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Wissen & Umwelt

Gefährlicher Feinstaub aus Kohlekraft

Feinstaub, der auch bei der Verbrennung von Kohle entsteht, ist ungesund. In einer Studie, die Greenpeace in Auftrag gab, wird sogar vor tödlichen Gefahren gewarnt, die von Kohlekraftwerken ausgehen.

Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Ostdeutschland Foto: Andreas Franke

Feinstaub aus Kohlekraft. Vor allem Kinder und sensible Menschen leiden unter den Folgen.

Die Studie sorgt erst einmal für Schlagzeilen: Nach Berechnungen des Instituts für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart sollen durch die Feinstaubemissionen der deutschen Kohlekraftwerke rund 33.000 Lebensjahre in Deutschland und den Nachbarländer pro Jahr verloren gehen. Umgerechnet würde dies jährlich rund 3100 vorzeitige Todesfälle bedeuten.

Dass Feinstaub chronische Bronchitis, Asthma, Herzkreislauferkrankungen und Krebs verursachen kann, ist unumstritten. Schuld sind mikroskopisch kleine Partikel, die in Lunge und Blutbahn gelangen. Diese Kleinstpartikel entstehen zum einen bei der direkten Verbrennung. Viel mehr davon bilden sich jedoch erst später in der Luft - durch eine chemische Reaktion, erklärt Professor Rainer Friedrich von der Uni Stuttgart, einer der Autoren der Greenpeace-Studie gegenüber der DW. "Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxide (NOx), die vor allem bei der Verbrennung freigesetzt werden, reagieren mit Ammoniak zu Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat und damit haben wir den Feinstaub". Ammoniak gelangt vor allem durch die landwirtschaftliche Düngung in die Atmosphäre.

Wissenschaftler Rainer Friedrich von der Universität Stuttgart erklärt die Risiken der Feinstaubemissionen (Foto: dpa)

Forscher Friedrich von der Uni Stuttgart erläutert die Risiken der Feinstaubemissionen

Auch Verkehr und Landwirtschaft sind verantwortlich

Für die Studie fütterten Friedrich und seine Kollegen ihren Computer mit den Emissionsdaten der europäischen Umweltagentur, berechneten und modellierten die chemischen Reaktionen in der Luft und die Belastung für die Bevölkerung in Europa und werteten die größten und bekanntesten Studien zum Sterberisiko durch Feinstaub aus.

Laut Friedrich soll die Summe aller deutschen Feinstaubemissionen rund 28.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verursachen. Und daran sind nicht nur Kohlekraftwerke schuld. Nach Friedrichs Berechnungen gehen etwa zehn Prozent der Feinstaub-Erkrankungen und vorzeitigen Todesfälle auf das Konto der Kohle, 23 Prozent auf den Straßen- und Schiffsverkehr, 13 Prozent auf industrielle Prozesse und sechs Prozent auf sonstige Feuerstätten, wie zum Beispiel Holzöfen. Den größten Anteil hätte jedoch vor allem die Landwirtschaft, die mit 40 Prozent vor allem durch die Freisetzung von Ammoniak bei der Düngung die chemische Reaktion in der Luft erst ermögliche.

Doch nicht alle Menschen leiden unter Feinstaub: "Es gibt Menschen, die besonders empfindlich sind und die früher sterben, als wenn sie den Feinstaub nicht eingeatmet hätten." Das könnten durchaus zehn Jahre sein, meint Friedrich. "Und es gibt Menschen, die gar nichts von der Feinstaubbelastung merken."

Mehr Sensibilität für Feinstaub

Kind mit Asthma und Srpühmittel zur Bronchienbefreiung Bild: Fotolia/uwimages

Auch Asthma ist eine Folge von Feinstaub

"Feinstaub ist der schädlichste Umweltfaktor den wir haben", sagt Friedrich und befürwortet Minderung wo es nur geht. "In vielen Entwicklungsländern leben Menschen in Hütten und kochen auf offenem Feuer. Da müsste die Innenraumbelastung dringend reduziert werden." In Europa sieht Friedrich die EU-Kommission auf dem richtigen Weg, per Gesetz die Luftreinhaltung, "nach und nach zu verschärfen", er fordert aber, die Grenzwerte für Feinstaub nicht auf "Kurzzeitbelastungen, sondern auf langfristige Werte zu konzentrieren."

Dass Feinstaub krank macht, wird auch vom europäischen Fachverband für die Strom- und Wärmeerzeugung, VGB Power-Tech, nicht bezweifelt.

Pressesprecher Christoph Weßelmann betont jedoch gegenüber der DW, dass der Anteil von Feinstaub aus Kohlekraftwerken nur wenige Prozent der deutschen Gesamtemissionen betrage. Zudem seien durch hohe Schornsteine die Emissionen weitflächig fein verteilt, so dass gesundheitliche Schäden auszuschließen seien.

Greenpeace fordert Kohleausstieg

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht jedoch Kohlewirtschaft und Politik in der Pflicht und fordert den vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2040. "Um Todes- und Krankheitsfälle zu vermeiden, muss die die Politik endlich den Ausstieg aus der Kohle beschließen", fordert Gerald Neubauer, Energie-Experte von Greenpeace. Für die Übergangszeit müssten alle Kohlekraftwerke mit der besten Filtertechnik ausgerüstet werden, um Schadstoffemissionen zu verringern.

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