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Kultur

Gegen die Verhässlichung der Welt

Das Red Dot Designmuseum auf der Essener Zeche Zollverein ist die größte Ausstellung für zeitgenössisches Design. Luxus-Badewannen und Fahrradhelme sind wie in einem normalen Museum ausgestellt – mit einem Unterschied...

Das blaue Sofa (drei Sessel in unterschiedlichen Blautönen, die ineinander geschachtelt sind) (Foto: Reddot Online)

Sofa 'Confluences'

Von den meisten anderen Museen unterscheidet sich das Red Dot Designmuseum hauptsächlich in einem Punkt: Man kann die Ausstellungsgegenstände anfassen und ausprobieren. Justine Otto vom Red Dot Museum lässt sich auf ein ausladendes graues Sofa fallen. Wie alle Produkte der Ausstellung wurde das Möbelstück von internationalen Juroren als herausragendes Design ausgezeichnet.

Mit über 1500 Exponaten auf über 4000 Quadratmetern beherbergt das Red Dot Museum die größte Ausstellung zeitgenössischen Designs weltweit. Herausragende Produkte aus allen Lebensbereichen sind hier ausgestellt – von der Heckenschere über Hörgeräte bis zu Designer-Möbeln aller Art. Seit Mitte der 90er Jahre sind die Produkte auf der Zeche Zollverein zu betrachten. Das frühere so genannte Kesselhaus ist ein imposantes Gebäude aus roten Backsteinen im Bauhaus-Stil. Es gehört sicher zu den beeindruckendsten Industriebauten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der Schürerstand des red dot design museum mit hängendem Audi (Foto: (Foto: Reddot Online)

Kathedrale der Industriekultur - hängendes Auto im Red Dot Design Museum

Anfänge des Red Dot

Bis 1986 war das Kesselhaus als Energiezentrale der Zeche Zollverein in Betrieb. Der britische Architekt Lord Norman Foster baute das Haus um. Moderne Architektur aus Glas und Beton ergänzt unaufdringlich die Überbleibsel der Industriegeschichte. Riesige Hallen und rostige Rohre bieten so eine interessante Kulisse für die ausgestellten Produkte. Gleichzeitig erinnern sie auch an die Ursprünge des Red Dot Designmuseums.

Diese gehen bis in die Mitte der 50er Jahre zurück. Zusammen mit der deutschen Wirtschaft gründete die Firma Krupp damals den Verein "Industrieform". Von ihren Gründern wurde die Institution als "Kundgebung des Protests gegen die Verhässlichung der Welt" verstanden. Nüchterner betrachtet, sollten deutsche Konsumgüter modernisiert und verschönert werden, um den Export in der Nachkriegszeit anzukurbeln. Die Ausstellung "Ständige Schau Industrieform" zog schon in den ersten beiden Jahren über 450.000 Besucher nach Essen in die Villa Hügel, den Stammsitz der Familie Krupp.

Astschere Im Red Dot Design Museum (Foto: Reddot Online)

Astschere Im Red Dot Design Museum

Ein Produkt muss Sinn machen

Seit 1990 heißt Industrieform "Design Zentrum Nordrhein-Westfalen". Sein Leiter Peter Zec schuf zu dieser Zeit den "Red Dot Design Award", heute einer der renommiertesten Designpreise weltweit. Jährlich kommen mehr Bewerbungen, sagt Justine Otto, im vergangenen Jahr seien im Bereich Produktdesign über 3600 Einreichungen eingegangen. Eine jährlich wechselnde Jury aus internationalen Design-Experten bewertet die Gegenstände nach verschiedenen Kriterien. Das Wichtigste dabei sei die Funktionstüchtigkeit eines Produktes, es muss sinnvoll sein, sagt Justine Otto. "Außerdem müssen sie wirklich hergestellt und auch irgendwo gekauft werden können."

War es zu Zeiten von Industrieform noch Ziel, deutsches Design nach vorne zu bringen, ist der Wettbewerb auf dem Markt heute deutlich internationaler geworden, sagt Justine Otto. Kann man heutzutage überhaupt noch deutschen von japanischem, amerikanischem oder dänischem Stil unterscheiden? Die Grenzen verwischen hier immer mehr, meint Justine Otto. Schließlich gehe es auch darum, seine Produkte in der ganzen Welt zu verkaufen und auch auf andere Geschmäcker und Stilrichtungen einzugehen.

Besucher ruhen sich in Sofas aus (Foto: Reddot Online)

Blick in die White Hall

Asiatisch-deutscher Stilmix

Sie steht vor einer Badewanne, in die LED-Leuchten eingelassen sind. Blaue Lichtreflexe huschen in Form von floralen Mustern über den Wannenrand. "Der Hersteller ist aus Thailand", erklärt sie. "Hier wurde versucht, westliches mit asiatischem Design zu kombinieren. Während hier eher klare, funktionale Formen vorherrschen, sind dort oft ornamentale Formen beliebt." Sie schmunzelt und fügt an: "Ich glaube, diese Badewanne liebt man, oder man hasst sie. Ich finde sie toll!"

Über 140.000 Besucher sehen sich nach Angaben des Museums jährlich die Ausstellung im Red Dot Designmuseum an. Einige, so Justine Otto, weil sie sich über das Angebot an hochwertigen Produkten informieren wollen, um sich später vielleicht selbst das eine oder andere zu leisten. Andere nutzen eher die museale Seite der Ausstellung und genießen die Ästhetik der Räume und Gegenstände.

Autorin: Sola Hülsewig

Redaktion: Aya Bach