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Justiz

Gefängnis für Islamisten-Chef Sven Lau?

Es ist einer der wichtigsten Prozesse gegen einen Islamisten in Deutschland: Der bundesweit bekannte Sven Lau muss mit mehreren Jahren Haft rechnen. An diesem Mittwoch wird in Düsseldorf das Urteil gesprochen.

Sven Lau (links im Bild, mit seinem Verteidiger) bestreitet die Vorwürfe, aber die Bundesanwaltschaft ist sich sicher, dass sie es mit einem gefährlichen Terror-Helfer zu tun hat. Nach Überzeugung der Ankläger hat der 36-Jährige die islamistische Terrormiliz "Jamwa" in Syrien unterstützt. Die Behörde hat am Düsseldorfer Oberlandesgericht sechseinhalb Jahre Haft gegen Lau beantragt. Dessen Verteidiger fordert hingegen Freispruch.

Der Prozess gegen Lau begann vor gut zehn Monaten. Fast 40 Zeugen wurden vernommen. Die Vorwürfe reichen ins Jahr 2013 zurück. Lau soll unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe die "Jamwa" mit Ausrüstung in Form von Nachtsichtgeräten und 250 Euro Bargeld unterstützt haben. Außerdem soll er zwei Männer für die Miliz in Syrien angeworben haben.

Die "Scharia-Polizei"

Lau zählt mit Pierre Vogel, der in dem Düsseldorfer Prozess als Zeuge aussagte, zu den prominentesten Gesichtern des radikalen Islam in Deutschland. Er stammt aus Mönchengladbach und ist zum Islam konvertiert. In der niederrheinischen Stadt trat er als Anführer des salafistischen Vereins "Einladung zum Paradies" auf, der sich 2011 auflöste - vermutlich, um einem Verbot zuvorzukommen. Ein Gutachter bescheinigte Lau eine "hohe suggestive Wirkung" auf junge Muslime. Bis zu seiner Festnahme im Dezember 2015 lebte er im Süden Düsseldorfs.

Deutschland Prozess gegen Salafistenprediger Sven Lau in Düsseldorf (picture-alliance/dpa/W. Kastl)

Sicherheitsvorkehrungen beim Prozess in Düsseldorf

Der Angeklagte gilt auch als Initiator der "Scharia-Polizei", die in Wuppertal umherzog. Beruflich war Lau, bevor er seinen Dienst quittierte, Feuerwehrmann in Mönchengladbach. Der 36-Jährige ist Vater von fünf Kindern.

Die "Jamwa" steht - übersetzt - für "Armee der Auswanderer und Helfer". Der islamistischen Miliz gehörten in Syrien bis zu 750 Kämpfer an, darunter nach Berichten auch eine ganze Kampfeinheit mit Islamisten aus Deutschland. Die Miliz kämpfte gegen syrische Regierungstruppen und kurdische Einheiten. Der von Lau unterstützte "Jamwa"-Flügel hatte sich später der Terrormiliz "Islamischer Staat" angeschlossen.

ml/se (dpa, KNA, epd)