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Aktuell Deutschland

Gedeon verlässt nach Antisemitismus-Streit AfD-Fraktion

Im Streit um antisemitische Äußerungen des AfD-Politikers Wolfgang Gedeon hat dieser seinen Rücktritt aus der Stuttgarter Fraktion angekündigt. Der Konflikt bei den Rechtspopulisten ist damit allerdings nicht beigelegt.

Keine vier Monate nach ihrem Erfolg bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg zerlegt sich die AfD selbst: Im Streit um die Antisemitismus-Vorwürfe ist die Fraktion der Partei im baden-württembergischen Landtag zerbrochen. Der Fraktionschef und AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen sowie zwölf weitere Abgeordnete verließen die Fraktion im Stuttgarter Landtag. Grund sei der Konflikt um den Abgeordneten Wolfgang Gedeon (Artikelbild). Bei einer neuen Abstimmung über den Rauswurf des Abgeordneten aus der Fraktion sei die nötige Zweidrittelmehrheit nicht zusammengekommen.

Am Abend verkündete der umstrittene Abgeordnete Gedeon den Austritt aus der AfD-Fraktion. Er sagte nach einer gemeinsamen Sitzung mit Parteichefin Frauke Petry, dass ihn die "Parteivernunft" dazu zwinge, seinen Rücktritt aus der Fraktion zu erklären.

Fraktionsbruch bleibt bestehen

"Der Fraktionsbruch ist rechtskräftig", sagte Meuthen der dpa am Abend nach der Erklärung Gedeons. An diesem Mittwoch sollen die Abgeordneten zusammenkommen, um über eine mögliche Neugründung der AfD-Fraktion zu tagen, kündigte Meuthen an. "Wenn nun mindestens fünf Abgeordnete überlaufen zu uns, dann kann die andere Gruppe nicht als Fraktion existieren. Dann gibt es eine neue AfD-Fraktion frei von Antisemitismus", betonte Meuthen.

Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Baden-Württemberg, Jörg Meuthen (M.), nach der Spaltung (Foto: AfD)

Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Baden-Württemberg, Jörg Meuthen (M.), nach der Spaltung

Meuthen kritisierte im Gespräch mit der dpa die Einmischung seiner Co-Vorsitzenden auf Bundesebene, Frauke Petry, in die Angelegenheiten der baden-württembergischen Landespartei. "Ich frage mich, wie Frau Petry reagieren würde, wenn ich in Sachsen so agieren würde wie sie hier", sagte Meuthen. Petry hatte nach den Gesprächen in Stuttgart verkündet, mit dem Austritt Gedeons sei die Spaltung der AfD-Fraktion in Baden-Württemberg abgewendet. Die rechtspopulistische AfD hat 23 der 143 Sitze im Stuttgarter Parlament. Die AfD hatte bei der Landtagswahl im März 15,1 Prozent der Stimmen erzielt und zwei Direktmandate errungen.

Der AfD-Bundesvorstand unterstützte Meuthen, der auch Co-Vorsitzender der Partei ist. In einer einstimmig beschlossenen Erklärung der Parteispitze vom Dienstag hieß es: "Der Bundesvorstand distanziert sich von denjenigen Mitgliedern der Fraktion, die nicht mit Jörg Meuthen die Fraktion verlassen." Als Vertreter der AfD im Landtag von Baden-Württemberg werde nur die Gruppe um Meuthen anerkannt. Die Co-Vorsitzende der AfD, Petry, nahm an der Besprechung des Bundesvorstandes dem Vernehmen nach nicht teil.

Frauke Petry hält die Spaltung für abgewendet (Foto: dpa)

Frauke Petry hält die Spaltung für abgewendet

AfD-Chef Meuthen sah sich in den letzten Wochen Vorwürfen ausgesetzt, in den eigenen Reihen Antisemitismus nicht entschieden genug zu bekämpfen. Er hatte zuerst mit Rücktritt gedroht, sollte Gedeon nicht ausgeschlossen werden aus der Fraktion. Dann blieb er aber zunächst doch. Gedeon hatte vor zwei Wochen erklärt, seine Mitgliedschaft in der Fraktion bis September ruhen zu lassen.

Judentum als "Feind des christlichen Abendlandes"

Eigentlich wollte die AfD die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Gedeon zuletzt durch Gutachter klären lassen. Es seien bereits zwei Gutachten angefertigt worden, sagte Meuthen. Diese seien zu dem Schluss gekommen, dass die Äußerungen von Gedeon antisemitisch seien. Gedeon sieht sich Kritik ausgesetzt, Holocaust-Leugner zu unterstützen. Er hatte sie als "Dissidenten" - Gegner in autoritären Regimes - gewürdigt.

Auch Gedeons Satz "Das Talmud-Judentum ist der innere Feind des christlichen Abendlandes" wurde von einigen AfD-Politikern als hinreichender Beleg für antisemitisches Gedankengut gewertet. Gedeon hatte überdies den Holocaust als "gewisse Schandtaten" bezeichnet. Zudem hält der Politiker die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion, aus denen Antisemiten Theorien über eine angebliche jüdische Verschwörung ableiten, für "eher" keine Fälschung. Nach gängiger Lehrmeinung sind diese Papiere unhaltbar und sollen Ressentiments gegen Juden untermauern.

stu/rb (afp, dpa, rtr)

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