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Asien

Gefahr für Kambodschas Umweltschützer

Umweltschützer beschuldigen Kambodschas Behörden, die Abholzung von Regenwäldern zunehmend mit Gewalt durchzusetzen. Dennoch wollen sich die Aktivisten nicht abschrecken lassen.

Chut Wutty (Foto: Cambodian Center for Human Rights)

Chut Wutty

Chut Wutty war einer von Kambodschas führenden Umweltaktivisten. Er wurde durch seine aggressiven Kampagnen gegen illegale Abholzung und Zwangsräumung bekannt – beides inzwischen häufige Praktiken in Kambodscha.

Die offizielle Version von Chut Wuttys Tod ist zweifelhaft (Foto: dpa)

Die offizielle Version von Chut Wuttys Tod ist zweifelhaft

Sein Aktivismus trug Chut Wutty viele Bewunderer ein, bescherte ihm aber auch Feinde. So erhielt er Drohungen von Polizisten und Wächtern, denen seine Untersuchungen ein Dorn im Auge waren. Doch obwohl er gute Verbindungen hatte und mit Gefahr umgehen konnte, ließ ihn am 26. April sein Glück im Stich. Nachdem er zwei Journalisten ein Camp gezeigt hatte, in dem Wald abgeholzt wurde, stoppte sie die Militärpolizei. Einzelheiten blieben unbekannt, aber am Ende der Begegnung waren Chut Wutty und ein Militärpolizist tot: beide wurden erschossen.

Die Nachricht schockte viele in Kambodscha. Doch manche waren nicht überrascht. Die Tötung von Chut Wutty gehört für sie zu einem Muster wachsender Gewalt gegenüber Andersdenkenden, die nicht strafrechtlich verfolgt wird. Am 16. Mai erschoss die Militärpolizei ein 14 Jahre altes Mädchen. Die Polizisten wollten protestierende Dorfbewohner von ihrem Land vertreiben um Platz zu schaffen für den Bau einer Gummiplantage. Hinterher hieß es von Behördenseite, die Erschießung des Mädchens sei ein Akt der Selbstverteidigung gewesen. Es wurde keine offizielle Untersuchung eingeleitet. Zuvor, im Februar, hatte ein Provinzgouverneur in die Menge protestierender Arbeiterinnen aus der Bekleidungsindustrie geschossen und dabei drei Frauen verletzt. Er wurde schließlich entlassen, aber nicht angeklagt.

Unwillkommene Aufmerksamkeit

Korrupte Geschäfte wecken Unmut in Kambodschas Bevölkerung (Foto: dpa)

Korrupte Geschäfte wecken Unmut in Kambodschas Bevölkerung

Markus Hardtke, ein deutscher Umweltaktivist, der mit Chut Wutty zusammengearbeitet hat, schüttelt den Kopf als er über den Tod seines Freundes berichtet. Er kritisiert die nachfolgende Untersuchung durch die Regierung. Sie habe drei Tage gedauert und ihre Qualität sei bestenfalls fragwürdig gewesen. Die Regierung behauptete zunächst, die Militärpolizei habe sich vor den Schüssen Wuttys verteidigen müssen. In der folgenden Version hieß es, der Militärpolizist, der Wutty erschossen hatte, habe sich anschließend aus Reue selbst umgebracht. Am Ende wollte die Regierung diese Geschichte nur noch loswerden, weil sie unwillkommene Schlagzeilen machte und sogar die internationale Öffentlichkeit auf die wachsenden Proteste im Land aufmerksam machte, sagen Beobachter.

"Landnahme und Abholzung findet inzwischen in großem Ausmaß statt, organisiert und initiiert durch höchste Regierungskreise", berichtet Umweltaktivist Hardtke. "Das ist ein relativ neues Phänomen, es ist wirklich beängstigend, und es geht wirklich sehr schnell."

Beides, sowohl Landnahme als auch illegales Abholzen von Wäldern gehen häufig einher mit weitreichenden Lizenzen, die die Regierung lokalen Geschäftsleuten oder ausländische Investoren gewährt. Die Konzessionen gelten für den Bau von Gummiplantagen, Wasserkraft-Talsperren oder von chinesischen Investoren finanzierte Glücksspiel-Anlagen.

Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg und Konflikten ist Kambodschas Regierung nun erpicht darauf, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und Investoren ins Land zu locken. Doch Kritiker sagen, dies geschehe auf dem Rücken der Armen. In einem Land der laschen Gesetze und eines schwachen Justizsystems haben diese wenig Rechte und kaum legale Möglichkeiten um ihre Ansprüche durchzusetzen.

"Seit mehr als zehn Jahren wird den lokalen Gemeinschaften ihr natürliches Umfeld geraubt. In dem Maße wie die Natur-Ressourcen schrumpfen, steht das Überleben der Menschen auf dem Spiel", hatte Chut Wutty vor seinem Tod in einem Video gesagt. Dabei ging es um eine Kampagne zur Rettung des einzigen verbleibenden immergrünen Flachland-Regenwaldes.

Abschreckender Effekt?

Waldaktivisten sagen, Gewalt werde sie nicht abschrecken (Foto: dpa)

Waldaktivisten sagen, Gewalt werde sie nicht abschrecken

Manche Kambodschaner fürchten, dass die öffentlichkeitswirksame Erschießung von Chut Wutty als Warnung an Andersdenkende gemeint sein könnte, ihre Anliegen nicht zu kraftvoll zu vertreten. "Wenn die Regierung den Fall Wutty schließt, werden die Menschen Angst haben", sagt ein Vertreter der kambodschanischen Menschenrechtsgruppe "Adhoc", der den Fall Chut Wutty aufmerksam verfolgt hat. Doch er weist auch darauf hin, dass sich viele nicht abschrecken lassen: Einige Wochen nach dem seinem Tod marschierten über 400 Aktivisten in den Regenwald, den Wutty retten wollte, um den Behörden zu zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen.

Srev Puen ist einer der unerschrockensten Aktivisten. Er kam kürzlich mit etwa 30 anderen Umweltschützern in die Hauptstadt Phnom Penh um eine Strategie für den Kampf gegen illegales Abholzen, illegales Fischen und die Enteignung lokaler Gemeinschaften auszuarbeiten. "Ein Mensch ist gestorben, aber hundert werden an seiner Stelle nachkommen", sagt er.

Die Regierung wollte zu dem Thema dieses Artikels nicht offiziell Stellung nehmen, verwies aber auf ein Einfrieren neuer Land-Konzessionen und eine Prüfung der bestehenden – beides war nach Wuttys Tod angekündigt worden. Wenn man Verstöße wie illegales Abholzen feststelle, werden die Lizenzen aufgekündigt, hieß es von Regierungsseite. Dennoch bleiben viele in Kambodscha skeptisch, besonders, weil die Zahl der verliehenen Abholz-Konzessionen im vergangenen Jahr ein neues Rekord-Hoch erreicht hat und im Juni Wahlen bevorstehen. Bisher hat die Regierung noch keine Erklärung abgegeben, wie sie das Einfrieren von Konzessionen durchsetzen will.