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Politik

Gefechte um Rote Moschee in Islamabad

In Pakistans Hauptstadt sind heftige Gefechte zwischen Koranschülern und Sicherheitskräften entbrannt. Nun lief ein Ultimatum ab, bevor zwei Koranschulen gestürmt werden sollten.

Studenten auf brennender Straße zertrümmern Autos, Quelle: AP

Bilder von den Auseinandersetzungen am Dienstag (4.7.07)

Die pakistanische Armee hat am Mittwoch (4.7.07) hunderte Anhänger einer radikalislamischen Gruppe zur Aufgabe gezwungen, die sich in einer Moschee im Zentrum von Islamabad verschanzt hatten. Die Anführer der Gruppe weigerten sich aber weiter, sich zu ergeben. Die Streitkräfte hatten die in der Moschee versammelten Islamisten zuvor ultimativ zur Abgabe ihrer Waffen und zur Aufgabe aufgerufen. Bei Zusammenstößen zwischen den Seminaristen und der Polizei vor der Moschee waren tags zuvor mindestens zehn Menschen getötet worden.

Mit Ablauf des Ultimatums ergaben sich mehr als 500 der in der
Roten Moschee von Islamabad verschanzten Islamisten den
Sicherheitskräften. Diese hatten zugesagt, dass denen, die sich
ergeben, nichts geschehen werde. Sie bekamen sogar noch jeder 5000 Rupien (rund 61 Euro), damit sie nach Hause fahren konnten. Vor der Moschee standen schon Busse bereit, um sie wegzubringen. "Wir wollen Blutvergießen vermeiden", sagte der Sicherheitschef von Islamabad, Khalid Pervez.

Teilweise Amnestie

Die Schützenpanzer der Streitkräfte zogen unterdessen ihren Ring
um das Gebäude immer enger. Die Regierung gab eine Amnestie bekannt, von der nur die Anführer und diejenigen ausgenommen sind, die an Gewalttaten beteiligt sind. Der stellvertretende Leiter der Moschee kündigte an, er sei bereit, mit den Behörden zu sprechen.

Die Moschee steht seit Monaten im Konflikt mit den Behörden. Dabei geht es um ein umstrittenes Grundstück sowie um Bestrebungen, in der Hauptstadt Islamabad das islamische Recht einzuführen.

Das Gelände vor der Moschee war am Dienstag Ort heftiger Krawalle gewesen, bei denen die Polizei Schlagstöcke und Tränengas einsetzte, es fielen aber auch Schüsse. Nach Angaben der Behörden wurden dabei zehn Menschen getötet.

Aufruf zu Selbstmordanschlägen

Die radikale Führung der Koranschulen hatte eine Kapitulation unter bestimmten Bedingungen angeboten. "Wir sind bereit dazu, die Waffen niederzulegen, wenn Präsident Musharraf uns die Garantie gibt, dass keine Operationen gegen uns durchgeführt werden", sagte der Vizeleiter der Koranschulen, Abdul Rashid Ghazi.

Die beiden Koranschulen - Jamia Faridia für Männer mit 4500 Schülern und Jamia Hafsa für Frauen mit 6500 Schülerinnen - liegen neben der Roten Moschee im Herzen Islamabads. Ghazi ermutigt seine Schüler nach eigenen Angaben, nach dem Studium nach Afghanistan zu gehen und dort gegen westliche Truppen zu kämpfen. Ausdrücklich hält er dabei auch Selbstmordanschläge für gerechtfertigt.

Regelmäßig Auseinandersetzungen

Musharraf hatte in der vergangenen Woche erklärt, Selbstmordattentäter einer mit der Terrororganisation El Kaida in Verbindung stehenden militanten Gruppe versteckten sich in dem Gotteshaus.

Weibliche Studentinnen vor der Roten Moschee

Weibliche Studentinnen vor der Roten Moschee

In den vergangenen Monaten war es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Koranschülern und der Staatsmacht gekommen. Im Januar hatten Schülerinnen eine staatliche Bibliothek für Kinder gestürmt, um für die Einführung des islamischen Scharia-Rechts zu demonstrieren. Ende Mai hatten Schüler während einer Kampagne zur "Ausrottung unmoralischer Aktivitäten" in der Stadt sieben chinesische Mitarbeiter eines Massagesalons als Geiseln genommen. (kas)

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