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Politik

“Geeignetes Mittel für schwierigen Feind”

Die USA sollen im Irak-Krieg eine weiterentwickelte Variante der völkerrechtlich geächteten Napalm-Bombe eingesetzt haben. Dabei werden schlimme Erinnerungen an den Vietnam-Krieg wach.

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Schrecken des Krieges: Kinder fliehen nach Napalm-Angriff im Vietnam-Krieg

Durch ein Foto wurde die Vietnamesin Kim Phuc zu einem lebenden Mahnmal gegen den Krieg. Die Aufnahme von 1972 zeigt das neunjährige Mädchen nackt auf der Flucht nach einem Napalm-Angriff der US-Luftwaffe auf ihr Dorf in Vietnam. Die Aufnahme ging um die Welt und wurde zu einem der berühmtesten Fotos des 20. Jahrhunderts.

Heute lebt die 39-jährige Mutter von zwei Kindern im kanadischen Toronto. Als Friedens-Botschafterin der Welt-Kultur-Organisation UNESCO hatte sie schon vor Ausbruch des Irak-Krieges angekündigt, von den Folgen des Krieges betroffenen Kindern helfen zu wollen. Dass das Pentagon jetzt den Einsatz ähnlich grausamer Feuerbomben im Irak nicht nur zugegeben, sondern auch als notwendig und legal bezeichnet hat, rückt die Vergangenheit wieder ins Blickfeld der Gegenwart.

Brandstoff zerfrisst Haut

Im Vietnam-Krieg hatten die Amerikaner zwischen 1972 und 1973 versucht, das kommunistische Nordvietnam “in die Steinzeit zurückzubomben” – wie es damals sogar offiziell formuliert wurde. Dabei setzte die US-Air Force erstmals Napalm-Bomben ein, deren Wirkung absolut verheerend ist. Das mit Phosphor und Natrium versetzte Napalm-Gel ist selbstentzündlich und erzeugt Feuerbrünste mit Temperaturen von mehr als 2000 Grad Celsius. Es verbrennt langsam, ist nur schwer zu löschen und erzeugt Flächenbrände. Trifft der Stoff auf menschliche Haut lässt er sich durch seine Haftfähigkeit nur schwer entfernen und führt zu fressenden, sich oft zu Krebs-Geschwüren entwickelnden Brandwunden.

Über 200.000 Tonnen Napalm wurden über Vietnam abgeworfen. Vor allem die Zivilbevölkerung musste unter dem Einsatz der grausamen Bomben leiden. Die Folgen sind bis in die Gegenwart offensichtlich, zum Beispiel in der Landwirtschaft. So sind nach wie vor rund zehn Prozent der gesamten Anbau-Fläche durch Napalm-Bomben verwüstet.

Neue Version der Napalm-Bombe

Die jetzt im Irak eingesetzte MK-77-Bombe ist nach US-Angaben eine Weiterentwicklung der in Vietnam eingesetzten Napalmbombe M-74. Die 250-Kilo-Bomben sind mit einem Gel-Gemisch aus Benzol, Benzin und Styropor gefüllt und setzen beim Aufprall das brennende Gel über eine große Fläche frei. Bereits im Golf-Krieg 1991 verwendete die US-Marine-Infanterie, Experten zufolge, rund 500 MK-77-Bomben gegen irakische Ziele.

Beamte des US-Verteidigungsministeriums hatten den Einsatz derartiger Bomben stets dementiert und erklärt, die amerikanischen Bestände seien vor zwei Jahren vernichtet worden. Jetzt heißt es im Pentagon, der Einsatz sei ein geeignetes Mittel, um mit einem "schwierigen Feind" umzugehen und zugleich "das eigene Leben zu bewahren". Es gebe zudem keine internationale Konvention, die den Einsatz dieser Munition verbiete. Ein Pentagon-Sprecher sagte: "Mir ist keine Methode bekannt, den Feind auf humane Art und Weise zu töten."

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