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Aktuell Asien

Geflüchteter Aktivist Chen offenbar unter US-Schutz

Nach seiner Flucht aus dem Hausarrest hält sich der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng einer Menschenrechtsgruppe zufolge in der US-Botschaft in Peking auf. Die USA und China sollen bereits Verhandlungen führen.

Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation ChinaAid berichtete, sie hätte aus mit der Situation Chens vertrauten Kreisen erfahren, dass der Aktivist sich unter dem Schutz der Vereinigten Staaten befinde und dass ranghohe Vertreter Chinas und der USA bereits Gespräche über den Fall aufgenommen hätten.

Die USA und China hüllen sich in Schweigen

Die USA schwiegen allerdings weiter zu den Gerüchten um den Aufenthaltsort des 40-Jährigen. Eine Flucht des blinden Bürgerrechtlers in die US-Botschaft in Peking wäre sicher eine Belastung für die in der kommenden Woche anstehenden Gespräche von US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton und anderen US-Regierungsvertretern in Peking.

US-Außenministerin Hillary Clinton (Foto: AP)

US-Außenministerin Hillary Clinton

Der stellvertretende chinesische Außenminister Cui Tiankai erklärte auf einer Veranstaltung zu den anstehenden Beratungen mit den USA, er habe keine Informationen zum Fall Chen. Die chinesischen Staatsmedien berichteten am Samstag zunächst nicht über den Fall.

Der Menschenrechtsaktivist konnte offenbar schon am Sonntag vor einer Woche nach eineinhalb Jahren aus seinem Hausarrest entkommen. Seine Familie sowie internationale Menschenrechtsorganisationen berichteten, der 40-Jährige habe sich im Dorf Dongshigu nahe der Stadt Linyi in der ostchinesischen Provinz Shandong seinen Bewachern entzogen.

Über die Mauer geklettert

Demnach kletterte er am Abend einfach über eine Mauer seines Hauses. Ohne Hilfe sei der Blinde stundenlang zu Fuß gelaufen, bevor er Kontakt zur Bürgerrechtlerin He Peirong aufgenommen habe. Nach Angaben seiner Unterstützer hatte er am Freitagnachmittag einen "zu 100 Prozent sicheren Ort" in Peking erreicht.

Video ansehen 01:11

China: Bürgerrechtler entflieht Hausarrest

Chen selbst meldete sich in einem an Chinas Ministerpräsidenten Wen Jiabao gerichteten Online-Video zu Wort und bat um Sicherheit für seine Familie. Die Sicherheitskräfte hätten ihn und seine Familie misshandelt und geschlagen, berichtete der Menschenrechtsaktivist in dem Video. Er war nach vier Jahren Haft im September 2010 aus dem Gefängnis entlassen worden und stand seither unter Hausarrest.

Eine Schlüsselfigur der Bürgerrechtsbewegung

Der Bürgerrechtler hatte sich mit seinem Einsatz für Opfer von Machtwillkür einen Namen gemacht und gilt als eine der Schlüsselfiguren der chinesischen Bürgerrechtsbewegung. Trotz Erblindung seit seiner Kindheit hatte er sich intensiv mit rechtlichen Fragen befasst und gehört heute zu den autodidaktischen "Rechtsanwälten", die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren und Betroffene beraten.

Er zog vor allem mit Kritik an der rigiden Ein-Kind-Politik den Zorn Pekings auf sich, nachdem er zahlreiche erzwungene späte Abtreibungen und Sterilisierungen von Frauen in seiner Provinz Shandong aufgedeckt hatte.

GD/li (afp, rtr, ape, dapd)

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