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Wirtschaft

Gehälter der Chefs steigen kräftig

Die Vorstandsvorsitzenden der DAX-Unternehmen können sich freuen. Sie verdienten sie im letzten Jahr im Schnitt 5,5 Millionen Euro.

Die Konzernlenker verdienten 2011 damit rund 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Towers Watson hervor, die bisher 17 Jahresberichte ausgewertet hat. Insgesamt sind 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex gelistet.

Die 5,5 Millionen Euro sind die sogenannte Direktvergütung und beinhalten das Grundgehalt, Boni und langfristige Anreize. Zusätzlich erhielten die Dax-Chefs im Schnitt 629.000 Euro für die Altersversorgung.

Spitzenreiter mit 17 Millionen

Spitzenverdiener: VW-Chef Martin Winterkorn (Foto: dapd)

Spitzenverdiener: VW-Chef Martin Winterkorn

Bestverdiener unter den Dax-Vorständen ist Martin Winterkorn von Volkswagen mit 16,6 Millionen Euro Direktvergütung. Es folgen Dieter Zetsche von Daimler mit 8,7 Millionen und Peter Löscher von Siemens mit 8,6 Millionen Euro. Josef Ackermann, der 2010 rund 9,0 Millionen Euro verdiente, ist in der Aufstellung der Unternehmensberatung noch nicht vertreten, die Deutsche Bank legt ihren Geschäftsbericht erst am 20. März vor. Schlusslicht ist Martin Blessing von der Commerzbank, dessen Gehalt auf 500.000 Euro begrenzt ist, weil die Commerzbank staatliche Rettungsgelder erhalten hat.

2011 ist das zweite Jahr in Folge, das den Topmanagern einen kräftigen Gehaltszuwachs beschert. 2010 war die durchschnittliche Vergütung der Vorstandsvorsitzenden bereits um 23 Prozent gestiegen. Im Jahr 2009 sorgte die Finanzkrise für einen Rückgang der Gehälter, das Minus betrug 14 Prozent.

Olaf Lang von Towers Watson, einer der Autoren der Studie, sieht das als Beleg für "atmende" Vergütungssysteme. "Betrachtet man die Vergütung von 2007 bis 2011, zeigt sich, dass eine gute Unternehmensperformance mit einem höheren Gehalt korreliert." Umgekehrt verdienten die Chefs weniger, wenn ihr Unternehmen weniger Geld verdient, so Lang.

Atmende Gehälter?

Eine Kennzahl für den Unternehmenserfolg ist der Gewinn pro Aktie. Der ist bei den untersuchten Unternehmen laut Studie im letzten Jahr um durchschnittlich 17 Prozent gestiegen. Dem gegenüber steht ein durchschnittliches Gehaltsplus von 13 Prozent für die Topmanager.

Betrachtet man jedoch einzelne Unternehmen, lässt sich die Theorie von den "atmenden" Bezügen nicht immer bestätigen. Die Frankfurter Unternehmensberatung Hostetter, Kramarsch & Partner (hkp) führt ebenfalls eine Liste der Vorstandsbezüge in Dax-Unternehmen und setzt sie in Bezug zum Gewinn je Aktie. Der ist bei der Telekom im letzten Jahr um 63 Prozent eingebrochen, während das Gehalt von Vorstandschef René Obermann unverändert blieb. Beim Energieversorger RWE sank der Gewinn pro Aktie 2011 um 46 Prozent, das Gehalt von RWE-Chef Jürgen Großmann nur um drei Prozent.

Das Gehalt von VW-Chef Martin Winterkorn, mit fast 17 Milliarden Euro der Top-Verdiener, stieg dagegen mit 63 Prozent weit weniger stark als der Gewinn pro Aktie, der um 118 Prozent zulegte.

Europäischer Durchschnitt

Schlusslicht: Commerzbank-Chef Martin Blessing

Schlusslicht: Commerzbank-Chef Martin Blessing

Laut Studie von Towers Watson bewegen sich die Bezüge deutscher Spitzenmanager etwa auf europäischem Niveau. Zum Vergleich dienten europäische Unternehmen, deren Aktien im Index Dow Jones Stoxx Europe 50 gelistet sind. Im Schnitt verdienten Vorstandsvorsitzende hier 5,8 Millionen Euro, nur etwas mehr als die 5,5 Millionen der Dax-Chefs.

Deutlich mehr verdienen dagegen die Chefs großer US-Unternehmen. Die Studie bezieht sich hier auf Werte von 2010, weil noch nicht genügend aktuelle Geschäftsberichte vorliegen. Damals verdienten Chief Executive Officer (CEO) von Unternehmen im Dow Jones Industrial Index im Schnitt umgerechnet 12,1 Millionen Euro.

Normale Arbeitnehmer können von solchen Bezügen nur träumen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt zudem, dass die Löhne und Gehälter von Arbeitnehmern in Deutschland zwischen 2000 und 2010 nicht von der Wirtschaftsentwicklung profitiert haben. In diesem Jahrzehnt sind die monatlichen Bruttoeinkommen aller abhängig Beschäftigten real um vier Prozent gesunken. Besonders stark betroffen sind die Bezieher niedriger Einkommen, hier machen die Verluste bis zu 20 Prozent aus, so die DIW-Forscher.

Autor: Andreas Becker
Redaktion: Monika Lohmüller

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