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Nahost

Gefangenen Briten droht Spionage-Prozess

Teheran will die festgenommenen britischen Marinesoldaten Berichten zufolge gegen Iraner in US-Gewahrsam austauschen. Den 15 Briten, die eine Grenzverletzung gestanden haben sollen, droht eine Anklage wegen Spionage.

Britisches Patrouillenboot bei Basra (Archivbild), Quelle: AP

Britisches Patrouillenboot bei Basra (Archivbild)

Der britische Premierminister Tony Blair hat den Iran der gezielten Entführung von britischen Marineangehörigen aus irakischen Hoheitsgewässern beschuldigt. Die Briten seien nicht in iranische Gewässer eingedrungen, sondern hätten sich auf irakischem Gebiet befunden, sagte Blair am Sonntag (25.3.2007) am Rande des informellen EU-Gipfels in Berlin. Die Festnahme nannte er "ungerechtfertigt und falsch". Je schneller die Angelegenheit beigelegt werde, desto einfacher sei es für alle, sagte Blair.

"Schwere Strafen"

Nach einem britischen Zeitungsbericht droht den Soldaten ein Prozess wegen Spionage. Auf einer Website, die von Verbündeten des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad betrieben werde, seien den Briten dafür "schwere Strafen" angedroht worden, berichtete die Sonntagsausgabe der Londoner "Times". Spionagevorwürfe hatten iranische Stellen bereits im Juni 2004 in einem ähnlichen Fall gegen acht britische Marineangehörige erhoben. Diese wurden jedoch nach vier Tagen freigelassen.

Möglicherweise will der Iran die Soldaten gegen iranische Staatsbürger in US-Gewahrsam austauschen. Britische und arabische Medien berichteten am Sonntag, Teheran wolle fünf Iraner freibekommen, die vor einigen Monaten in der irakischen Stadt Erbil von US-Soldaten festgenommen worden waren.

Die iranische Regierung übermittelte dem britischen Botschafter am Sonntag ihren Protest gegen die angebliche Grenzverletzung durch die Soldaten. Der britische Botschafter Geoffrey Adams sprach mehrere Stunden mit iranischen Regierungsvertretern, wie das Außenministerium in London erklärte. Er forderte dabei die umgehende Freilassung aller 15 Soldaten, unter ihnen eine junge Mutter. Bitten um Kontakt zu den Gefangenen wurden abgewiesen.

Aufenthaltsort unbekannt

Der Staatssekretär im Außenministerium, Lord Triesman, sagte, man habe keine Hinweise auf den Aufenthaltsort der Soldaten. Er betonte, die britischen Streitkräfte würden niemals bewusst in iranisches Hoheitsgebiet eindringen. Außerdem gebe es Beweise, dass sich die Soldaten zum Zeitpunkt der Festnahme in irakischen Gewässern aufgehalten hätten.

Auch die EU forderte den Iran zur Freilassung der britischen Soldaten auf. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft erklärte, sie stehe in der Angelegenheit in enger Abstimmung mit der britischen Regierung. Der deutsche Botschafter in Teheran habe bei der iranischen Regierung vorgesprochen.

Die Soldaten sollen laut offiziellen Angaben aus Teheran einen illegalen Grenzübertritt gestanden haben. Bei dem Zwischenfall am Freitag habe es sich um einen Akt der Aggression gehandelt, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA General Ali Resa Afschar. Was mit den Soldaten weiter geschehen soll, sagte er nicht.

Studentengruppen fordern harte Linie

Konservative Studentengruppen riefen die iranische Regierung auf, die Soldaten erst dann freizulassen, wenn fünf seit Januar von US-Truppen im Irak festgehaltene Iraner freikämen und die UN ihre Sanktionspläne fallen ließen. Der Zwischenfall ereignete sich im Schatt el Arab im Norden des Persischen Golfs, wo der exakte Verlauf der Grenzlinie umstritten ist. Die Soldaten der Fregatte "HMS Cornwall" gehörten zu einer Einheit der Royal Navy, die unter UN-Mandat die Sicherheit der irakischen Ölterminals und der irakischen Hoheitsgewässer gewährleisten soll. (stu)

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