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Kultur

Gegen die Jahrtausendkatastrophe

Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" stellte seine Bilanz für das Jahr 2008 vor. Deutlich wurde, dass auch in der von Spenden abhängigen Entwicklungshilfe die globale Finanzkrise ihren Tribut fordert.

Bangladesh: Häuser in Trümmern nach einem Zyklon (Foto: Jörg Böthling / Brot für die Welt)

Nach dem Zyklon in Bangladesh

"Brot für die Welt" verzeichnete im vorigen Jahr ein Spendenaufkommen von 51,4 Millionen Euro. Das sind 2,7 Prozent weniger als 2007. Neben Zahlen ging es in Berlin um strukturelle Konzepte und Forderungen an die Politik.

Tansania: Überschwemmungen haben Teile des Ortes Hedaru verwüstet (Foto: Christof Krackhardt / Brot für die Welt)

Überschwemmungsgebiet in Tansania

Das Zentrum der Arbeit von "Brot für die Welt" hieß auch 2008 Afrika - auch wenn das Entwicklungswerk grundsätzlich in den meisten Ländern der Erde Projekte unterhält. Doch gerade in Afrika war 2008 ein schwieriges Jahr: Es gab wieder deutlich mehr Hungernde - eine direkte Folge der Finanzkrise - die Tretminen von HIV/AIDS explodieren überall, Bürgerkriege zerstörten Regionen und Menschleben. Das größte Problem aber wird immer mehr der Klimawandel. Der drückt genau auf eines der wichtigsten Arbeitsgebiete von "Brot für die Welt": Die Ernährungssicherung der Bevölkerung. Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel: "In Zeiten des Klimawandels müssen wir mehr denn je davon ausgehen, dass angepasste Methoden des Landwirtschaftens die einzige Möglichkeit sind, wirklich maximale Produktivität zu erzeugen, hier lernen wir ständig gemeinsam mit den Partnern vor Ort dazu." Neben der landwirtschaftlichen Beratung über möglichst optimale Anbaumethoden gehörte 2008 zu den großen Aufgaben auch wieder die Sorge um Bildung und Gesundheit und der Kampf gegen Gewalt und für Demokratie, denen sich "Brot für die Welt" widmete.

Kenai: Ein Halbnomadenführer steht mit seinen Kühen an einer Wasserstelle (Foto: Frank Schultze / Brot für die Welt)

Kenia: Halbnomade mit seinem Vieh

Immer mehr Klimaflüchtlinge

Zunehmend drängt sich aber auch ein neues Problem auf: Bereits jetzt gibt es weltweit Millionen von Klimaflüchtlingen. Zum Beispiel in Bangladesh, wo Bodenversalzungen und Jahre lange Überflutungen in Folge des Klimawandel bis zu 100 Kilometer ins Landesinnere hinein den Boden unfruchtbar machen würden, so Füllkrug-Weitzel. Teilweise sei die Bodenzerstörung schon so weit fortgeschritten, dass Landwirtschaft dort gar nicht mehr möglich ist. Das führe wiederum dazu, dass täglich hunderte von Familien aus dieser Region in die Hauptstadt flüchteten. Der bislang vorher gesagte durchschnittliche Anstieg des Weltklimas um zwei Grad wird in den Industriestaaten mit einiger Anstrengung zu schultern sein, in Entwicklungsländern dagegen bedeutet er schon heute oft eine humanitäre Katastrophe. Der Klimawandel sei deshalb keine Jahrhundertkatastrophe, wie es oft über die Finanzkrise gesagt wird, so Füllkrug-Weitzel, sondern geradezu eine Jahrtausendkatastrophe. Dies werde allerdings noch immer nicht ausreichend zur Kenntnis genommen, zumindest nicht in der westlichen Welt, beklagt auch Thomas Hirsch, Klimaexperte von "Brot für die Welt": "Das eigentliche Drama besteht darin, dass die Hundert Länder, die am meisten unter dem Klimawandel leiden, nicht wir sind, das heißt: kein Industrieland ist in dieser Liste der Hundert". Gleichzeitig würden diese hundert betroffenen Länder jedoch selbst nur rund 3 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen.

Industriestaaten sollen Schaden zahlen

Tansania: Eine Frau und zwei Männer arbeiten auf einem Baumschulfeld (Foto: Uli Reinhardt / Brot für die Welt)

Ein Stück Zukunft: Arbeit in einer tansanischen Baumschule

So stellt "Brot für die Welt" eindringliche Forderungen an die Bundeskanzlerin für den G8-Gipfel nächste Woche und den weltweiten Klimagipfel im September: Angela Merkel möge sich entschieden dafür einsetzen, dass Deutschland und die EU ihre Verpflichtungen zum Klimaschutz endlich erfüllen. Und ebenso, dass die westlichen Staaten ihre Verantwortung für den Klimawandel übernähmen, auch finanziell, betont Cornelia Füllkrug-Weitzel: "Wenn Sie an die deutsche Umweltschutzgesetzgebung denken, ist es normalerweise so, dass der Verursacher von Umweltverschmutzung und Naturzerstörung, auch dafür bezahlt, und das hieße, dass die Industrienationen ganz entschieden dafür zur Kasse gebeten werden müssten und sich selber bereit erklären müssten, dafür aufzukommen, was sie an Schäden anrichten."


Autorin: Elena Griepentrog
Redaktion: Klaus Krämer

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