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Asien

Gefährliche "Kurzarbeit" in Fukushima

Wieder ein Himmelfahrtskommando in der havarierten Atomanlage: Arbeiter installieren derzeit Belüftungsmaschinen im verstrahlten Reaktor 1. Aus Sicherheitsgründen haben sie dafür nur zehn Minuten Zeit.

Weißer Rauch steigt nach der Explosion in Reaktor 1 von Fukushima am 12. März auf (Foto: AP)

Die Wasserstoff-Explosion in Reaktor 1 am 12. März

Erstmals seit dem verheerenden Erdbeben im Norden Japans vor fast zwei Monaten haben am Donnerstag (05.05.2011) wieder Arbeiter das Gebäude von Reaktor 1 in der schwer beschädigten Atomanlage Fukushima betreten. Die insgesamt zwölf Arbeiter sollen sechs Belüftungsmaschinen installieren, die die Radioaktivität aus der Luft in dem Gebäude absorbieren sollen, wie der Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Co. (Tepco) mitteilte. Das werde insgesamt vermutlich vier oder fünf Tage dauern, hieß es.

Ein funktionierendes Kühlsystem als Einsatz-Ziel

Japanische Polizisten bei einem Kontrollgang innerhalb derv Sperrzone um Fukushima (Foto: AP)

Japanische Polizisten bei einem Kontrollgang innerhalb der Sperrzone um Fukushima

Das Reaktorgebäude war am 12. März bei einer Wasserstoff-Explosion schwer beschädigt worden. Die Verringerung der Radioaktivität ist die Voraussetzung dafür, dass das Kühlsystem wieder in Betrieb genommen werden kann, das bei dem Erdbeben vom 11. März und dem nachfolgenden Tsunami ausgefallen war. Noch Mitte April war die Radioaktivität so hoch, dass kein Mensch in das Reaktorgebäude hinein konnte. Zuletzt waren die Werte aber etwas gefallen. Sie sind aber immer noch so hoch, dass die Tepco-Arbeiter sich in kurzen Schichten abwechseln: Die Männer sind in Vierergruppen eingeteilt, jede dieser Gruppen darf lediglich zehn Minuten in dem Reaktorgebäude bleiben.

Wegen des Atomunglücks in Fukushima, bei dem vier der sechs Reaktoren durch Explosionen schwer beschädigt wurden, mussten 80.000 Menschen im Umkreis von 20 Kilometern um die Anlage ihre Häuser verlassen. Die Havarie der Meiler war auf der internationalen Skala auf der höchsten Stufe 7 eingestuft worden - ebenso wie die Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren. Allerdings gelang in Fukushima bislang deutlich weniger Radioaktivität in die Umgebung.

Noch 130.000 Menschen in Notunterkünften

Blick in eine Straße der verlassenen Stadt Futaba in der Sperrzone um Fukushima (Foto: AP)

Die Menschen sind weg, die Hunde geblieben: Blick in eine Straße der Stadt Futaba

Von der nächsten Woche an sollen ehemalige Bewohner der Sperrzone die Möglichkeit zu Kurzbesuchen in ihren Häusern bekommen. Mehrere Behördenvertreter aus den betroffenen Orten bereiteten sich in Übungen darauf vor, die Menschen zu begleiten. Fast zwei Monate nach Erdbeben, Tsunami und dem Reaktorstörfall leben rund 130.000 Menschen weiter in Notunterkünften. "Es gibt wenig Anzeichen für eine Verbesserung", berichtet die Zeitung "The Kahoku Shimpo" aus der schwer getroffenen Präfektur Miyagi. Die Lebensumstände seien vielfach "abgrundtief schlecht". Die Menschen lebten in Schulen oder Gemeindezentren, ohne Privatsphäre. Nach Regierungsangaben müssen 72.000 Häuser gebaut werden, um die Menschen unterzubringen. Wer in ein neues Heim umziehen wolle, solle dies bis Mitte August auch tun können, hatte Japans Ministerpräsident Naoto Kan zuvor zugesichert.

Autor: Stephan Stickelmann (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Marion Linnenbrink

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