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Wissen & Umwelt

Gefahr durch Radioaktivität in Lebensmitteln

In Japan ist Gemüse aufgetaucht, das radioaktiv kontaminiert ist. Immer mehr Sorten dürfen nicht mehr verzehrt werden. Welche Sorten sind besonders betroffen und warum? Und was bedeutet die Belastung für die Gesundheit?

Brokkoli (Foto: AP)

Auch bei Brokkoli wurden erhöhte radioaktive Werte gemessen

Bestimmte Gemüsesorten in Japan sollen im Umkreis von 30 Kilometern um Fukushima radioaktiv kontaminiert sein. Vor allem Spinat, Kohl, Brokkoli und das in Japan sehr beliebte Blattgemüse Komatsuna. Warum ausgerechnet diese Gemüsesorten? "Weil sie eine besonders große Oberfläche haben", erklärt David Tait vom Max Rubner-Institut in Kiel. Und je größer die Oberfläche der Blätter, desto mehr radioaktive Partikel können sich darauf absetzen, so der Experte für Radioaktivität in Pflanzen und Lebensmitteln. Denn die Radioaktivität kommt zurzeit aus der Luft.

Radioaktive Stoffe können zum Teil abgewaschen werden

Der ultrafeine radioaktive Staub aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima rieselt langsam zu Boden oder wird mit dem Regen ausgewaschen. Dann legt er sich als "direkte Deposition" auf alle möglichen Oberflächen ab, beispielsweise auch auf Blättern, Stielen oder Ästen. Dieser Partikelfilm kann – zumindest zum Teil - abgewaschen werden. "50 bis 90 Prozent der radioaktiven Stoffe können durch das Waschen der Gemüse entfernt werden", schätzt David Tait. Bislang wurden vor allem höhere Werte des radioaktiven Isotops Jod 131 gemessen. Jod 131 hat eine geringe Halbwertszeit von etwa acht Tagen und damit nicht Zeit genug, in den Boden einzudringen und über die Wurzeln ins Innere von Pflanzen zu gelangen. Deswegen haben Gemüsesorten, die unterirdisch wachsen, wie zum Beispiel Möhren oder Rettiche, nichts abbekommen. Jod 131 ist somit relativ ungefährlich.

Cäsium hält sich über Jahrzehnte im Boden

Für die Landwirtschaft sehr viel problematischer ist dagegen Cäsium. Denn Cäsium-Isotope haben eine Halbwertszeit zwischen zwei und 30 Jahren. Gelangen sie in den Boden, reichern sie sich über Jahre und Jahrzehnte über die Wurzeln im Inneren der Pflanzen an. Deswegen sind auch heute noch – 25 Jahre nach dem schweren Reaktorunglück von Tschernobyl – Pilze in manchen Gegenden Süddeutschlands radioaktiv belastet. Abwaschen bringt in diesem Fall nichts. Isst der Mensch solche kontaminierten Pflanzen, baut der Körper das radioaktive Cäsium als Kaliumersatz ins Blut und in die Muskeln ein und so wird die gefährliche Strahlung an das umliegende Gewebe abgegeben.

Radioaktive Stoffe kontaminieren Meerestiere

Auster (Foto: DW)

Auch in Muscheln können sich radioaktive Stoffe anreichern

Für Meerestiere und –pflanzen, die Japaner in großen Mengen essen, sehen Experten zurzeit weniger Probleme als für landwirtschaftliche Produkte. Denn im Ozean verteilen sich die radioaktiven Stoffe sehr viel besser, betont Ulrich Rieth vom Bundesinstitut für Fischereiökologie in Hamburg. Trotzdem werden sie in der Nahrungskette weitergegeben. "Fische fressen Plankton, Menschen essen Fische", so Rieth. Zurzeit hoffen die Experten, dass nur flüchtige radioaktive Isotope – also Jod 131 – in den Pazifik gelangen und keine stabilen Isotope, wie Cäsium. Trotzdem müssten Fische, Algen und Muscheln aus den Küstengebieten vor Fukushima in den kommenden Monaten und Jahren gewissenhaft kontrolliert werden.

Autorin: Judith Hartl
Redaktion: Marion Linnenbrink

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