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Aktuell Kultur

Gedenkort für Opfer der NS-Euthanasie

Jahrzehntelang kamen sie im offiziellen Gedenken für die Opfer des NS-Regimes nicht vor: Menschen mit Behinderung, die von den Nazis ermordet wurden. Nun wurde in Berlin ein Gedenkort für sie eröffnet.

"Schöner oder leichter Tod" - so lautet die Übersetzung des griechischen Begriffs Euthanasie. Im Nationalsozialismus bedeutete er vor allem die Vernichtung von sogenanntem unwertem Leben. In dem Mordprogramm "T4", benannt nach dem Standort der Organisationszentrale in Berlin, der Tiergartenstraße 4, wurden zwischen Januar 1940 und August 1941 rund 70.000 Menschen getötet. Europaweit starben nach Schätzungen 300.000 Menschen, weitere 400.000 Frauen und Männer wurden zwangssterilisiert.

Um an diese Menschen zu erinnern, wurde jetzt in Berlin ein Denkmal eingeweiht. Die Erinnerungsstätte besteht aus einer transparenten blauen Glaswand, die 24 Meter lang ist, entworfen und gestaltet von der Architektin Ursula Wilms, dem Künstler Nikolaus Koliusis und dem Landschaftsarchitekten Heinz W. Hallmann. Eine dazugehörige multimediale Freiluftausstellung neben der Berliner Philharmonie informiert über die Geschichte der Euthanasie-Morde mit ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Nach öffentlichen Protesten hatten die Nazis die Massentötungen ab August 1941 offiziell eingestellt. Danach wurden Patienten umgebracht, indem man sie verhungern ließ oder ihnen Medikamente wie Schlafmittel oder Morphium verabreichte.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erinnerte zur Eröffnung an die "unfassbar menschenverachtende Unterscheidung zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben" durch die Nazis und sprach von einer "Deformierung moralischen Empfindens". Von dem Ort Tiergartenstraße gehe die Botschaft aus, dass jedes menschliche Leben es wert sei, gelebt zu werden.

Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Morde

Kulturstaatsministerin Grütters und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit legten zur Eröffnung der Gedenkstätte Kränze nieder

"Der Gedenkort T4 konfrontiert uns heute mit der grauenvollen NS-Ideologie, die sich anmaßte, das einzelne Leben nach "Nützlichkeit" und "Brauchbarkeit" zu beurteilen", sagte Grütters weiter. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit wies in seiner Ansprache darauf hin, dass etwa zehn Prozent der Deutschen mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung leben.

Seit 1989 erinnerte am Ort des neuen Denkmals lediglich eine Bodenplatte an die Opfer der NS-Euthanasie. 2007 bewirkte eine Bürgerinitiative einen Runden Tisch zur Gestaltung eines Denkmals, 2011 beschloss dann der Bundestag einen Gedenkort.

alu / az (epd, afp)