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Gegen Zins und Zinseszins

Daniel Wortmann24. Februar 2003

Was den Umgang mit dem großen Geld betrifft, hat Allah den Moslems strikte Grenzen gesetzt: Manche lukrative Geldanlage erfüllt nicht die Vorgaben des Koran. Mit "Islamic Banking" bieten Banken eine Alternative.

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Religiös bestimmte Bankgeschäfte: islamische Bank in MalaysiaBild: AP

"Allah hat den Handel erlaubt, aber den Zins verboten", so steht es im Koran geschrieben. Wer dennoch "riba" (arabisch für "Zins") annimmt, dem drohen schwere Konsequenzen. Entsprechend folgenreich sind die Bestimmungen der muslimischen Glaubensschriften für das islamische Wirtschaftssystem. Für den gläubigen Moslem verbietet sich nicht nur das Kassieren von Zinszahlungen. Auch Investitionen in Unternehmen, deren Geschäfte nicht den Vorschriften des Koran entsprechen, bleiben untersagt.

Banking als Glaubensfrage

Auf der Grundlage dieser Vorgaben hat sich über die vergangenen Jahrzehnte hinweg das "Islamic Banking" entwickelt. Die "Dubai Islamic Bank" war 1975 das erste Geldinstitut, das seine Geldgeschäfte streng nach islamischen Regeln abwickelte. Heute sind es über 250 Banken, die spezielle Geschäftseinheiten für muslimische Kunden betreiben. Die Wachstumsrate lag in den letzten Jahren bei konstant mehr als zehn Prozent, so dass mittlerweile 200 Millarden US-Dollar nach islamischen Vorgaben verwaltet werden.

Wichtigster Grundsatz dieser Form der Finanzverwaltung ist, dass Zinszahlungen jeglicher Art ausgeschlossen bleiben. Zu diesem Zweck verleihen die Banken ihre Gelder nicht auf herkömmliche Art. Sie investieren statt dessen direkt in einzelne Projekte und werden, ähnlich einem Risikokapitalgeber, an Gewinn und Verlust beteiligt. Eine kurzfristige Refinanzierung über Kredite fällt natürlich weg, da auch hier Zinsen im Spiel wären.

Kein Alkohol, keine Glücksspiele

Eine weitere wichtige Säule bildet die Investition anhand ethischer Richtlinien, wie sie mittlerweile auch in westlichen Wirtschaftsordnungen in so genannten Öko-Fonds verwirklicht ist. Unternehmen, die ihr Geschäft mit Alkohol, Pornografie, Glücksspielen oder dem Verkauf von Schweinefleisch verdienen, haben im Aktiendepot des gläubigen Moslems nichts zu suchen.

Eine ganze Reihe von Finanzmarktprodukten widerspricht den muslimischen Glaubensgesetzen. So sind Termingeschäfte ebenso tabu wie die "Day Trading" genannten kurzfristigen Spekulationen und der Gebrauch von Kreditkarten.

Sharia-Board entscheidet

Auch deutsche Banken haben das "Islamic Banking" für sich entdeckt. Bereits seit drei Jahren bietet die Commerzbank in Deutschland ihren Alsukoor-Fonds an, der "nach den Regeln des Islam" aufgestellt ist. In einem "Sharia-Board" wachen fünf arabische Koranlehrer darüber, dass Firmen wie die Beate Uhse AG außen vor bleiben. Sogar die Lufthansa hält den Kontrollen nicht stand, da sie an Bord Alkohol ausschenkt. Weltweit gibt es mittlerweile über 100 solcher spezieller Fonds.

Gleichzeitig engagieren sich europäische Banken vor Ort. So ist die Deutsche Bank in Bahrein und in den Vereinigten Arabischen Emiraten präsent und unterstützt zudem als Hauptsponsor die "World Islamic Banking Conference".

Die Dresdner Bank dagegen gibt sich betont zurückhaltend. Die meisten ihrer Kunden seien international orientiert und zeigten somit kein Interesse an speziellen islamischen Produkten.

Index für Islam-Werte

Die Nachfrage nach religiös bestimmten Anlagestrategien ist dennoch nicht zu vernachlässigen. Dow Jones & Company, die mit dem "Dow Jones Industrial Average" den wichtigsten Aktienindex der Welt verwalten, haben den "Dow Jones Islamic Markets Index" entwickelt. Dort werden nur Aktien aufgenommen, die den Vorgaben der Sharia entsprechen. Gerade einmal 1.500 von über 5.000 Werten haben den Sprung aus dem Globalindex in die nach Glaubensgrundsätzen aufgestellte Liste geschafft.

Seit in Folge des 11. September 2001 arabische Konten in den USA verstärkt kontrolliert werden, spüren gerade die europäischen Banken eine verstärkte Nachfrage nach ihren, an den Islam angepassten Produkten. Die Irak-Politik der US-Regierung treibt derzeit weitere Anleger auf der Suche nach religiös unbedenklichen Geldgeschäften nach Europa.