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Aktuell Afrika

Gefechte in Kongo-Brazzaville zwei Wochen nach umstrittener Präsidentenwahl

In der Hauptstadt Brazzaville haben sich die Streitkräfte stundenlange Feuergefechte mit einer Rebellengruppe geliefert. Bei den Angreifern handelt es sich vermutlich um Anhänger der Opposition.

Die Milizionäre griffen in mehreren Stadtteilen von Brazzaville Posten der Armee, vier Polizeistationen und ein Verwaltungsgebäude (Artikelbild) an. Nach Angaben von Augenzeugen hatten die Schusswechsel mitten in der Nacht in Oppositionshochburgen im Süden der Hauptstadt begonnen und bis zum Morgen ununterbrochen angedauert. Explosionen und Gefechtslärm waren demnach auch in Kinshasa zu hören, der am anderen Ufer des Kongo-Flusses gelegenen Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo.

Mehrere Gebäude seien von den Angreifern in Brand gesetzt worden, teilte Regierungssprecher Thierry Moungalla in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung mit. Das Militär habe die Angreifer nach stundenlangen Gefechten zurückgedrängt. Moungalla sprach von einer "terroristischen Aktion" der Angreifer.

Der öffentliche Verkehr in den betroffenen Stadtteilen wurde eingestellt. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Hunderte Polizisten und Soldaten waren in den südlichen Stadtvierteln unterwegs. Sie errichteten Straßensperren an einer Hauptstraße Richtung Zentrum und kontrollierten Fahrzeuge. Zu möglichen Opfern gibt es bislang keine Angaben.

Straßensperre auf dem Weg ins Zentrum von Brazzaville (Foto: reuters)

Straßensperre auf dem Weg ins Zentrum von Brazzaville

Gewaltausbruch aus Frust über Präsidenten-Wiederwahl?

Laut Regierungsangaben handelte es sich bei den bewaffneten Angreifern um Ex-Mitglieder der Miliz "Ninja Nsiloulou", einer Gruppierung, die im Bürgerkrieg der 1990er Jahre gegen die Regierung kämpfte. Ihr Anführer hatte bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl im März den Oppositionskandidaten Guy-Brice Parfait Kolélas unterstützt, der sich Amtsinhaber Denis Sassou Nguesso geschlagen geben musste. Das könnte ein Grund für die Übergriffe sein. Augenzeugen berichten von Rufen "Sassou, verschwinde!", bevor die Angreifer eine Polizeiwache in Flammen setzten.

Es handelte sich um den ersten Gewaltausbruch in Brazzaville seit der Wiederwahl von Präsident Sassou Nguesso am 20. März. Das Verfassungsgericht des Landes prüft derzeit das Ergebnis der Präsidentschaftswahl.

Machterhalt durch umstrittenes Referendum

Die neue Kandidatur von Sassou-Nguesso war erst durch ein umstrittenes Referendum ermöglicht worden. Das bis dahin auf 70 Jahre festgesetzte Höchstalter eines Staatschefs sowie die Begrenzung der Amtszeiten wurden aufgehoben. Das Referendum über eine Verfassungsänderung Ende Oktober war von Regierungsgegnern boykottiert worden.

Der 72-Jährige Sassou-Nguesso war 1979 an die Macht gelangt und regiert das zentralafrikanische Land seitdem mit einer Pause von fünf Jahren in den 1990er Jahren. Bereits bei seiner Wiederwahl 2002 und 2009 hatte die Opposition von Manipulation gesprochen.

qu/kle (dpa, afp, rte, ape)