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Kultur

Gehe ins Gefängnis - direkt!

Was heißt eigentlich "Schlossallee" auf japanisch? Am 8. und 9. Oktober 2004 findet in Tokio die zwölfte Monopoly-Weltmeisterschaft statt. Ein Brettspiel fasziniert die Welt. Die ganze Welt? Nein ...

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In Japan erlaubt, in China verboten

Die weltbesten Zocker und Strategen aus 35 Ländern machen auf der zwölften offiziellen Monopoly-Weltmeisterschaft in Tokio den Besten der Besten unter sich aus. Der Gewinner erhält 15.140 US-Dollar - dies entspricht dem Spielgeld-Inhalt eines amerikanischen Monopoly-Spiels. Als bester deutscher Immobilienhai misst sich Hans-Georg Schellinger mit seinen Konkurrenten im Straßen kaufen und Häuser bauen. Der 40-jährige Kälteanlagenbauer aus Reutlingen gab sich bereits am Tag seines Deutschlandsieges, am 12. September 2004, im Berliner Opernpalais selbstbewusst: "Ein Sieg in Tokio wäre toll. Bammel habe ich nicht." Schließlich kenne er ja alle Tricks und Kniffe.

Zufall, Strategie und ganz bestimmte Fähigkeiten

Doch die allein werden ihm bei der Weltmeisterschaft nicht viel nützen.

Heinz Georg Schellinger

Hans-Georg Schellinger vertritt Deutschland in Tokio

Denn für Monopoly braucht man nicht nur bestimmte Fähigkeiten. Es kommt auch auf Zufall und Strategiekenntnisse an. "Monopoly ist ein mixed game", sagt J. Peter Lemcke, Leiter des Deutschen Spielemuseums in Chemnitz, im Gespräch mit DW-WORLD. "Weil es diese drei Grundprinzipien in einer idealen und ausgewogenen Mischung miteinander kombiniert", fasziniere das Brettspiel Menschen aller Kontinente und Kulturen.

So ziemlich jedem brettspielenden Menschen dürfte Monopoly deshalb auch im Laufe seiner Spiel-Sozialisation auf den Tisch gekommen sein. Seit 1953 soll Monopoly nach Herstellerangaben über 200 Millionen Mal verkauft worden sein - in 26 Sprachen und in über 80 Ländern.

Schwanenwerder Wuchermieten

Deutschland beschreitet auch beim Monopoly einen - vielleicht typischen - Sonderweg. In Frankreich kann man die Pariser Rue de la Paix kaufen, in Spanien kann man auf dem Paso del Prado Hotels bauen und in der US-Edition die Mitspieler am Boardwalk abzocken. In der deutschen Edition hingegen sind die Straßennamen fiktiv, weil die Übersetzer der ersten deutschen Version das Berliner Prominentenviertel Schwanenwerder mit seinen Wuchermieten auf den Spielplan übertrugen.

Einer der realen Anwohner, seines Zeichens Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, ließ das Spiel postwendend wegen seines "jüdisch-spekulativen" Charakters verbieten. Deshalb wählte die Firma Parker nach Ende des Zweiten Weltkrieges für die deutsche Monopoly-Ausgabe vorsichtshalber neutrale Straßennamen.

Ein wirtschaftspolitisches Lernspiel

Weit weniger vorsichtig ging Parker hingegen mit der Entstehungsgeschichte von Monopoly um. Eine der vielen Legenden, die sich um sie ranken, wird von Parker selbst kultiviert: Demnach soll Charles Darrow, ein arbeitsloser Heizungsmonteur, in den 1930er Jahren das Spiel an seinem Küchentisch auf einem Wachstuch entworfen haben. Tatsächlich hat er jedoch nur das seit 1904 unter dem Namen "The Landlords Game" bekannte Original von Elizabeth J. Magie abgekupfert.

Magie war Anhängerin der "Single Tax"-Theorie des Wirtschaftswissenschaftlers Henry George, wonach der Einfluss der Großgrundbesitzer durch eine Universalsteuer auf den Gewinn aus Grund- und Bodenpacht zurückgedrängt werden sollte. Die Quäkerin wollte mit ihrem Spiel die unsoziale Wirkung von Monopolen demonstrieren. Der Gründer der Firma Parker Brother Games lehnte ihr Spiel denn auch mit der Begründung ab, es habe erzieherische Züge und - noch schlimmer - eine politische Botschaft.

Kapitalistisches Machwerk?

Die eigentliche politische Botschaft ist aber offenbar nicht wirklich überall verstanden worden. In den Ländern des Ostblocks war Monopoly als "kapitalistisches Machwerk" verpönt. "Das hat sich im Ostblock einfach festgesetzt als Vorurteil", sagt Lemcke. Bis heute kommen die Bewohner Kubas, Nord-Koreas und Chinas nicht in den Genuss des spielerischen Geldeintreibens und sind folglich auch nicht auf der WM in Tokio vertreten.

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