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Europa

Gedenken an Stellungskrieg in Westflandern

Bundeskanzlerin Angela Merkel erinnert an die Kämpfe an der Front in Westflandern. Dort gelang es Belgien durch seinen Widerstand, den deutschen Vormarsch im Ersten Weltkrieg zu stoppen.

Rund zweieinhalb Monate lagen zwischen dem Beginn des Ersten Weltkrieges und dem Vordringen der deutschen Truppen bis nach Flandern. Sie hatten das neutrale Belgien überrannt, das den ungehinderten Durchzug der Deutschen verweigerte. Am 28. Oktober vor hundert Jahren kam dann der Vormarsch zum Stehen: Es waren zwei Zivilisten und ungefähr zehn Soldaten, die das durch ihre beherzte Aktion zustande brachten.

Die kleine Hafenstadt Nieuwpoort wurde zum Symbol für diesen Widerstand, denn von hier aus flutete die Gruppe von Belgiern die Ebene des Flusses Ijzer. Die deutschen Soldaten blieben in Wasser und Schlamm stecken, die feindlichen Armeen gruben sich auf beiden Seiten der neu entstandenen Frontlinie ein, es begann der Stellungskrieg, der bis 1918 andauern sollte.

Schützengräben und überflutete Felder in Flandern (1914) - Foto: Stadsarchief Nieuwpoort

Schützengräben und überflutete Felder in Flandern (1914): Deutsche Soldaten blieben in Wasser und Schlamm stecken

In dem Mahnmal von Nieuwpoort, einem Rondell aus gelbem Backstein erinnert seitdem ein Reiterdenkmal an den damaligen König Albert I., der von den Belgiern als Held des Krieges verehrt wird. Denn er hatte sich geweigert sein Land zu verlassen und sich mit seinem Soldaten in diesem letzten Zipfel Westflanderns verschanzt. Unter diesem Denkmal erinnerte bei einer Gedenkveranstaltung mit Vertretern der Nachbarländer jetzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel an den König und den Widerstand Flanderns: "Die Flutung der Felder stoppte den deutschen Vormarsch, es gab immense Opfer unter Soldaten und Zivilisten, nicht zuletzt in den belgischen Märtyrerstädten."

Deutscher Dank an das Nachbarland Belgien

Angela Merkel bei Gedenkfeier an die erste Flandernschlacht im Jahr 1914 - Foto: Olivier Hoslet (EPA)

Merkel in Nieuwpoort: "Neue Ebene der Grausamkeit"

Das waren jene Orte, in denen die deutsche Besatzungsmacht besonders brutal gegen die Einheimischen vorgegangen war. "Ein Jahr später wurde dann mit dem ersten Einsatz von Chemiewaffen in der zweiten Schlacht von Ypern eine neue Ebene der Grausamkeit erreicht", sagte die Bundeskanzlerin.

Es sei nicht selbstverständlich, dass sie als Vertreterin Deutschlands, das so viel Leid über Belgien gebracht habe, zu diesem Gedenken eingeladen sei. Und wie schon Bundespräsident Joachim Gauck bei der großen internationalen

Gedenkfeier in Lüttich

am 4. August, bedankte sich Angela Merkel einmal mehr beim Nachbarland für die Freundschaft, die sich heute zwischen beiden Ländern entwickelt habe. "Wenn wir heute der schrecklichen Ereignisse vor 100 Jahren gedenken, können wir gar nicht dankbar genug sein dafür, wie viel sich verändert hat."

Weltkriegsopfer als Mahner

Es seien Belgier, die nach dem von Deutschen entfesselten Zweiten Weltkrieg zu den Ersten gehörten, die die Hand zur Versöhnung reichten. "Es passt sehr gut, dass Brüssel heute der Sitz der Europäischen Union ist, die für Freiheit, Demokratie und die Wahrung internationalen Rechts stehen." Merkel sprach davon, dass die Opfer der schrecklichen Kriege, die Europäer mahnen würden, zivilisatorischen Errungenschaften zu bewahren und dafür weltweit einzutreten.

Für Belgien war der Kampf an der Ijzer wahrscheinlich die Rettung als selbstständige Nation, so sagen Historiker. Und der Geschichtswissenschaftler Patrick Vanleene fügt hinzu: "Wir werden uns an den Ersten Weltkrieg als das Ereignis erinnern, das Europa veränderte und die Länder und Menschen zusammenwachsen ließ." Tatsächlich sei die EU entstanden und zum Mittel geworden, um solche "Bürgerkriege" zu verhindern, wie Vanleene es nennt. Denn der Erste Weltkrieg sei ein Bürgerkrieg zwischen Europäern gewesen, in dem es nur einen Unterschied zwischen den Soldaten gab: ihre Sprache.

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