1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Gegen Kindesmissbrauch: Der Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung

Auch Deutschland wird auf dem 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Heranwachsenden in Brasilien vertreten sein. Zu Recht, denn Kindesmissbrauch stellt in Deutschland ein gewaltiges Problem dar.

Eine Puppe liegt auf einem Waldboden, Quelle: AP

In Deutschland gibt es schätzungsweise 300.000 Missbrauchsfälle im Jahr

Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit 1,8 Millionen Kinder zu Prostitution und Pornografie gezwungen werden. Allein in Asien sind etwa eine Million Kinder und Jugendliche betroffen. Doch Strafverfolgung und Opferschutz sind bei internationalen Delikten noch immer mangelhaft. Diesem Problem will sich der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Heranwachsenden in Brasilien widmen und somit den schweren Menschenrechtsverletzungen begegnen. Mehr als 3000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 130 Ländern werden vom 25. bis 28. November in Rio de Janeiro erwartet.

Ekin Deligoez (AP Photo/Markus Schreiber)

Seit April 2008 im UNICEF-Vorstand, Ekin Deligoez

Die grüne Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz wird als Mitglied der Kinderkommission des Deutschen Bundestages und als Vertreterin von UNICEF Deutschland an dem Kongress teilnehmen. In Deutschland ist der Kindesmissbrauch laut Kriminalstatistik von 15.279 Delikten im Jahre 1999 auf 12.772 im Jahre 2007 zurückgegangen. Doch das sind nur die offiziell erfassten Fälle. "Wir reden in Deutschland über eine Dunkelziffer beim Kindesmissbrauch von rund 300.000 betroffenen Kindern jährlich", sagt Deligöz. Es werde geschätzt, dass Jungen dreimal häufiger Opfer sexuellen Missbrauchs werden als Mädchen. Die Täter seien überwiegend Männer, die meist aus dem unmittelbaren Vertrauensbereich kämen. Dabei handele es sich oft um die eigenen Stiefväter oder Väter. Bei den Jungen seien es eher männliche Verwandte, wie Großvater, Onkel, Cousin.

Kinderschutz seit 2005 in Deutschland kaum vorangekommen

"Sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch von Kindern sowie Kindersex-Tourismus, Kinderhandel, Kinderpornografie sind abscheuliche Verbrechen und müssen mit allem Nachdruck verfolgt und geahndet werden", betont Annegret Erbes vom Bundesverband des Deutschen Kinderschutzbundes. Denn das ist schließlich auch die Intention des diesjährigen Weltkongresses in Rio de Janeiro. Der erste Weltkongress gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern fand 1986 in Stockholm statt, der zweite 15 Jahre später in der japanischen Großstadt Yokohama.

Silhouette eines Menschen sitztend vorm Computer (AP Photo)

Familienministerin des Bundes, Ursula von der Leyen, will Kinderporno-Seiten sperren

Die rot-grüne Bundesregierung hatte im Jahr 2003 einen nationalen Aktionsplan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung auf den Weg gebracht. "Seit dem Regierungswechsel 2005 ist der Kinderschutz nicht vorangekommen", kritisiert die NGO-Vertreterin Ursula Enders von "Zartbitter", einer Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch von Kindern. Doch am Donnerstag (20.11.2008) kündigte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) an, stärker gegen Kinderpornografie im Internet vorzugehen und die Verbreitung derartiger Inhalte im Internet gesetzlich zu unterbinden. Demnach sollen Zugangsanbieter verpflichtet werden, Zugänge solcher Websites sofort zu schließen. Von der Leyen strebt dazu eine Änderung des Telemediengesetzes an.

National und international besser kooperieren

An der Weltkonferenz in Rio de Janeiro nimmt auch Mechthild Maurer von ECPAT Deutschland teil, einer Arbeitsgemeinschaft zum Schutz gegen sexuelle Ausbeutung. "Wir können heute zwar auf viele Modellprojekte zurückgreifen, aber es ist bislang nicht gelungen, sie in bestehende Strukturen zu integrieren, um eine dauerhafte Wirksamkeit zu erreichen", erläutert Maurer. Sie fordert, dass die Bundesländer und Kommunen noch stärker einbezogen werden müssten. Möglicherweise würde den Tätern in die Hände gearbeitet, wenn zum Beispiel in einem Bundesland Fälle eher verjähren, weil die Polizei zu viele Fälle von Kinderpornografie aufarbeiten müsse, während es in einem anderen Bundesland genügend Kapazitäten gebe. Hier sollten innerhalb Deutschlands länderübergreifende Regelungen gefunden werden.

Ein Schwerpunkt des 3. Weltkongresses gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Heranwachsenden in Rio ist laut Maurer neben Kinderpornografie im Internet die Kooperation mit dem privaten Sektor. "Wir haben vor allem Internet-Provider und die Tourismusindustrie im Blick als wichtige Akteure, mit denen wir besser kooperieren müssen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.“

Die Redaktion empfiehlt