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Wissen & Umwelt

Gefährliche Genitalwarzen durch Viren

Warzen? Und dann auch noch im Genitalbereich? Sie können durch Humane Papillom-Viren übertragen werden und krebserregend sein. Mädchen werden schon seit 2007 gegen die Viren geimpft, bei Jungen sieht das anders aus.

Bei Frauen können sie zu Gebärmutterhalskrebs führen, bei Männern unter anderem zu Genitalwarzen: Eine Infektion mit Humanen Papillomviren, kurz: HPV, trifft fast jeden Menschen im Laufe seines Lebens. Zwischen 75 und 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen haben sich irgendwann einmal mit diesem Virus angesteckt.

Meistens befinden sie sich auf der Haut und den Schleimhäuten. Von den Viren, die die Schleimhäute infizieren, sind die sogenannten Hochrisikotypen. HPV 16 und HPV 18 krebsauslösend. Bei Frauen können sie zu Gebärmutterhalskrebs führen. In Deutschland erkranken etwa 7000 Frauen jedes Jahr daran. 2007 gab die

Ständige Impfkommission

, STIKO, die Empfehlung, Mädchen zu impfen." Das betrifft Mädchen im Alter zwischen neun und 17 Jahren, in jedem Fall aber vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Etwa 40 Prozent der infrage kommenden hätten sich daraufhin impfen lassen. Für Jungen gibt es bisher keine derartige Empfehlung der STIKO, obwohl auch sie sich natürlich infizieren können und obwohl auch sie durch das Virus erkranken können.

Prof. Norbert Brockmeyer (Foto: dpa).

Norbert Brockmeyer ist Leiter des Zentrums für Sexuelle Gesundheit in Bochum

Symptome bei Jungen

Eine Infektion mit HPV kann zu Hautwarzen führen. Sie können beispielsweise an den Händen auftreten, aber auch im Gesicht. Oft sind sie zwar zu sehen, aber eigentlich harmlos. Wesentlich unangenehmer und gefährlicher seien Genitalwarzen, Kondylome sagt Norbert Brockmeyer, Leiter des

Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin

an der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum. Männer sind von dieser Art Warzen häufiger betroffen als Frauen. "Sie können bei Jungen und bei Männern starke Beschwerden hervorrufen. Die Behandlung ist nicht nur sehr schwierig, sondern auch unangenehm für den Patienten, weil es schmerzhaft ist. Außerdem ist die Therapie sehr langwierig. Es ist sehr schwer, diese Warzen vollständig zu entfernen, den Patienten also zu heilen.

Es gibt an die 200 verschiedene HP-Viren. Die hochaggressiven Typen 16 und 18 seien für 60 bis 70 Prozent aller Krebse verantwortlich, so Brockmeyer. Nicht nur bei Frauen, auch bei Männern können sie zu bösartigen Zellveränderungen führen und letztendlich Krebs entwickeln. Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen sind weltweit die am häufigsten durch Humane Papillomviren ausgelöste Erkrankung. Aber es kann eben auch Männer treffen. "Das ist Krebs am Glied, also am Penis, Krebs im Analbereich, aber auch Krebs im Mund-Rachenbereich", erläutert Brockmeyer. Denn durch Oralverkehr kann HPV auch auf die Mundschleimhaut übertragen werden und Mundtumore auslösen. Um zu überprüfen, ob in der Tat HPV für den Krebs verantwortlich sind, wird Gewebe entnommen und auf Papillomviren hin untersucht.

Impfung in einer Arztpraxis (Foto: dpa).

Jungen werden viel seltener gegen HPV geimpft als Mädchen

Entscheidungsfindung

Die STIKO hat bislang keine Empfehlung herausgegeben, dass auch Jungen gegen Humane Papillomviren geimpft werden sollten. Sie habe sich aber damit beschäftigt, erläutert Miriam Wiese-Posselt vom Robert-Koch-Institut. "Die STIKO wird sich die Epidemiologie anschauen, wie viele Krebserkrankungen, Neuerkrankungen bei Männern - auch bei älteren Männern - auftreten, die mit HPV assoziiert sind." Dann werde überprüft, wie effektiv die Impfung ist. "Und dann wird man daraus einen Schluss ziehen müssen." Das hat die sächsische Impfkommission bereits getan. Sie empfiehlt bereits, auch Jungen gegen HPV zu impfen.

Hohe Kosten

"Der Impfstoff ist für Jungen ein Segen. Er wirkt natürlich gegen HPV 16 und 18, die Krebs erregen." Aber die Impfung wirkt auch gegen zwei andere Niedrigrisiko-HPV-Typen 6 und 11, die Kondylome, also Feigwarzen im Genital- oder auch im Analbereich auslösen können. "Diese Kondylome kommen recht häufig in der Bevölkerung vor. Wer einmal Kondylome hatte und behandelt werden musste, weiß, wie wichtig eine Impfung gewesen wäre. Denn dann wäre ihm eine lange Prozedur erspart geblieben", ist Brockmeyer überzeugt. Er sei ein absoluter Befürworter. "Ich rate auch allen in meinem Bekanntenkreis, dass sie ihre Jungen impfen lassen. Und die meisten machen das, auch wenn sie den Impfstoff selbst bezahlen müssen."

Mindestens zwei Impfungen sind notwendig. Der Impfschutz kostet um die 360 Euro. Die langwierige Behandlung einer Infektion oder gar einer Krebserkrankung aber sei um einiges teurer, sagt Brockmeyer. Aber das ist nicht der einzige Aspekt. "Impfung und die Bereitstellung von Impfung ist auch eine gesellschaftliche Pflicht. Ich glaube, wenn klar ist, dass viele Menschen an diesen Erregern erkranken und dass eine Impfung gut wirkt, dann muss man eine solche Impfung jedem zur Verfügung stellen." Dann würde die Impfung auch bei Jungen wohl häufiger durchgeführt und müsste nicht aus eigener Tasche bezahlt werden.

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