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Kultur

Gegen den Skandal des Hungers

"Brot für die Welt" macht zur 51. Spendenaktion klar: Über eine Milliarde Menschen auf der Welt hungern – obwohl es weltweit genug Nahrungsmittel für alle gibt. Schuld sind Politik und Klimawandel.

Brot für die Welt Aktionsplakat (Foto: Brot für die Welt)

Zum 1. Advent (Sonntag, den 29.11.2009) hat "Brot für die Welt" seine jährliche Spendenaktion eröffnet. Es ist der 51. Spendenaufruf, denn seit 1959 bittet die Aktion "Brot für die Welt" um Spenden für Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Auch in diesem Jahr steht die Spendenaktion der evangelischen Hilfsorganisation unter dem Motto: "Es ist genug für alle da". Die Veranstalter wollen damit bewusst provozieren – denn die weltweite Lebensmittelproduktion, so die Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel, reiche eigentlich aus, um die Weltbevölkerung komplett zu ernähren: "Dass es Hunger gibt, ist kein Schicksal, sondern es hat Menschen gemachte Ursachen und ist deshalb ein Skandal."

Über eine Milliarde Menschen hungern


Nach Angaben des diesjährigen Welthungerberichts der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hungern derzeit über eine Milliarde Menschen auf dem Globus, vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika. Diese Länder stehen deshalb auch im Spendenfokus von "Brot für die Welt": Vor allem kleinbäuerliche Familien leiden dort Hunger und sind zunehmend von Dürren und anderen Klimakatastrophen betroffen. Ursache sei der Klimawandel, hervorgerufen durch die Industrienationen, unterstreicht Füllkrug-Weitzel. Bedauernd fügt sie hinzu, dass gleichzeitig allein in Europa viele hunderttausende Tonnen Lebensmittel weggeworfen würden.

Weltweit mehr als 1.000 Projekte von "Brot für die Welt"

Mitarbeiter bereiten ein Versuchsfeld für das Auspflanzen von Gemüse-Setzlingen vor (Foto: Helge Bendl)

Dorfbewohner bereiten ein Versuchsfeld für das Auspflanzen von Gemüse-Setzlingen vor.

Auch der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich, ruft zur Spende für "Brot für die Welt" auf. Gemeinsam trügen alle Menschen die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass möglichst jeder Erdenbürger gut leben könne.

Mit den Spendeneinnahmen finanziert die Organisation derzeit weltweit über 1000 Projekte. Den immer häufigeren Vorwurf, dass Entwicklungshilfe mehr schade als dass sie nutze, weisen die Verantwortlichen entschieden zurück. Um die anvertrauten Gelder bestmöglich zu nutzen, werde in Projekte investiert, die von den Betroffenen vor Ort selbst definiert und geplant seien: "Die Menschen selbst wissen am besten, was das Richtige für sie und ihr Dorf ist. Deshalb tragen sie die Projekte mit großer Begeisterung", berichtet Füllkrug-Weitzel aus der Praxis. Die evangelischen Entwicklungsexperten legen also besonderen Wert darauf, in den Menschen keine Almosenempfänger zu sehen, sondern Partner, denen sie auf Augenhöhe begegnen..

Staudammprojekt in Äthiopien: Trotz Dürre zwei Ernten pro Jahr

Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von Brot für die Welt (Foto: Brot für die Welt)

Cornelia Füllkrug-Weitzel

Ein Beispiel-Projekt, das in diesem Jahr realisiert wurde, ist ein von Spendengeldern errichtetes Bewässerungssystem im Süden Äthiopiens. Einheimische Konso können nun trotz immer häufigeren Dürren eine Fläche von 2700 Hektar bewirtschaften, erläutert Ludwig Markert, Präsident des Diakonischen Werks Bayern. Mehr als hunderttausend Menschen, die vorher wegen immer längerer Dürreperioden jahrelang Hunger litten, hätten jetzt genug zu essen. Sie könnten sogar zweimal pro Jahr ernten.

Kein Spendeneinbruch befürchtet

Dass nach dem Krisenjahr 2009 weniger Menschen zu einer Spende bereit sein könnten, befürchten die Verantwortlichen von „Brot für die Welt“ zunächst nicht. Nach dem Beginn der Wirtschaftskrise im Herbst 2008 sei das Spendenaufkommen konstant geblieben. Im vergangen Jahr kamen bei der Aktion Spendengelder von über 50 Millionen Euro zusammen.

Autorin: Susanne Niedernolte

Redaktion: Klaus Krämer