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Aktuell Nahost

Gefangenenaustausch trotz brüchiger Waffenruhe gestartet

Erst am Dienstag ist im Jemen eine Waffenruhe in Kraft getreten. Doch die Truppen der Konfliktparteien halten sich nicht daran. Trotz zahlreicher Gefechte begann im Südjemen ein Austausch von Gefangenen.

Ein Panzer der Regierungstruppen rollt durch Taiz (Foto: Reuters)

Ein Panzer der Regierungstruppen rollt durch Taiz im Südwesten des Jemen

Die einwöchige Waffenruhe im Jemen, die parallel zum Start neuer Friedensverhandlungen in der Schweiz begann, wird immer brüchiger. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden kam es am Mittwoch in den Provinzen Ibb, Bayda, Marib, Jawf und Taiz zu neuen Kämpfen. In der belagerten Stadt Taiz wurden sechs Zivilisten getötet, als die Artillerie der Huthi-Milizen die Stadt unter Feuer nahm.

Nach Berichten örtlicher Gruppen sowie der Nachrichtenagentur Saba gab es auch Luftangriffe auf Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen in der Provinz Tais. Die offizielle saudische Nachrichtenagentur SPA meldet zudem, ein Grenzsoldat des Königreichs sei während der Waffenruhe von angreifenden Rebellen aus dem Jemen getötet worden. Insgesamt zählten die Behörden 42 Todesopfer seit dem Inkrafttreten der Feuerpause. Beobachter sehen die Entwicklung mit Sorge, weil die politische Führung die Kontrolle über die Feldkommandeure an den Kampflinien zu verlieren droht.

Gefangenenaustausch im Süden

Die Gefechte an mehreren Fronten hielten derweil die Konfliktparteien im Süden des Landes nicht davon ab, Gefangene auszutauschen. Dies sei eine vertrauensbildende Maßnahme, um die vereinbarte Waffenruhe zu unterstützen und die Friedensgespräche in der Schweiz voranzubringen, teilten beide Seiten mit. Ein Mitglied der zuständigen regierungsnahen Kommission sagte, aus Sicherheitsgründen würden jeweils Gruppen von 20 Gefangenen in Bussen gebracht. Zeugen berichteten, insgesamt sollten in der südlichen Provinz Lahdsch an der Grenze zur Provinz Baida 375 schiitische Huthi-Rebellen und 285 regierungsnahe Kämpfer ausgetauscht werden.

Allerdings geriet der Austausch inzwischen ins Stocken, weil örtliche Stammesmilizen die Straßen blockierten. Sie fordern, dass auch inhaftierte Mitglieder von dem Austausch profitieren. Der Gefangenenaustausch gilt als ein wichtiges Signal für die Verhandlungsbereitschaft in dem seit neun Monaten andauernden Bürgerkrieg. Beide Seiten warfen sich allerdings zugleich einen Bruch der jüngsten Waffenruhe vor. An den Verhandlungen in Genf nehmen unter UN-Vermittlung Vertreter der jemenitischen Regierung und der Huthi-Rebellen teil.

Video ansehen 01:55

Neue Hoffnung für den Frieden im Jemen

In dem bitterarmen Land tobt seit Monaten ein Bürgerkrieg. Erste Friedensverhandlungen in der Schweiz waren im Juni gescheitert. Schiitische Huthi-Rebellen haben große Teile des Jemens unter ihre Kontrolle gebracht, darunter die Hauptstadt Sanaa. Jemens Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi war im Februar aus Sanaa in die südliche Hafenstadt Aden geflohen. Als die Rebellen im März auf Aden vorrückten, setzte sich Hadi nach Saudi-Arabien ab und bat das Königreich um militärische Hilfe.

Seit März bombardiert eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition sunnitischer Staaten die Rebellen und ihre Verbündeten aus der Luft. Das Terrornetzwerk Al-Kaida und andere Extremisten machen sich das Chaos in dem Land zunutze. In dem Konflikt wurden nach UN-Angaben mehr als 5800 Menschen getötet, etwa die Hälfte von ihnen Zivilisten. Mehr als 27.000 Menschen wurden verletzt.

kle/djo (afp, rtr, ape, dpa)

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