Geflüchtete wissen zu wenig über Ausbildungsberufe | Deutschlehrer-Info | DW | 21.12.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Geflüchtete wissen zu wenig über Ausbildungsberufe

Viele Geflüchtete wissen nicht, welche Perspektiven eine Ausbildung bietet. Dies liegt daran, dass Ausbildungen in ihren Heimatländern anders organisiert sind und einen anderen Stellenwert haben als in Deutschland.

Viele Geflüchtete, die nach Deutschland kommen, sind zu wenig über das deutsche Ausbildungssystem informiert. Sie wissen nicht, welche beruflichen Perspektiven sie mit einer Ausbildung haben. Dies hat unter anderem etwas damit zu tun, wie Berufsausbildungen in ihren Heimatländern organisiert sind und welchen Stellenwert Ausbildungsberufe dort haben. Das ist eines der Ergebnisse einer im Dezember 2017 veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Um mehr über die Einstellung von Geflüchteten zu Ausbildungsberufen herauszufinden, hat Kristina Stoewe, Referentin für berufliche Bildung am IW, untersucht, wie Kinder und Jugendliche in Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, im Irak und im Iran an Schulen und Berufsschulen ausgebildet werden. 

Oft keine formale Ausbildung

Eine duale Berufsausbildung im Betrieb und in der Berufsschule wie in Deutschland gibt es nicht. In den meisten Ländern gibt es überhaut kein formales Ausbildungssystem. In Bäckereien, Friseursalons oder Werkstätten ist „Learning by Doing" verbreitet. Mit Ausnahme des Iran lassen sich im staatlichen System nur wenige Berufe erlernen. In Syrien und dem Irak werden an den technischen Sekundarschulen beispielsweise 20 Berufe angeboten. In Deutschland können Jugendliche zwischen etwa 330 anerkannten Ausbildungsberufen wählen.
Umgekehrt sind den Angaben zufolge einige Berufe, für die man in Deutschland eine Ausbildung braucht, in den sechs Ländern akademisch angelegt. Wer zum Beispiel in Syrien oder dem Irak Augenoptiker oder Zahntechniker werden will, muss an einem technischen Institut studieren.
Die Studie macht zudem deutlich, dass Berufsausbildungen in den sechs untersuchten Ländern ein geringes gesellschaftliches Ansehen im Vergleich zu einem Studium haben.

Mehr Aufklärung über das deutsche Bildungssystem

Vielen geflüchteten Jugendlichen ist nicht klar, dass jemand, der zum Beispiel in seiner Heimat lange Zeit in einer Autowerkstatt gearbeitet hat, in Deutschland deshalb noch lange kein ausgebildeter Kfz-Mechaniker ist, heißt es in der Studie. Schlussfolgernd fordert Kristina Stoewe, zukünftige Azubis müssten viel stärker über das deutsche Bildungssystem, die Ausbildung, berufliche Perspektiven und den Arbeitsmarkt informiert werden. Integrationskurse und Deutschlernklassen an den allgemeinbildenden Schulen sollten über die Strukturen aufklären: „All diese Informationen müssten fester Bestandteil der Berufsorientierung sein."


sts/mk/bwa (mit epd, IW)

 

Die Redaktion empfiehlt