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Politik & Gesellschaft

Gefährlicher EHEC-Keim breitet sich aus

Die Zahl der mit dem Darmkeim Infizierten steigt rasant: 140 Menschen sind schwer erkrankt. Das Robert-Koch-Institut warnte Menschen in Norddeutschland vor dem Verzehr von Salatgurken, Blattsalaten und rohen Tomaten.

Ein Forscher hält eine Petrischale mit einer rotgefärbten Bakterienkultur hoch (Foto: dapd)

Forscher suchen nach der Quelle des EHEC-Keims

Eine 41-jährige Frau aus Niedersachsen ist wahrscheinlich an einer Infizierung mit dem EHEC-Erreger gestorben, teilte das niedersächsische Gesundheitsministerium in Hannover am Mittwoch (25.05.2011) mit. Damit hat das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), eine schwere Form der durch den Darmerreger ausgelösten Durchfall-Krankheit, bereits das vierte mögliche Todesopfer gefordert. Klarheit bringt erst eine Analyse der Todesursache.

Die Zahl der schweren Krankheitsverläufe steigt ebenfalls weiter an: Bis zum Dienstagabend waren dem Robert-Koch-Institut rund 140 Fälle mit blutigem Durchfall und Nierenversagen bekannt - noch mittags waren nur 80 Fälle registriert. Verdachtsfälle gibt es mittlerweile in 14 deutschen Bundesländern, obwohl der Schwerpunkt nach wie vor in Norddeutschland liegt. Allein in Hamburger Krankenhäusern liegen nach Angaben der Gesundheitsbehörde 59 Menschen mit dem HUS-Syndrom.

Ein Forscher hält eine Petrischale mit einer rotgefärbten Bakterienkultur hoch (Foto: dapd)

Bis Ende der Woche wollen Mediziner den Bakterienstamm identifizieren

Die Zahl der schweren Verläufe in einem sehr kurzen Zeitraum und dass vor allem erwachsene Frauen betoffen sind, ist dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge untypisch. In der Vergangenheit gab es in einem ganzen Jahr nur 60 bis 70 Fälle, überwiegend Kinder.

Forscher suchen weiter nach der Ursache

Wie die EHEC-Bakterien, die normalerweise im Darm von Rindern und anderen Wiederkäuern vorkommen, sich ausgebreitet haben, ist noch immer unklar. Als Übertragungsweg vermuteten Experten zunächst den Verzehr von ungewaschenem Obst oder Gemüse, das vorher mit Gülle gedüngt worden war. Der Erreger könnte sich aber auch über verunreinigtes Wasser ausgebreitet haben.

Das RKI warnte wegen des aggressiven Darmkeims die Bewohner Norddeutschlands vor dem Verzehr von Salatgurken, Blattsalaten und rohen Tomaten. Eine epidemiologische Studie in Hamburg habe gezeigt, dass EHEC-Erkrankte diese Gemüse deutlich häufiger verzehrt hätten als gesunde Vergleichspersonen, teilte das RKI zusammen mit dem Institut für Risikobewertung am Mittwoch in Berlin mit.

Wissenschaftler glauben, dass die Suche nach der Infektionsquelle noch Wochen dauern kann und womöglich zu keinem Ergebnis führen wird. Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts sagte, man habe es in der Vergangenheit mit kleineren Ausbrüchen zu tun gehabt, deren Ursprung manchmal sehr schnell eingegrenzt werden konnte. "Aber es gab auch Ausbrüche, in denen man einfach nichts zum Ursprung gefunden hat", sagte die Sprecherin

Mediziner wollen den Erregerstamm in den nächsten Tagen entschlüsseln

Daniel Bahr (Foto: AP)

Gesundheitsminister Daniel Bahr

Forscher des Unversitätsklinikums Münster wollen immerhin den für die Erkrankungen verantwortlichen EHEC-Bakterienstamm bis Ende der Woche identifizieren. "Wir haben ihn schon sehr weit eingegrenzt", sagte der Direktor des Instituts für Hygiene am Klinikum, Helge Karch. Nur noch zwei der insgesamt 42 bekannten Typen kämen infrage. Es könne sich aber auch um eine ganz neue Form des Erregers halten. Der EHEC-Experte vermutet, dass ein einziger Bakterienstamm für den bundesweiten Ausbruch verantwortlich ist.

Gesundheitsminister Daniel Bahr erklärte unterdessen, er halte die bestehenden Mechanismen im Kampf gegen die Verbreitung des gefährlichen Keims für ausreichend. Ein Krisenstab würde eingerichtet werden, wenn beispielsweise eine stärkere internationale Vernetzung notwendig wäre.

Autorin: Gönna Ketels (dapd, dpa)
Redaktion: Martin Schrader

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