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Politik

Gefährliches Spiel

Nordkorea hat bei den Dreier-Gesprächen in Peking den Besitz von Atomwaffen eingestanden. Zugleich drohte Pjöngjang mit Krieg, wenn Washington nicht seine "feindliche Haltung" aufgebe. Rainer Sollich kommentiert.

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Wieder einmal gibt sich Nordkorea so unberechenbar wie möglich: Noch während hinter verschlossenen Türen verhandelt wird, füttert das Land die Weltöffentlichkeit mit finsteren Kriegsdrohungen gegen die USA und kündigt an, Washington würde sich bei einem Angriff - so wörtlich - "gnadenlose Todesstöße" einfangen. Die Pekinger Dreier-Gespräche werden vorzeitig aufgekündigt und dann doch noch einmal aufgenommen. Und schließlich der ganz große Paukenschlag: Nordkorea behauptet - jedenfalls laut US-Angaben -, es besitze bereits Atomwaffen und beanspruche für sich das Recht, diese zu testen, zu exportieren - und gegebenenfalls auch einzusetzen.

Ob dies tatsächlich zutrifft oder ob Nordkorea nur blufft, um für sich ein besseres Verhandlungsergebnis zu erreichen, ist derzeit objektiv kaum nachprüfbar. So oder so, Pjöngjang wagt mit den jüngsten Drohungen ein gefährliches Spiel. Nicht nur, weil die Drohungen schnell eine gefährliche Eigendynamik entwickeln könnten, wenn die USA entsprechend konterten. Sondern auch, weil ein regionales Wettrüsten das verarmte Nordkorea weiter isolieren und langfristig noch tiefer in den finanziellen Ruin treiben würde.

Nordkorea hat seine eigene Lektion aus dem Irak-Krieg gezogen, die da lautet: Die beste Methode, sich gegen einen Angriffskrieg zu schützen, ist militärische Abschreckung. Und wenn Pjöngjang dafür auf Atomwaffen zurückgreift, dann folgt es mit dieser Option genau derselben Logik, mit der sich auch die großen Supermächte Jahrzehnte lang in Schach gehalten haben. Nur: Die Zeiten haben sich geändert. In der US-Regierung sitzen heute Politiker, von denen niemand weiß, wie weit sie im Ernstfall zu gehen bereit sind. Und Nordkoreas traditioneller Verbündeter China kann keinerlei Interesse daran haben, dass die Lage auf der koreanischen Halbinsel eskaliert. Das Land hat genug andere Probleme und benötigt deshalb Stabilität.

Und genau hier ist der Hebel für weitere Verhandlungen. Denn eines steht fest: Atomwaffen können keine Kontakte zu potenziellen Geldgebern ersetzen, jedenfalls nicht langfristig. Wenn das kommunistische Regime wirtschaftlich und damit auch politisch überleben will, ist es auf Hilfe von außen angewiesen - Hilfe, die an Bedingungen geknüpft sein muss. Hier ist - neben den USA, die in diesem Konflikt nicht klein beigeben sollten - vor allem der große Nachbar China in der Pflicht. Wenn irgendjemand in der Region das Potential hat, dem Regime in Pjöngjang seine Grenzen aufzuzeigen, dann Peking. Es sollte diesen Einfluss auch im eigenen Interesse nutzen - um einen drohenden Konflikt von der Region abzuwenden.