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Fokus Osteuropa

Gedenkfeier zu Gräueltat ungarischer Faschisten

In der Hauptstadt der Vojvodina wurde auch dieses Jahr der Opfer der „Novi Sader Razzia“ gedacht. Überschattet wurde das Gedenken von ideologischen Unstimmigkeiten.

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Im Winter 1942 war die "blaue Donau" rot


Die Stadt Novi Sad, die Glaubensgemeinschaften und das Vojvodina-Parlament haben am 23. Januar des 63. Jahrestages der „Novi Sader Razzia“ gedacht. Diese wurde vom 21. bis 23. Januar 1942 durchgeführt. Bei dieser Razzia töteten Soldaten des ungarischen Faschistenführers Miklós Horthy 1.300 Serben, Juden und Roma und warfen sie in die zugefrorene Donau. Die Einwohner von Novi Sad gedachten der Opfer und legten an dem Tatort Kränze nieder begleitet vom Gesang der Kirchenchöre.

Der Oberrabbiner in Serbien und Montenegro, Isak Asiel, sagte, „die Novi Sader Razzia hat nicht in Novi Sad begonnen, sondern anderswo – ganz Europa bot den Boden für eine riesige Razzia. Ob sich diese nun in Novi Sad oder Lublin, Warschau, Sarajevo oder einer anderen Stadt abgespielt hat, ist jetzt ganz unwichtig, weil all dies nur Fragmente eines Gesamtbildes sind. Unser Tradition besagt, dass jeder, der wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit getötet wurde, die Welt darstellt.“

Der serbisch-orthodoxe Bischof Irinej von Backa sagte, „Gott ist die Liebe, er hasst nicht einmal Verbrecher. Sie haben es aber erreicht durch ihr starres Festhalten am Bösen, ihren Widerstand gegen die Sühne und durch ihren Irrweg - eben das, was auch den Kern der Sünde ausmacht – in ewigem Gedächtnis Gottes zu bleiben, sie haben sich aus dem Leben entfernt und zu einem zweiten Tod verurteilt – zum ewigen Feuer des eigenen Gewissens.“

Zwei Gedenkfeiern für eine Gräueltat

Wie jedes Jahr wurde auch dieses Jahr das Gedenken an die Razzia durch ein geschmackloses politisch-ideologisches Geplänkel. Denn die Delegation der Stadt und die des Vojvodina-Parlaments haben die Gedenkfeiern getrennt abgehalten. Üblich ist diese Praxis seit dem Fall des Milosevic-Regimes. In den vergangenen drei Jahren wurden die weltlichen und kirchlichen Gedenkfeiern getrennt abgehalten. Zu dieser Zeit war die ehemalige DOS-Koalition sowohl im Magistrat als auch Parlament der Provinz an der Regierung. Bischof Irinej stellte damals für seine Teilnahme an einer gemeinsamen Gedenkfeier zu Bedingung, dass ihr der damalige Präsident des Vojvodina-Parlaments, Nenad Canak, wegen Unstimmigkeiten fern bleibe. Canak konterte, Irinej habe nichts gegen eine von Milosevics Funktionären organisierte Gedenkfeier einzuwenden gehabt und beschuldigte den Bischof gleichzeitig, „den tiefen Schmerz der Menschheit zu missbrauchen.“

Canak ist nun nicht mehr Präsident des Vojvodina-Parlaments. Sein Nachfolger Bojan Kostres besetzt nun dieses Amt, und auch er hat heute getrennt von den städtischen und kirchlichen Würdenträgern einen Kranz niedergelegt. Bischof Irinej hatte indes keines Einwände dieses Jahr den Gottesdienst gemeinsam mit dem Magistrat zu feiern, der von der Serbischen Radikalen Partei und ihrer Bürgermeisterin, Maja Gojkovic, regiert wird.

Dinko Gruhonjic, Novi Sad

DW-RADIO / Serbisch, 23.1.2005, Fokus Ost-Südost