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Filme

Gefahr, Begierde und Überraschung am Lido

Der aus Taiwan stammende Starregisseur Ang Lee hat beim Filmfestival in Venedig erneut den Goldenen Löwen gewonnen - eine ebenso überraschende wie umstrittene Entscheidung.

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Ang Lee mit seinem zweiten Löwen

Lee erhielt den Preis am Samstagabend (8.9.) für seinen Spionage-Krimi "Lust, Caution". Der 52-Jährige, der seit Jahrzehnten in den USA lebt, war bereits 2005 mit einem Goldenen Löwen für sein Drama über zwei schwule Cowboys, "Brokeback Mountain", ausgezeichnet worden. Die Entscheidung der Jury unter Vorsitz des chinesischen Regisseurs Zhang Yimou stieß allerdings auf Kritik: Italienische Zeitungen schrieben am Sonntag, auch innerhalb der Jury sei das Votum für Ang Lee umstritten gewesen - die Jury habe über neun Stunden getagt.

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"China zeichnet China aus", kommentierte die römische Zeitung "La Repubblica" bitter. "Damit hatte wirklich niemand gerechnet". Weder Kritiker noch Publikum hatten sich für Ang Lees Spionage-Drama aus dem besetzten China im Zweiten Weltkrieg "Lust, Caution" (deutscher Titel: "Gefahr und Begierde") sonderlich begeistern können. Einen "erotischen Thriller", nannte es der Regisseur. Hart an der Grenze zur Pornografie, meinten manche Kritiker hinter vorgehaltener Hand.

Pfiffe für den Sieger

"Ich habe Glück hier in Venedig, das ist ein guter Ort für mich", sagte Lee. Einige Journalisten bedachten ihn mit Pfiffen, lange nicht mehr hatte es eine derart umstrittene Entscheidung am Lido gegeben. "Ich hoffe, dass (der chinesische Regisseur) Zhang Yimou immer Jury-Präsident bleibt", versuchte der aus Taiwan stammende Lee zu scherzen - manche fanden das gar nicht witzig.

Brad Pitt in Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

Der beste Schauspieler

Tatsächlich hatten Kritiker und Publikum diesmal andere Favoriten als die Jury, einer davon war das bedrückende Irakkriegs-Drama "Redacted" des Hollywood-Regisseurs Brian De Palma. Der gab sich immerhin mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie zufrieden. Die Schauspielerpreise gingen an Brad Pitt für seine Darstellung des Westernhelden Jesse James in "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" und Cate Blanchett für ihre Verkörperung des jungen Bob Dylan in "I'm Not There". Weder Pitt noch Blanchett waren zu der Preisverleihung nach Venedig gekommen. Der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Lee widmete seinen Preis dem im Juli verstorbenen schwedischen Altmeister Ingmar Bergman. Der Spezialpreis der Jury ging an "Le Grain et le Mulet" des französisch-tunesischen Regisseurs Abdellatif Kechiche und an "I'm Not There" von Todd Haynes. Alle drei Streifen galten bei Kritikern und Publikum als Anwärter auf den Goldenen Löwen.

Deutsche Schatten

Dagegen führten deutsche Künstler in Venedig erneut ein Schattendasein: Unter den 22 Wettbewerbsfilmen war kein deutscher. Es gab lediglich zwei deutsche Filme, die in Nebenreihen liefen: Der Dokumentarfilm "Staub" von Hartmut Bitomsky und die schwarze Tragikkomödie "Freischwimmer" von Regissur Andreas Kleinert. (sams)

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