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Kultur

Gefährliche Abgrenzung?

Muslim-Ärzte, Muslim-Frisöre und Restaurants annoncieren auf den Seiten des deutschsprachigen Islam-Portals "Muslim-Markt". Doch neben harmlosen Angeboten finden sich auch viele Verweise auf extremistisches Gedankengut.

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Umstrittene Website für deutschsprachige Muslime

"Im Namen des Erhabenen - Herzlich Willkommen im Muslim-Markt." So wird man auf der Startseite von muslimmarkt.de begrüßt. Ein schlichtes Layout, verschiedene Rubriken: Augenscheinlich handelt es sich um ein Informationsportal für deutschsprachige Muslime. Es finden sich Muslim-Firmen und Muslim-Dienste, Muslim-Wohnen und Muslim-Markt. Ein harmloses Forum mit Kontaktbörse, Veranstaltungshinweisen und einem Islam-Spiel zum Download?

100.000 Muslime täglich klicken muslimmarkt.de

Die Islamwissenschaftlerin Melanie Miehl ist skeptisch. "Der Bezug zur nicht-islamischen Welt kommt auf dem Muslim-Markt so gut wie nicht vor," erklärt sie. Auch ihre Kollegin Ursula Spuler sieht in der Website einen Versuch, "eine rein muslimische Gesellschaft zu installieren, die sich deutlich abgrenzt."

Herausgeber der Internetseite Muslimmarkt Dr. Özoguz

Herausgeber der Internetseite Muslimmarkt Dr. Özoguz

Yavuz Özoguz, der Betreiber der Website, ist hingegen stolz auf seine Website. Und eine beeindruckend große Anzahl von Besuchern scheint sein Konzept zu unterstützen. 100.000 mal am Tag würden die verschiedenen Rubriken von muslimmarkt.de angeklickt. Besonders gefällt Özoguz seine Rubrik "Muslim-Heirat", in der Muslime verschiedenen Alters nach dem geeigneten Lebenspartner Ausschau halten können – gleichen Glaubens, versteht sich.

"Spezifische Bedürfnisse"

Hauptberuflich und privat steht Yavuz Özoguz mit beiden Beinen im deutschen Leben. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Bremen wohnt in Delmenhorst und arbeitet am Institut für Umweltverfahrenstechnik. Schon als Kind kam er nach Deutschland, genoss eine nach eigenen Angaben "rein westliche" Erziehung und war während seiner ersten Studienzeit Mitglied in der Evangelischen Studentengemeinde. Anrufer begrüßt er schon mal gerne mit einem freundlichen, norddeutsch gefärbten "Moin".

Seinen Muslimmarkt sieht er als "eine Art gelbe Seiten für Muslime im Internet." "Es gibt eben bestimmte spezifische Bedürfnisse von Muslimen," erklärt Özoguz, "die teilweise von Nicht-Muslimen nicht erfüllt werden können." Bei Ärzten ginge es hierbei um die Rücksicht auf Schamgefühle. Seine Argumentation bietet jedoch nicht für alle auf der Website aufgelisteten Dienstleistungen eine Erklärung. Denn unter diesen befinden sich auch Unternehmen im Bereich der Telekommunikation, Juweliere und Verkäufer von Elektrogeräten.

Boykott gegen Israel

Boykottaufruf gegen Israel Ausschnitt aus der Internetseite www.muslimmarkt.de

Boykottaufruf gegen Israel Ausschnitt aus der Internetseite www.muslimmarkt.de

Ein kleines Kästchen in der oberen Ecke der Startseite von Muslim-Markt springt dem Besucher gleich auf Anhieb ins Auge. Es ist, im Unterschied zu dem Rest der Homepage, knallrot gefärbt. Ein Bild von der "Al-Aqsa" Moschee in Jerusalem ziert den Link zum Dossier "Palästina Spezial", darunter wird in großen roten Buchstaben die Zahl der Opfer in Palästina laufend aktualisiert. Ein zweites Bild zeigt, wie eingegriffen werden muss. Die israelische Flagge, darauf ein roter Verbotsstempel. Daneben steht: Boykott gegen Israel.

Für Yavuz Özoguz ist das kein Antisemitismus. Er betont, dass der Muslimmarkt dazu aufrufe, alle Gesetze Deutschlands einzuhalten. Bei dem Boykott handle es sich lediglich um ein legitimes Protestmittel gegen die israelische Regierung - und um das gewaltloseste, das es überhaupt gebe. Trotzdem brauchen Besucher der Website nicht lange zu suchen, um unter der Rubrik Muslim-Bibliothek einen Link zu den Schriften des Harun Yehia zu finden, dem Experten die Leugnung des Holocaust vorwerfen. Auch die Texte des als extremistisch geltenden Theoretikers Abul Alaa Al-Mawdudi werden verlinkt. Von einem auf Dienstleistungen beschränktem Informationsportal kann nach einem Blick in die "Muslim-Bibliothek" nicht mehr die Rede sein.

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