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Politik

Gefangenenaustausch hat begonnen

Ein israelischer Geschäftsmann und drei tote Soldaten gegen mehr als 400 Gefangene der Hisbollah-Miliz: Donnerstag (29.1.) hat der Austausch in Köln begonnen. Deutschland hatte zwischen Israel und Libanon vermittelt.

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Strenge Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen Köln-Bonn

Nach jahrelangen Vermittlungsbemühungen haben sich Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz darauf verständigt, mehr als 400 Gefangene im Austausch gegen den israelischen Geschäftsmann Elchanan Tennenboim und die Leichen von drei israelischen Soldaten freizulassen. Gleichzeitig will Israel die Leichen von 59 Hisbollah-Kämpfern an Libanon zurückgeben.

Am Donnerstag hat der geplante Gefangenenaustausch in den frühen Morgenstunden begonnen. Auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn landete kurz vor 7 Uhr ein aus der libanesischen Hauptstadt Beirut kommender Airbus der Bundesluftwaffe, der sofort in einen Hangar gerollt wurde. An Bord sollen Tennenboim sowie die Särge mit den drei toten israelischen Soldaten sein. Wenige Minuten später landete eine Boeing 707 der israelischen Luftwaffe auf dem Flughafen, mit der ein Teil der Hisbollah-Gefangenen eingeflogen sein soll. Die israelische Regierung bestätigte unterdessen lediglich die Landungen der Maschinen auf dem weiträumig abgesperrten Militärflughafen.

"Kein Blut an den Händen"

Die meisten der Gefangenen sind Palästinenser, die zum größten Teil zu relativ geringen Gefängnisstrafen von ein bis zwei Jahren verurteilt worden sind. Nur wenige der Verurteilten sitzen langjährige Haftstrafen ab. Keiner der palästinensischen Häftlinge habe jedoch Blut an den Händen, bekräftigte der stellvertretende israelische Sicherheitsminister Gidon Ezra. "Wir holen unsere Söhne auf die beste und billigste Art zurück nach Hause. Es gibt keinen Grund für Kritik und Enttäuschung. Wir haben immer gesagt, dass wir keine Gefangenen freilassen, die hier in Israel gemordet haben. Diejenigen, die Blut an den Händen haben, haben im Libanon gegen uns gekämpft."

Ron Arad

Ron Arad

Ein "Verhandlungsobjekt" wird allerdings bei dem Austausch nicht dabei sein: Wenn Israel den seit 18 Jahren verschollenen Navigator Ron Arad wieder haben wolle, dann müsse es dafür vermutlich einen wesentlich höheren Preis bezahlen und auch als Mörder verurteilte Terroristen freilassen, sagte Ezra.

Arad wurde im Jahr 1986 im Libanon gefangen genommen, nachdem er sich mit dem Schleudersitz aus seinem abstürzenden Kampfflugzeug gerettet hatte. Er wurde zunächst von der Amal-Miliz festgehalten und soll dann an die Hisbollah übergeben worden sein. Der in Israel einsitzende Hisbollah-Führer Mustafa Dirani soll ihn gefoltert und dann an den Iran verkauft haben, so die in Israel verbreitete Version. In den späten 1980er-Jahren verloren sich seine Spuren. Nach Informationen des britischen Senders BBC soll Deutschland nun drei weitere Inhaftierte, zwei Libanesen und einen Iraner, zum Austausch gegen Arad "geboten" worden sein.

Menschlicher Faustpfand

Dirani selbst wurde im Jahr 1994 von israelischen Soldaten gekidnappt und nach Israel verschleppt. Er sollte, zusammen mit dem ebenfalls im Libanon entführten Scheich Abdel Karim Obeid gegen Arad ausgetauscht werden. Doch offenbar hat die israelische Regierung die Hoffnung aufgegeben, die beiden Männer als Faustpfand benutzen zu können. In dem jetzt von Deutschland vermittelten Abkommen sollen auch sie frei gelassen werden.

Schwache Hoffnung auf Vermisste

Elhanan Tannenbaum Gefangenenaustausch Israel Hisbollah

Elchanan Tennenboim, Oktober 2000

Als Gegenleistung für die Freilassung der libanesischen und arabischen Häftlinge durch Israel will die Hisbollah den von ihr entführten israelischen Geschäftsmann Elchanan Tennenboimm freilassen. Außerdem sollen die sterblichen Überreste von drei an der israelisch-libanesischen Grenze entführten Soldaten übergeben werden. Die israelische Regierung hatte die drei Soldaten Benny Avraham, Omar Suwad und Adi Avitan für tot erklärt. Die Familien der jungen Männer hoffen aber immer noch, dass die drei noch leben und am Donnerstag von Deutschland aus nach Israel zurückkehren können. Einige der Angehörigen sind bereits nach Deutschland aufgebrochen, um direkt an Ort und Stelle zu sein, wenn die vermissten Männer oder ihre Särge eintreffen - zudem entsendet Israel ein Team von Pathologen, welche die Überreste identifizieren soll.

Unter den Gefangenen, die Israel freilassen wird, ist auch der Deutsche Steven Smyrek. Er war im Jahr 1999 von einem Gericht in Israel wegen Vorbereitung eines Selbstmordanschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Smyrek, der zum Islam konvertiert ist, hatte im Libanon Kontakt mit der Hisbollah aufgenommen. In Interviews mit deutschen Medien zeigte er keine Reue. In Israel rechnet man damit, dass er seinen Kampf gegen Israel fortsetzen wird.