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Kultur

Gefährliche Nachlässigkeit

Neu und bedrohlich ist die Lungenkrankheit SARS. Vor vielen ebenso gefährlichen und altbekannten Infektionskrankheiten gibt es Schutz durch Impfungen. Doch in Europa wird das von immer mehr Menschen vergessen.

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Besser ein Stich als langes Leiden

Diphterie, Röteln oder Kinderlähmung haben in Europa ihren Schrecken verloren, seitdem fast die gesamte Bevölkerung dagegen geimpft wurde. Doch viele meinen, Impfungen seien nur etwas für kleine Kinder. Oder man hält die Krankheiten – wie es bei den Pocken tatsächlich geschehen ist – für ausgerottet. Das hat zur Folge, dass im Alter der Impfschutz verloren geht, und das betrifft einen immer größer werdenden Teil der europäischen Bevölkerung. Die spätetens alle zehn Jahre fällig werdenden Auffrischungsimpfungen, etwa gegen Diphterie oder Kinderlähmung werden vernachlässigt.

Kinderlähmung in der Dritten Welt

Kinderlähmung ist noch nicht in allen Ländern ausgerottet

Erst die Masse macht's

Dabei zeigt gerade wieder die schnelle Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit SARS, wie stark auch die Welt der Viren und Bakterien "globalisiert" ist. Auch vermeintlich "besiegte" Krankheitserreger können aus fernen Gegenden neu eingeschleppt werden, von der Gefahr durch biologische Kampfstoffe einmal ganz abgesehen. Außerdem wird bei hochansteckenden Infektionskrankheiten die Ansteckungskette erst unterbrochen, wenn mindestens 80 Prozent der Bevölkerung durch die passende Impfung geschützt sind, bei einigen Krankheiten müssen es sogar 95 Prozent sein. Die Impfraten in Deutschland liegen für Diphtherie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten und Kinderlähmung zwischen 75 und 98 Prozent.

In Deutschland soll jetzt die "1. Nationale Impfwoche" die Bevölkerung aufrütteln. Organisiert vom "Deutschen Grünen Kreuz" wird es noch bis zum 11. Mai hunderte von Aufklärungsveranstaltungen geben, um besonders die Erwachsenen auf die Notwendigkeit von Auffrischungsimpfungen hinzuweisen. Oder auch, um noch gar nicht so alte Impfschutzmöglichkeiten anzupreisen. Zum Beispiel gibt es gegen den zu chronischer Leberentzündung führenden Hepatitis-B-Virus erst seit gut einem Jahrzehnt einen Impfstoff. Doch in Deutschland ist immer noch nur die Hälfte der Jugendlichen gegen Hepatitis B geimpft. Die Krankheit wird vor allem durch Sexualkontakt übertragen – und zwar viel leichter als etwa die Immunschwächekrankheit AIDS.

Deutschland hinkt hinterher

"Impfungen dienen nicht nur dem eigenen Schutz, sondern auch dem der Mitmenschen", betonte der Präsident des Deutschen Grünen Kreuzes, Burghard Stück, auf der Auftaktveranstaltung der Impfwoche in Berlin. Die Impfraten in Deutschland lägen im Schnitt unter denen anderer EU-Länder und der USA, bemängelte Sieghart Dittmann von der Ständigen Impfkommission am Berliner Robert-Koch-Institut. Im Gespräch mit DW-WORLD nannte er das US-amerikanische, von der Bundesregierung organisierte System der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) vorbildlich. Durch ständige Gesundheitsaufklärung an allen Schulen und öffentlichen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche herrsche dort eine hervorragende Impfmoral. In Deutschland kritisiert er einen "Superföderalismus der Krankenkassen", wodurch noch nicht einmal garantiert sei, dass auch jede Krankenkasse die Kosten für eine Schutzimpfung übernehme.

Impfung mit Pistole

Impfung mit Pistole in einem lateinamerikanischen Entwicklungsland

In den Ländern des ehemaligen Ostblocks bestand bis Ende der 80er Jahre eine regelrechte Impfplicht der Bevölkerung. Deshalb waren die Impfraten in den osteuropäischen Ländern höher als in Westeuropa. Das hat sich mit dem teilweisen Zusammenbruch der staatlichen Strukturen besonders in Russland dramatisch verändert. Heute werden von dort teilweise wieder Diphterie oder auch die hochansteckende Tuberkulose nach Westeuropa eingeschleppt.

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