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Politik

Gefährliche Routine

Britische und US-Kampfflugzeuge haben am Donnerstag (6.9.) im Westen des Iraks Luftabwehrstellungen angegriffen, nachdem ein Überwachungsflugzeug über der Flugverbotszone beschossen worden war. Peter Philipp kommentiert.

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Massive amerikanische und britische Luftangriffe auf Einrichtungen der irakischen Luftwaffe südwestlich von Bagdad sind sicher nicht die Vorboten des so viel diskutierten amerikanischen Angriffes auf den Irak. Zwischenfälle dieser Art gibt es regelmäßig, wenn auch sicher nicht in diesem Ausmaß - es sollen bis zu Hundert Flugzeuge im Einsatz gewesen sein. Britische und amerikanische Kampfflugzeuge patrouillieren regelmäßig über dem Irak und ebenso regelmäßig kommt es dabei zu Zwischenfällen. Allein in diesem Jahr soll dabei über hundert Mal auf diese Maschinen geschossen worden sein. Nicht allein direktes Feuer aber, sondern auch schon das "Einloggen" von Flak und Flugabwehrraketen auf die alliierten Flugzeuge gilt als versuchter Angriff und wird mit Gegenangriff beantwortet.

Eine Taktik, die international gilt und akzeptiert wird. Was man von der amerikanisch-britischen Lufthoheit über dem Irak nicht gerade behaupten kann: Die Flugverbotszonen, die seit Jahren über den Norden und den Süden verhängt wurden, sollten ursprünglich zwar die Kurden und die Schiiten vor Angriffen der irakischen Luftwaffe schützen, die Sperrzonen sind aber doch längst ein Instrument beim Bemühen, Saddam Husseins Macht so niedrig wie möglich zu halten.

Eingeschränkte Macht

Diese Macht scheint ungebrochen, wenn man den Diktator reden hört und wenn man seine Emissäre auf internationaler Bühne beobachtet - wie gerade beim Arabischen Außenminister-Treff in Kairo. Saddam Hussein lebt aber längst mit deutlichen Einschränkungen seiner Macht: Die Kurden im Norden haben davon einigermaßen profitiert, indem sie eine weitgehende Autonomie mit einigem Wohlstand erreicht haben. Die Schiiten im Süden können solche Erfolge nicht verzeichnen; wie sehr der Einfluss Bagdads auf dieses Gebiet aber begrenzt ist, mag sich daraus ablesen, dass große Teile der Schiitengebiete, unter ihnen auch die wichtigen Verkehrsadern in dieser Gegend, des Nachts als unsicher gelten.

Saddams Macht konzentriert sich auf Bagdad und das Gebiet bis zur syrischen und jordanischen Grenze im Westen. Genau aus dieser Richtung - so spekulieren in letzter Zeit alle möglichen Experten - werde aber ein Teil des geplanten Angriffs kommen. Wobei allerdings mehr als fraglich scheint, ob Jordanien offiziell seine Zustimmung hierfür zu geben bereit ist. Diese Überlegung, gepaart mit den Luftrangriffen vom Donnerstag in derselben Gegend, geben natürlich den Nährboden ab für Spekulationen über Auftakt oder wenigstens Vorspiel zum angedrohten Großangriff.

Falsche Spekulationen

Diese Spekulationen dürften falsch sein und aus der allgemeinen Hysterie um die Angriffspläne George W. Bushs resultieren. Noch scheint es sich um Routine zu handeln - so sehr die Flugverbotszonen auch völkerrechtlich umstritten sein mögen. Eine Routine, die aber natürlich auch eine Warnung an Bagdad sein soll: Dass man nämlich nicht dort, sondern in Washington entscheidet, wann, wie und wo zugeschlagen wird. Und die vielleicht auch testen soll, in welchem Maße der Irak überhaupt willens und in der Lage ist, ernste Zusammenstöße mit Amerikanern und Briten zu riskieren.

Routine sicher, ebenso sicher aber auch ein gefährliches Spiel.