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Geflügelte Bibelworte

Im Deutschen sind sie allgegenwärtig: Wörter, Redensarten und Begriffe, die aus der Bibel stammen. Für manche ist die Bedeutung dieser „geflügelten Bibelworte“ allerdings ein Buch mit sieben Siegeln.

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Geflügelte Bibelworte

Wir beginnen am Anfang der Bibel, beim Schöpfungsbericht. Das soll nicht heißen, dass wir „bei Adam und Eva“ anfangen, also an die Anfänge zurückgehen, um erst einmal langwierige Erläuterungen zum Thema zu geben. Es geht lediglich darum, der Chronologie der Bibel zu folgen. Und dafür gehen wir sogar noch vor Adam und Eva zurück, nämlich zu dem Zustand, der vor der Schöpfung herrschte: dem „Tohuwabohu“.

Das Tohuwabohu und die gelesenen Leviten

„Tohuwabohu“ ist das Chaos, das vor der Schöpfung herrschte. Im biblischen Sinne umfasst der Begriff das ganze All. Im heutigen Sinne kann er sich auch mal nur auf ein unaufgeräumtes Zimmer beziehen.

Chaos im Kinderzimmer und ein Junge hüpft darin herum (picture-alliance/ZB/J. Kalaene)

Ein wahres Tohuwabohu!

Wenn wir im Alten Testament etwas weiter blättern, kommen wir zum dritten Buch Mose, auch Levitikus genannt. Mit dem lateinischen Namen kann wohl kaum jemand etwas anfangen. Mit der Wendung „jemandem die Leviten lesen“ aber schon.

Das dritte Buch Mose enthält fast ausschließlich Gesetzesvorschriften. Lange Passagen daraus anhören zu müssen, gehörte daher in geistlichen Kreisen als Strafe. Wer jemandem die „Leviten“, die Gesetze, vorliest, hält mit anderen Worten eine lange Strafpredigt. Heutzutage gilt das meist für Kinder, die etwas Unrechtes getan haben.

Der verpasste Denkzettel

Orthodoxer Jude beim Morgengebet in der Synagoge mit Gebetsriemen und Gebetskapsel auf der Stirn (picture-alliance/dpa/dpaweb/V. Matytsin)

Der „Denkzettel“ orthodoxer Juden

Wenn man jemandem die Leviten liest, setzt das voraus, dass man ihm gegenüber eine Autorität darstellt. Einem gleichgestellten Erwachsenen, über den man sich geärgert hat, würde man eher einen „Denkzettel verpassen“.

Noch heute tragen orthodoxe Juden an der Stirn und am Arm befestigte Gebetskapseln mit Schriftworten aus der Thora, den fünf Büchern Mose.

Das dafür im Neuen Testament gebrauchte griechische Wort „phylaktērion“, übersetzte Martin Luther in seiner Bibelübersetzung mit „denkcedel“, ein Erinnerungsmerkblatt. Den Bedeutungswandel hin zur Strafe erfuhr der Begriff seit dem 16. Jahrhundert.

Die Hiobsbotschaft

Anders verhält es sich mit der „Hiobsbotschaft“, die jemand „erhält“. Das alttestamentliche Buch Hiob erzählt von jemandem, der schwere Schicksalsschläge erleiden muss.

Nacheinander verliert er Reichtum, Kinder und Gesundheit. Die Nachricht vom jeweiligen Unglück wird durch einen Boten überbracht. Aus diesem Zusammenhang hat sich bis heute der Ausdruck „Hiobsbotschaft“ erhalten.

Von Jungfrauen und nicht gewollten Hüten

So plötzlich wie Missgeschick oder Leid über uns hereinbrechen kann, so plötzlich und unerwartet kann unser Leben auch eine glückliche Wendung nehmen. Manchmal bekommen wir etwas, um das wir uns gar nicht bemüht haben.

Baden in Geldscheinen Symbolbild Eurojackpot (Fotolia/Franz Pfluegl)

Mancher „kommt zu“ einem Geldsegen „wie die Jungfrau zum Kinde“

Wir „kommen dazu wie die Jungfrau zum Kinde“. Die Jungfrau Maria wurde ohne Zutun eines Mannes schwanger, womit die Zeugung Jesu in den Bereich des Wunders rückt.

Wenn wir unerwartet eine Erbschaft machen, im Lotto gewinnen oder völlig überraschend einen Posten angeboten bekommen, scheinen wir es ebenfalls mit einem Wunder zu tun zu haben. Wir „hatten“ mit diesen Dingen eigentlich „gar nichts am Hut“, das heißt wir haben uns gar nicht darum gekümmert. Sie fallen uns einfach in den Schoß – wie der Jungfrau Maria die Schwangerschaft.

Die Gläubigen und Seligen und das Jubeljahr

„Wer’s glaubt, wird selig“ sagen diejenigen, die daran nicht so recht glauben mögen. Dieser Satz, mit dem die Deutschen gern ihre Skepsis zum Ausdruck bringen, parodiert einen Jesus-Satz aus dem Markus-Evangelium: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden“. Aber ob wir daran glauben oder nicht: dass wir zu etwas kommen wie die Jungfrau zum Kinde, passiert uns im besten Fall „alle Jubeljahre einmal“.

Der Ausdruck „Jubeljahr“ geht auf ein Gesetz im bereits erwähnten Buch Levitikus zurück, nachdem alle sieben mal sieben Jahre der im vorausgegangenen Zeitraum veräußerte  Grund und Boden wieder seinen ursprünglichen Besitzern zufallen sollte. Das Wort geht vermutlich auf das hebräische Wort „jobel“ zurück – das Horn, das das neue Jahr ankündigte. Wie dem auch sei: Das Jubeljahr trat nur sehr selten und in größeren Zeitabständen, nämlich alle sieben Jahre, auf.

Von Pontius und Pilatus und dem Buch mit sieben Siegeln

Junges Paar auf dem Sofa. die junge Frau guckt den jungen Mann fragend an (picture-alliance/blickwinkel/K. Thomas)

Für manche Frau sind Männer ein Buch mit sieben Siegeln – und umgekehrt

Und da das eher selten ist, müssen wir uns im Normalfall eher selbst um unser Glück kümmern. Das kann ziemlich anstrengend sein, besonders dann, wenn wir es mit Behörden zu tun haben und mal wieder „von Pontius zu Pilatus laufen“ müssen.

„Von Pontius zu Pilatus zu laufen“ macht eigentlich keinen Sinn, denn die Rede ist ja von ein und derselben Person. Genauso werden wir in Behörden oft von einem Angestellten zum anderen geschickt, obwohl vielleicht alle derselben Abteilung angehören.

Für manchen ist das sicher ein „Buch mit sieben Siegeln“. In der Offenbarung des Johannes sieht der Seher eine Buchrolle mit sieben Siegeln versiegelt. Er weint vor Enttäuschung, weil ihm aus diesem Grund der Inhalt des Buches zunächst verborgen bleibt. So geht es uns, wenn wir etwas überhaupt nicht verstehen. Es ist „ein Buch mit sieben Siegeln“.

Das Dunkel und die Erleuchtung

So umfangreich die Bibel selbst ist, so umfangreich ist auch die Zahl biblischer Sprüche,  Redewendungen und Begriffe in der deutschen Sprache. Ob man jemanden „auf Herz und Nieren prüft“, „seine Hände in Unschuld wäscht“ oder „etwas ausposaunt“: „im Dunkeln“ dürfte jetzt niemand mehr „tappen“! Denn dem einen oder der anderen ist „ein Licht aufgegangen“ – zumindest was einige biblische Redewendungen und Begriffe angeht

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