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Nahost

Gefährliche Recherche im Irak

Wieder ein blutiges Wochenende im Irak: Mehr als 60 Tote bei Anschlägen, melden die Agenturen. Waren es vielleicht noch mehr? Fest steht: Umfassende Berichterstattung aus dem Land ist derzeit so gut wie unmöglich.

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Journalisten riskieren ihr Leben - nicht nur ausländische

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat den Irak als gefährlichstes Land für Journalisten eingestuft. Seit Ausbruch des Krieges 2003 seien dort mehr als 80 Medienmitarbeiter getötet worden. Aus Sicherheitsgründen sitzen die Korrespondenten vieler Fernsehsender in den Nachbarländern des Irak. Auch nahezu alle Nachrichtenagenturen haben ihre ausländischen Korrespondenten mittlerweile abgezogen. "Alles andere wäre auch sträflicher Leichtsinn", heißt es zum Beispiel bei der Redaktion für Politik International bei Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Hamburg. Für ausländische Mitarbeiter seien außerdem die Versicherungskosten zu hoch.

Wie viele ausländische Journalisten sich noch im Irak aufhalten, ist nicht genau zu sagen. "Die sagen uns ja nicht Bescheid, wenn sie fahren", sagt Katrin Evers, Sprecherin von Reporter ohne Grenzen.

Einheimische sind unauffälliger

Geiselnahme im Irak Französische Journalisten Georges Malbrunot, rechts, Christian Chesnot, links

Georges Malbrunot und Christian Chesnot waren nicht die letzten - im Irak werden noch immer Journalisten entführt

DPA setzt - wie auch die Agence France Presse (AFP) - auf irakische Informanten, die nicht sofort als Journalisten und damit als potenzielles Entführungsopfer auffallen. Sie werten vor allem die örtlichen Medien aus sowie die Mitteilungen der Regierung und der US-Armee.

Die Agentur Associated Press (AP) unterhält nach eigenen Angaben ein Büro in Bagdad, in dem auch europäisches und amerikanisches Personal arbeitet. Einige seien ständig dort, andere nur vorübergehend. AP betont, die Journalisten würden auch durchs Land reisen. DPA und AFP haben je etwa ein Dutzend einheimische Mitarbeiter im Irak, vor allem in größeren Städten wie Bagdad, Falludscha und Kerbala.

Wüste und Gewalt

Fünf Tote nach Anschlag in Bagdad

Die meisten ausländischen Medien haben ihre Journalisten abgezogen - über Anschläge berichten oftmals irakische Informanten.

Das Netz hat naturgemäß Lücken - schon allein, weil der Irak in vielen Regionen unübersichtliche Wüste ist, und weil einige Regionen, wie zum Beispiel das sunnitische Dreieck nordwestlich von Bagdad, lebensgefährlich sind.

"Weite Teile des irakischen Territoriums werden von der Auslandspresse nicht mehr abgedeckt", schreibt "Reporter ohne Grenzen" in seinem im März 2006 veröffentlichten Bericht. So kann es durchaus passieren, dass manches Ereignis im Irak nie oder erst spät an die Öffentlichkeit kommt, weil die Information niemanden findet, der sie hört.

Erste unabhängige Agentur

Einheimische Mitarbeiter könnten zwar unter Umständen mehr herausbekommen als ausländische Journalisten, sagt Evers. "Aber deren Informationen sind auch mit Vorsicht zu genießen. Da ist kaum jemand, der wirklich gut recherchiert." Allerdings hat der unabhängige Journalismus im Irak auch Fortschritte gemacht: Seit November 2004 gibt es zum Beispiel Aswat al Iraq (Stimmen des Irak) - die erste unabhängige Nachrichtenagentur, in der nur irakische Journalisten arbeiten. Sie hat Korrespondenten im Land und bezieht Informationen von vier irakischen Zeitungen. Aswat al Iraq wird unterstützt von der Reuters Foundation, dem UN-Entwicklungsprogramm und der Spanischen Agentur für Internationale Kooperation. Katrin Evers weiß allerdings auch: "Die irakischen Journalisten fallen dem Terror noch öfter zum Opfer als ausländische."

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