert, dass der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien lebte - aus Sorge, er könnte über Hans Globke, den Staatssekretär Adenauers, auspacken.

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Adolf Eichmann in Jerusalem, 1961

Globke war der Verfasser eines Kommentars zu den Nürnberger Rassengesetzen im Dritten Reich und half den USA bei ihren antikommunistischen Aktivitäten in Westdeutschland. Das geht aus US-Dokumenten vor, die die CIA jetzt freigeben musste. In einem Vermerk deutscher Geheimdienstler vom 19. März 1958 an die CIA hieß es, Berichten zufolge halte sich Eichmann seit 1952 unter dem Aliasnamen "Clemens" in Argentinien auf.

Bereits zu diesem Zeitpunkt wäre es möglich gewesen, Eichmann festzunehmen, sagte Timothy Naftali. Der Historiker an der Universität von Virginia untersuchte die 27.000 Seiten Dokumente. Die Festnahme sei aber ebenso wenig geschehen wie eine Weitergabe der Information an die Israelis. Die Regierung Adenauer habe Angst vor der Enthüllung über die Nazivergangenheit hochrangiger westdeutscher Persönlichkeiten gehabt, darunter auch Globke.

Organisator der "Endlösung"

Eichmann gilt als einer der zentralen Schreibtischtäter des Holocaust. Der ehemalige SS-Obersturmbannführer war unter anderem 1942 Protokollführer der Wannseekonferenz zur so genannten "Endlösung" gewesen und organisierte die Deportation von Juden in die Vernichtungslager. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte er eine zeitlang unter falschem Namen in Deutschland gelebt und war wie andere NS-Verbrecher 1950 über die vom amerikanischen Geheimdienst als "Rattenlinie" bezeichnete Fluchtroute nach Argentinien geflohen. 1960 wurde Eichmann vom israelischen Geheimdienst Mossad nach Israel entführt, zum Tode verurteilt und 1962 im Gefängnis Ramla bei Tel Aviv gehängt.

Nach Eichmanns Enttarnung übte die CIA Druck auf Journalisten aus, um Hinweise auf Globke zu unterdrücken: "Gesamtes Material wurde gelesen. Eine unklare Erwähnung von Globke, die 'Life' auf unsere Forderung hin weglässt", schrieb der damalige CIA-Direktor Allen Dulles am 20. September 1960 in einem internen Memorandum, nachdem das Magazin "Life" die Erinnerungen des Nazis erworben hatte.

Nazis als Agenten angeheuert

Der Eingang des CIA - Hauptquartier in Langley, Virginia

Das "saubere" Image des CIA leidet erneut

Die Dokumente enthalten nach Angaben von Historikern auch neue Hinweise auf den Umfang der Zusammenarbeit der Amerikaner mit Ex-Nazis. Die CIA habe ganze Agentenringe mit ehemaligen Mitgliedern des Wehrmacht-Geheimdienstes geführt, um im Kampf gegen einen befürchteten Vormarsch des Kommunismus gewappnet zu sein. Kriegsverbrecher seien damals mit Klatsch und Gerüchten hausieren gegangen, um der Strafe für ihre Taten zu entgehen oder für Söldnerlohn oder aus politischen Gründen, die sich nicht immer mit den amerikanischen Interessen gedeckt hätten, sagte Robert Wolfe, Fachmann für deutsche Geschichte, bei einem Briefing zur Freigabe der Dokumente.

Die Veröffentlichung der Dokumente geht auf ein Gesetz aus dem Jahr 1999 zurück, dem sich die CIA bisher widersetzt hatte. Es regelt die Freigabe von Unterlagen der US-Regierung, die im Zusammenhang mit deutschen und japanischen Kriegsverbrechen stehen. Die Dokumente zu Japan sollen in diesem Sommer einsehbar sein. (fb)

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