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Sprachbar

Gegenwörter

"Gegensätze ziehen sich an", heißt es. Das gilt auch für Wörter. Sogenannte Antonyme oder Gegenwörter wie "heiß" und "kalt" werden im Wortschatzgedächtnis nebeneinander gespeichert. Das hat manchmal ungeahnte Folgen.

Wer eine Fremdsprache lernt, kann ein Lied davon singen: man muss sich um die richtige Aussprache kümmern, auf die Grammatik aufpassen und gleichzeitig noch jede Menge neue Wörter lernen. Sprachwissenschaftlich formuliert: Phonetik inklusive Rechtschreibung, Grammatik und Lexikon werden im Unterricht behandelt. Das Lautsystem einer Sprache ist in der Regel überschaubar: Im Falle des Deutschen gilt es, fünfzehn Vokale und neunzehn Konsonanten zu unterscheiden. Die Grammatik ist viel komplizierter, aber durch Übung lässt sich das Regelsystem beherrschen. Beim Wortschatz hilft Üben nur beschränkt: Wie soll jemand Tausende, ja zehntausende Wörter, über die ein erwachsener Muttersprachler verfügt, im Gedächtnis behalten? "Ich probiere, deutschen Wortschatz zu lernen", schreibt eine Schülerin im Internet, "aber ich kann mich nicht an die Wörter erinnern".

Das mentale Lexikon

Gartenstuhl mit einer Kette an einen Gartentisch angekettet.

Eine feste Sinngruppe

Wie lernt man den Wortschatz einer Fremdsprache? Das Auswendiglernen von Vokabeln führt zu keinem sicheren Ergebnis. Das hat einen einfachen Grund: Unser Wortschatz im Kopf – das sogenannte mentale Lexikon – ist nicht wie ein alphabetisches Wörterbuch organisiert, also als eine Liste nicht zusammenhängender Einträge, sondern in Sinngruppen strukturiert. Das zeigen psychologische Assoziationstests, bei denen ein Wort vorgesagt wird, worauf die Testperson mit dem ersten Wort, das ihr dazu einfällt, antwortet. Zum Beispiel ist beim Wort Tisch die häufigste Assoziation Stuhl, beim Wort heiß zumeist kalt oder warm.

Wie kommen diese Assoziationen zustande? Nun, Tisch und Stuhl sind beide Möbel, sie haben einen gemeinsamen Oberbegriff, der das Wortfeld hierarchisch ordnet. Heiß und kalt markieren die Enden einer Skala der Temperaturempfindung, sie sind gegensätzlich oder Antonymewarm liegt auf dieser Skala nahe bei heiß. Solche bedeutungsähnlichen Wörter bezeichnet man als Synonyme.

Synonyme und Antonyme

Drei Weintrauben-Rispen verschiedener Sorten und Farben

So muss man sich einen antonymischen Knoten vorstellen

Das mentale Lexikon muss man sich vorstellen wie ein riesiges Netz aus vielen Wörtern, die durch Sinnbeziehungen miteinander verbunden sind. Bei der Wortart Adjektiv bilden Antonyme die Hauptknoten dieses Netzes wie zum Beispiel bei den Adjektiven großklein, jungalt, reicharm, lebendigtot, geradeungerade und so weiter.

An den antonymischen Knoten hängen dann – wie ein Bündel – Synonyme, mit denen je nach Kontext die semantische Einstellung verfeinert werden kann. Für "kalt" sind das eisig, frostig, kühl und frisch, für "heiß" glühend,siedend, warm, schwül.

Antonym ist nicht gleich Antonym

Kochtopf mit kochendem Wasser auf einer Herdplatte

Vorsicht: siedend heiß!

Die Beispiele zeigen aber bereits, dass es Unterschiede gibt. Antonym ist nicht gleich Antonym. Die Logiker unterscheiden in sogenannte konträre und in kontradiktorische Antonyme. Beim konträren schließt die eine Eigenschaft die andere aus: heißes Wasser ist nicht kalt und kaltes Wasser nicht heiß, es gibt aber Zwischenstufen: denn lauwarmes Wasser ist weder heiß noch kalt. Ebenso ist ein guter Fußballspieler kein schlechter und umgekehrt; aber seine spielerische Leistung kann auch mittelmäßig sein, also weder gut noch schlecht.

Bei kontradiktorischen Antonymen hingegen muss eine der beiden Eigenschaften zutreffen, denn es gibt keine Zwischenstufen: Eine natürliche Zahl ist entweder gerade –zwei, vier sechs und so weiter – oder ungerade – eins, drei, fünf und so weiter. Ein Mensch ist entweder lebendig oder tot, eine dritte Möglichkeit ist ausgeschlossen.

Demagogische Antonymik

Ein großer Hund, der ein Kleinkind überragt und von diesem an der Leine gehalten wird.

Wer ist der Schwache, wer der Starke?

Kontradiktorische Antonyme kommen vor allem in Fachsprachen vor. Erkennen kann man sie daran, dass die negierte Eigenschaft in der Regel durch die Präfixe un- und nicht- vom Grundwort abgeleitet wird. So wird zum Beispiel aus "grammatisch" ungrammatisch, aus "metallisch" nichtmetallisch, aus "kündbar" unkündbar.

Außerhalb der Fachsprache bilden die meisten Antonyme nur einen konträren Gegensatz. Es ist aber ein beliebter demagogischer Trick, daraus einen kontradiktorischen Gegensatz zu machen: Politisch werden dann die Menschen zweigeteilt in Junge und Alte, Reiche und Arme, Schwache und Starke, kurz: in Freund gegen Feind.

Auto-Antonyme

Der Sprache ist dieses Freund-Feind-Schema an sich fremd. Sie drückt Antonyme sogar durch dasselbe Wort aus: Zum Beispiel bedeutet das Verb leihen sowohl "ver-leihen" als auch "ent-leihen". Also, "Ich leihe dir das Buch" oder "Ich leihe das Buch aus der Bibliothek". Solche Wörter des Gegensinnes oder Auto-Antonyme sind übrigens nicht immer harmlos: Wer ein elendes Gehalt bezieht und einen elenden Hunger hat, bekommt ein Problem: Wie soll er den riesigen Hunger mit seinem geringen Einkommen stillen?






Fragen zum Text

Das Antonym mager passt nicht in folgendem Satz:

1. Diese Aufgabe ist leicht, die folgende aber ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ _______.
2. Ich mag kein fettes Fleisch essen, sondern nur ________ Fleisch.
3. Wollen Sie milden oder _____ Senf?

Kontradiktorisch ist folgendes Antonympaar: …
1. weich ‒hart.
2. dunkel ‒hell.
3. Raucher ‒Nichtraucher.

Ein Synonym für das Adjektiv schnell ist …
1. rasch.
2. gemächlich.
3. gemessen.


Arbeitsauftrag
Erstelle mindestens je zehn Sätze, in denen du konträre sowie kontradiktorische Antonyme verwendest.

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