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Wirtschaft

Gegen die schwarzen Schafe

Nach wie vor wird mit illegal geschlagenem Tropenholz gehandelt. Zerstört werden dadurch nicht nur Wälder, sondern auch Gesellschaften. Greenpeace drängt die Politik zu entschlossenerem Handeln.

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Nach wie vor begehrt: Holz aus den Tropen

Die Abholzung der Urwälder ist eines der klassischen Greenpeace-Themen. Denn trotz einer für das Thema sensibilisierten Öffentlichkeit importieren Händler weiterhin tropische Hölzer aus den letzten Urwaldregionen der Erde.

"Zerstörer aus Tradition"

Greenpeace geht bekanntlich kaum einem Streit aus dem Weg. Derzeit hat Greenpeace das deutsche Unternehmen "Fritz Offermann Sägewerk und Holzimport" im Visier. 40 Greenpeace-Aktivisten besetzten kürzlich einen Entladekran der Holzfirma - zum dritten Mal in den vergangenen eineinhalb Jahren. "Urwald-Zerstörer aus Tradition" - dieses Transparent hing während der eintägigen Besetzung neben dem Firmen-Logo. Eine Lösung des Streits ist auch nach der Räumung des Entladekrans nicht in Sicht.

Greenpeace wirft dem Holzhändler Offermann vor, Tropenholz aus dem Bürgerkriegsland Liberia zu importieren. Iris Menn, Waldexpertin bei Greenpeace, verdeutlicht die Folgen des Holzhandels in Liberia: "Dort werden durch Holzabbau Urwälder zerstört, die danach nie wieder richtiger Wald mehr sein können. Der Bevölkerung wird dadurch der Lebensraum genommen. Ganz davon abgesehen, dass mit den Gewinnen Bürgerkriege und Waffenhandel finanziert werden."

Holz- und Waffenhandel?

Offermanns Handelspartner, die niederländischen Holzeinschlagsfirmen Oriental Timber Company und Royal Timber Corporation, sind Greenpeace zufolge maßgeblich am Waffenhandel des liberianischen Präsidenten Charles Taylor beteiligt. Die UNO habe deren Chef Gus van Kouwenhoven schon vor zwei Jahren angezeigt - er wurde mit einem Reiseverbot belegt. Offermann zeige sich von den Vorwürfen unberührt: Es scheine ihn nicht zu interessieren, dass er Holz von Waffenschiebern importiert, so Menn. Offermann selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Die weltweite Lage der Urwälder ist katastrophal. Alle zwei Sekunden wird ein Wald in Größe eines Fußballfeldes abgeholzt. "Deswegen muss ganz dringend etwas geschehen", sagt Menn. "Wenn Holzhändler überhaupt kein Umdenken zeigen, muss eben die Politik endlich handeln."

Schwacher Aktionsplan, hartes Holz

Auch wenn Händler nachweisbar Holz aus illegalen Quellen importiere, könne man sie bisher nicht belangen. Zwar hat die EU Ende Mai 2003 einen Aktionsplan beschlossen, der den Import von Holz aus zerstörerischem Abbau, aus illegalen Quellen und aus Krisengebieten unterbinden soll - "doch der Aktionsplan ist sehr schwach, weil er keine konkreten Maßnahmen vorsieht", sagt die Greenpeace-Aktivistin. Daher fordert die Organisation, dass sich Bundeskanzler Schröder auf EU-Ebene dafür einsetzt, diesen Plan zu konkretisieren. "Auch auf nationaler Ebene muss in Deutschland ein Importgesetz her, damit der Import tatsächlich unterbunden werden kann und die schwarzen Schafe belangt werden können."

Doch Tropenhölzer sind wegen ihrer Härte begehrt - besonders in der Türen-, Parkett- und Möbelindustrie, aber auch zum Bau von Brücken, Pferdeställen und im Küstenschutz. Die Lösung des Problems wäre der Handel mit tropischem Holz aus ökologischer und nachhaltiger Waldwirtschaft, nach den allgemein anerkannten Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC), der internationalen Dachorganisation für ökologisch, sozial und ökonomisch verträgliche Waldwirtschaft. Um die FSC-Kriterien zu erfüllen, dürfen allenfalls einzelne Bäume eines Waldes gefällt werden - das Öko-System bleibt erhalten. Bisher gibt es eine solche Waldwirtschaft nur in Teilen Südostasiens und des Amazonas.

Wald als Lebens- und Wirtschaftsraum

Greenpeace drängt darauf, sie auch in anderen Gegenden einzuführen: "Unsere Forderung ist nicht, wirkliche Waldbewirtschaftung zu unterbinden, sondern eine Waldbewirtschaftung durchzuführen, die den Wald als Lebensraum noch erhält - und das ist möglich", sagt die Greenpeace-Waldexpertin.

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