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Aktuell Europa

Gedenkstätte für verschleppte Soldaten

Deutschland und Italien haben an die italienischen Soldaten erinnert, die 1943 nach Deutschland verschleppt wurden. Historiker schlagen eine Gedenkstätte in Berlin vor.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle drückte bei einem Besuch in Rom sein Bedauern über die Verbrechen Nazi-Deutschlands in Italien aus: "Im deutschen Namen wurden in Italien und an Italienern durch nichts zu rechtfertigende Verbrechen begangen", betonte der FDP-Politiker. "Wir verneigen uns vor den Opfern."

Westerwelle und der italienische Außenminister Giulio Terzi nahmen in Rom den Abschlußbericht einer deutsch-italienischen Historikerkommission entgegen, die die Kriegsvergangenheit beider Länder untersucht hat. 1943 hatte die bis dahin im 2. Weltkrieg mit Nazi-Deutschland verbündete faschistische Regierung Italiens mit den Alliierten einen Waffenstillstand geschlossen. Die deutschen Truppen nahmen als Reaktion darauf bis zu 700.000 italienische Soldaten als sogenannte Militärinternierte gefangen und verschleppten sie nach Deutschland. Viele von ihnen mussten Zwangsarbeit vor allem in der Rüstungsindustrie leisten. Etwa 25000 Italiener kamen dabei ums Leben. Von etwa 5000 Gefangenen verlor sich jede Spur.

Nach Darstellung der Historiker kam es nach Kriegsende in beiden Ländern "historischen Legendenbildungen". In der Bundesrepublik sei die massive Präsenz Hitler-Deutschlands in Italien vor und während der Besatzung von 1943 bis 1945 in Vergessenheit geraten. Ebenso seien die NS-Massaker von Wehrmacht und SS an der italienischen Zivilbevölkerung verdrängt worden. In Italien sei nach dem Krieg das vor 1943 bestehende Bündnis ausgeblendet worden, heißt es in dem Report.

Die Historiker sprechen sich dafür aus, für die verschleppten italienischen Soldaten eine Gedenkstätte zu errichten. Ein ehemaliges Zwangsarbeiterlager im Stadtteil Niederschöneweide wäre dafür ein geeigneter Ort, heißt esin dem Bericht. Auch in Italien sollten "Erinnerungsstätten" geschaffen werden. Westerwelle unterstützte den Vorschlag der Historiker. Es sollte einen "Ort der Erinnerung" geben.

Verständnis für Kritik in Italien

In der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" äußerte Westerwelle Verständnis für die Empörung in Italien über die Einstellung des Verfahrens um das NS-Massaker in Sant'Anna di Stazzema in der Toskana (Artikelbild). Eine SS-Division hatte in der Stadt 1944 mindestens 560 Menschen ermordet, unter ihnen mehr als hundert Kinder. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte im Oktober die Ermittlungen mit der Begründung eingestellt, den 17 noch lebenden Beschuldigten könnten keine Morde nachgewiesen werden.

wl/re (dpa, epd, afp)