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Wirtschaft

Gefragter Antennenbauer aus dem Ruhrgebiet

Ein Mittelständler aus Duisburg bestückt das größte Radioteleskop-Feld der Welt. Neben der European Space Agency beliefert die Vertex GmbH auch internationale Nachrichtendienste.

Das Radioteleskop-Feld Alma in Chile (Foto: Vertex)

Chile - ALMA Radioteleskope

Nachrichtendienste betreiben ein verschwiegenes Geschäft. Dazu benötigen sie auch hochempfindliche Antennen. Zum unbemerkten Erlauschen von Informationen und zur verschlüsselten Versendung von Botschaften. Aber auch die ESA, die European Space Agency, braucht Hochleistungsantennen, um ihre Satelliten im All steuern zu können. Für solche Auftraggeber führt auf dem internationalen Markt kaum ein Weg an einem deutschen Antennenbauer vorbei. Und zwar an Vertex in Duisburg.

Bei der Entwicklung einer Anlage dreht sich alles um die vom Auftraggeber gewünschte Funktion. Jedes Detail wird am Computer mit einem dreidimensionalen Modell konstruiert. Dazu gehört auch eine veränderlich schwenkbare Antennen-Achse, mit deren Konstruktion Lars Springer für das Projekt "Daemos 2" beschäftigt ist. Für einen Laien besitzt dieses Bauteil mit einer herkömmlichen Antenne nicht die geringste Ähnlichkeit. Bei Vertex in Duisburg baut man allerdings auch keine gewöhnlichen Antennen.

Daemos 2 soll mit einem Satelliten im Weltall kommunizieren. "Daemos stammt aus dem Griechischen und bedeutet Schrecken", sagt Lars Springer. Schrecken soll diese Anlage jedoch nicht verbreiten - im Gegenteil: Sie soll Satelliten-Daten empfangen, die für agrarwirtschaftliche Analysen gebraucht werden. Bei dieser Antenne handelt es sich um einen Zehn-Meter-Reflektor. Er wird in Puerto Lano stehen, ungefähr 250 Kilometer südlich von Madrid.

Eine Antenne mit einem Durchmesser von 35 Metern, die für Deep Space Missionen in Argentinien errichtet wurde (Foto: Vertex)

Antennen für Radiateleskope mit 35 Metern Durchmesse - für Vertex kein Problem

Antennen nach Maß

Vertex baut bewegliche Spezialantennen in der Größenordnung von sechs bis zu 35 Metern und beliefert Kunden in aller Welt. Diese Antennen könnte man auch als Ohren ins Weltall bezeichnen. Wobei Lauschen, sagt Diplom-Ingenieur Klaus Düspohl, die eine Eigenschaft dieser Spezialantennen sei, die Astronomen nutzten. "Die anderen Nutzer unserer Antennen wollen auch senden. Informationen zum Satelliten hochschicken." Zu den Kunden von Vertex gehört auch die European Space Agency (ESA), die eine 35-Meter-Antenne für Kontrollaufgaben bei Deep Space Missionen nutzt. Also für Signale ganz tief ins All.

Die Kompetenz der Vertex-Antennentechniker ist weltweit gefragt. So lieferte das Unternehmen 25 Antennen im Wert von über 150 Millionen Euro für das größte Radioteleskop-Feld der Welt namens "Alma", das internationale Finanziers auf einem 5100 Meter hohen Plateau in Chile errichten. Der Durchmesser jeder einzelnen Antenne beträgt zwölf Meter. Dabei handelt es sich um Lauschantennen im 1000 Gigahertz-Bereich.

Der Clou besteht für Astronomen darin, dass sich alle Einzelantennen zu einer Anlage zusammenschieben lassen. Jede einzelne Antenne kann aber auch gezielt auf ausgesuchte Sterne ausgerichtet werden. Alma soll kalte Gaswolken, unentdeckte Planeten und somit uralte Strukturen des Weltalls sichtbar machen. Und zwar über 13 Milliarden Lichtjahre hinweg.

Kein Mangel an Aufträgen

Rund 70 Mitarbeiter sind bei Vertex am Standort Duisburg mit der Entwicklung und Konstruktion von Spezialantennen beschäftigt. Den Jahresumsatz beziffert Vertex-Abteilungsleiter Düspohl auf rund 30 Millionen Euro. An Aufträgen mangelt es nicht. Hochleistungsantennen benötigen schließlich nicht nur Astronomen, sondern auch Fernsehsender für ihre Kommunikationssatelliten, "um ihre Programme hochzuschicken und um sie in die terrestrischen Netzwerke einzuspeisen."

Zum Kreis verlässlicher Auftraggeber gehören außerdem ausgesprochen illustre Stammkunden. Und zwar Geheim- und Nachrichtendienste aus West- und Osteuropa. Denn Vertex baut auch Bodenstationen für die Satellitenkommunikation sowie Antennen für militärische Zwecke und Abhöranlagen. Bei sehr vielen Regierungen, sagt Klaus Düspohl, bestehe ein großes Interesse, unabhängig von anderen Informationsquellen, eigenständige Anlagen zu betreiben. Mehr will und kann der Antennen-Experte nicht verraten. Außer dass es im nachrichtendienstlichen Bereich um den Empfang von geostationären Satelliten in 36.000 Kilometern Höhe geht.

Kundenkreis wird immer größer

Vor der Auslieferung findet für jede Antenne eine Endkontrolle statt. Und zwar, wie es in der Technikersprache heißt, in einer Anti-Correct-Chamber. Da in dieser Kammer mit den Ausmaßen eines großen Containers elektromagnetische Wellen nicht reflektiert werden, lassen sich die hochfrequenztechnischen Eigenschaften genau überprüfen.

Nur durch verbürgte Qualität kann sich ein Spezialunternehmen wie Vertex international behaupten und auf dieser Basis auch neue Märkte erschließen. So kommen für die Antennenbauer aus Duisburg schon jetzt mehr und mehr die Satelliten-Betreiber als Kunden in Betracht, die eine dazu passende Bodenstation benötigen. Und da ist man nach den Worten von Klaus Düspohl dabei, "diesen Bereich auszubauen. Wir sind momentan sehr aktiv in Russland." Aber nicht nur dort, sondern auf dem ganzen Globus.