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Europa

Gefährlicher Verkehr – Russlands schwarze Woche

Zur Urlaubszeit zieht es viele Russen in den warmen Süden. Doch der Trend hat eine Kehrseite: Meldungen über verunglückte Autos und Busse dominieren derzeit die Nachrichten. In der letzten Woche kam es ganz hart.

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Zeitungen sprechen von einer schwarzen Woche, denn allein in den vergangenen sieben Tagen gab es auf Russlands Straßen 4505 Unfälle mit 592 Toten. Jüngstes Beispiel ist der Zusammenstoß dreier Autos an diesem Dienstag (28.07.2009) in der russischen Kaukasusrepublik Dagestan, der elf Menschenleben forderte. Sicherlich sind überfüllte Straßen, lange Fahrten und Übermüdung jetzt in der Urlaubszeit besonders häufig. Doch die Bilanz des vergangenen halben Jahres ist nicht weniger erschreckend: 10.277 Tote durch Verkehrsunfälle in Russland. Das sind 392 Menschen pro Woche. Die russischen Autofahrer lieben es rasant. Und das häufig auf schlechten Straßen.

Fußgänger haben das Nachsehen

In Moskau ist es für Fußgänger jedes Mal ein kleines Abenteuer, eine der Hauptstraßen mit acht oder mehr Spuren zu überqueren. Lange Wege zur nächsten Unterführung sind keine Seltenheit. Selbst wenn sich eine grüne Ampel findet, pustet einen oft genug ein dicker Luxusgeländewagen zurück auf den Bürgersteig. Auch ein Zebrastreifen bietet noch lange keinen sicheren Übergang. Hier gilt das Recht des Stärkeren.

Damit dies nicht so bleibt, ergreift die Regierung jetzt Maßnahmen. Am 1. Juni ist das Bußgeld für alle, die am Zebrastreifen nicht anhalten, auf 1000 Rubel (ca. 23 Euro) verdoppelt worden. Dies soll der Wild-West-Tradition auf Russlands Straßen ein Ende bereiten. Doch bis jetzt bleibt die gewünschte Wirkung aus.

Nur einen Tag nach der Erhöhung wurde der polnische Korrespondent Andrzej Zaucha fast von einem Auto angefahren. Er hatte sich auf den Zebrastreifen verlassen. Als er den Rowdys hinterher schrie, hielt der Wagen an. Doch statt einer Entschuldigung kassierte Zaucha so heftige Schläge, dass er ins Krankenhaus musste.

Tolerante Ordnungshüter

Und die Polizei? Die zeigt sich, wenn es um Leib und Leben der Bürger geht, mehr als großzügig. Der geübte Autofahrer rast schnell noch über die rote Ampel, oder macht gleich selbst eine neue Spur auf. Hauptsache, die Polizei erwischt ihn nicht. Allzu genau schaut ohnehin kein Polizist hin.

Autorin: Susanne Jaworski
Redaktion: Ranty Islam