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Kultur

Gedenkfeiern und Tränen zum 20. Jahrestag von Tschernobyl

In der Ukraine, in Weißrussland und Russland gedenken Menschen der Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 20 Jahren. Auch der Papst erinnert an den Unglückstag und ruft zur zivilen Nutzung der Kernkraft auf.

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Eine Frau erinnert am Mahnmal für die Tschernobyl-Opfer an ihren toten Sohn

Mit Schweigeminuten und Gottesdiensten haben am Mittwoch (26.4.2006) zehntausende Menschen in der Ukraine, in Weißrussland und Russland der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 20 Jahren gedacht. Um 1.23 Uhr, als am 26. April 1986 der vierte Reaktorblock in Tschernobyl explodierte, läuteten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew die Glocken 20 Mal, Sirenen heulten auf.

Sondersitzung des ukrainischen Parlaments zum Jahrestag

Frühere Mitarbeiter des Kraftwerks und deren Familien versammelten sich am Ort der Tragödie in der Nordukraine zu Ehren der unzähligen Tschernobyl-Opfer. Am Mittwochmorgen zogen Hunderte Menschen mit brennenden Kerzen und roten Nelken durch die Straßen von Slawutysch. Der Ort wurde nach dem bislang folgenschwersten Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie für die Arbeiter des Atomkraftwerks gebaut.

Das ukrainische Parlament trat am Mittwochvormittag zu einer Sondersitzung anlässlich des Jahrestags der Katastrophe zusammen. Der stellvertretende Minister für Notfälle, Wolodymyr Choloscha, versprach, alles zu tun, um die Sicherheit, Gesundheit und den Lebensunterhalt der Tschernobyl-Geschädigten zu gewährleisten.

Papst und Präsident Juschtschenko gedenken der Opfer

Gedenken an Tschernobyl

Juschtschenko legt Blumen zu Ehren der Opfer nieder

Präsident Viktor Juschtschenko ließ sich über den Unglücksort fliegen und legte in Kiew Rosen an einem Denkmal für die Feuerwehrleute und Ingenieure nieder, die infolge ihres Einsatzes bei der Katastrophe gestorben waren. Im Laufe des Tages wird er in der Sperrzone erwartet. Dort wird Juschtschenko bei einer Trauerstunde an die zahlreichen Opfer erinnern.

Auch Papst Benedikt XVI. hat am 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe der Opfer gedacht. Bei der Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz rief er dazu auf, die Atomenergie ausschließlich friedlich zu nutzen. Er forderte alle Verantwortlichen zu gemeinsamen Anstrengungen auf, die Nuklearenergie "in den Dienst des Friedens zu stellen" und dabei "die Bedürfnisse der Menschen und der Natur" zu beachten.

Tschernobyl-Marsch auch gegen Lukaschenko gerichtet

Gedenken an Tschernobyl

Greenpeace-Aktivisiten bei einer verbotenen Demonstration auf dem Roten Platz in Moskau

Derweil nahm die Polizei auf dem Roten Platz in Moskau 13 Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace fest, die ungeachtet eines Demonstrationsverbots gegen die fortdauernde Atomkraftnutzung in Russland protestiert hatten.

Auch in der weißrussischen Hauptstadt Minsk wird es am Mittwochabend zu Demonstrationen kommen. Die Opposition will den traditionellen Tschernobyl-Marsch zu Protesten gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko nutzen.

"Wir sind schon tot, verschwinde!"

Konstantin Sokolow, ein ehemaliger Arbeiter des Atomkraftwerks, erinnert sich an den Unglückstag: "Meine Freunde sind vor meinen Augen gestorben." Er versuche noch immer, die schrecklichen Erinnerungen an den Unfall zu verdrängen. Der 66 Jahre alte Mikola Malyschew sagte, seine Kollegen in dem zerstörten Reaktor hätten ihn nach der Explosion gedrängt, schnell zu fliehen. "Wir sind schon tot, verschwinde!", hätten sie ihm zugerufen.

Millionen Hektar verseuchtes Land bis heute

Tschernobyl verlassenes Haus in der Sperrzone

Ein verlassenes Haus in der Sperrzone

Das Ausmaß der Folgeschäden durch die Reaktorkatastrophe vom 26. April 1986 ist stark umstritten. Die nach dem Tschernobyl-Unglück freigesetzte radioaktive Wolke ging größtenteils über der Ukraine und Weißrussland, aber auch weite Teile Europas wurden verseucht. Fast 350.000 Menschen wurden wegen des Unglücks umgesiedelt. Millionen Hektar Land sind bis heute radioaktiv verseucht.

Zwei Jahrzehnte nach dem Unglück gibt es über die Zahl der Todesopfer erregte Debatten. UN-Behörden geben an, insgesamt würden etwa 4000 bis 9000 Menschen durch die Folgen des Unglücks sterben. Umweltschützer rechnen mit mindestens 100.000 Todesopfern in Folge der Katastrophe. (kap/ana)

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