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Politik

Gedenken an Referendum zur Unabhängigkeit

Vor zehn Jahren haben die Osttimorer in einer Volksabstimmung für die Loslösung von Indonesien gestimmt. Es folgten Gräueltaten der Besatzer. Heute gedenken die Osttimorer der wegweisenden Abstimmung.

Der Präsident von Osttimor, Jose Ramos Horta (Foto: dpa)

Osttimors Präsident Jose Ramos Horta zieht eine positive Bilanz zur Unabhängigkeit

Der zehnte Jahrestag des Referendums in Osttimor an diesem Sonntag (30.08.2009) wird mit einer offiziellen Feier in Dili begangen, an der Künstler aus jedem der 13 Distrikte teilnehmen. Als Top-Act ist die indonesische Popsängerin Krisdayanti angekündigt. Die Popdiva wurde 1975 geboren, dem Jahr, in dem indonesische Truppen aus Westtimor in den Ostteil der Insel einmarschierten und so den Traum der Osttimorer auslöschten, sie könnten nach dem Rückzug der Kolonialmacht Portugal ein unabhängiger Staat werden.

Krisdayanti gilt nicht nur als indonesische Antwort auf die australische Sängerin Kylie Minogue, ihr Auftritt in Dili zeigt auch, dass die überwiegend katholische Bevölkerung Osttimors und die vorwiegend muslimische Bevölkerung der ehemaligen Besatzungsmacht Indonesien auf dem Weg der Versöhnung ein gutes Stück vorangekommen sind.

Noch immer große Armut

Soldaten tragen Särge mit den sterblichen Überresten von Unabhängigkeitskämpfern zu einer neuen Bestattungsstätte (Foto: dpa)

Soldaten tragen Särge mit den sterblichen Überresten von Unabhängigkeitskämpfern zu einer neuen Bestattungsstätte in Dili (Foto: dpa)

Zehn Jahre nach der Volksabstimmung sehen viele der 1,1 Millionen Einwohner mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Denn die wirtschaftliche Lage des jüngsten und ärmsten Staates in Südostasien ist prekär. Ein durchschnittlicher Haushalt verfügt im Monat im Schnitt nur über umgerechnet 27 US-Dollar. Obwohl vor der Küste viel Gas gefördert wird, müssen noch immer 40 Prozent der Bevölkerung mit weniger als einem Dollar auskommen.

Mit Blick auf die friedlichen Verhältnisse schildert der Präsident von Osttimor, José Ramos-Horta, die Situation in einem günstigeren Licht. "Heute schlagen wir uns sehr sehr gut, wir leben in Frieden, die Menschen sind glücklicher als je zuvor", sagte er anlässlich des Jahrestages der Deutschen Presse-Agentur. "Wir kommen wirtschaftlich voran, wir haben tausende Arbeitsplätze geschaffen im Straßenbau und im Privatsektor, bei kleinen Unternehmen und der Landwirtschaft, allerdings liegen noch viele Herausforderungen vor uns", so Horta. Als Beispiel nannte er die Bekämpfung der Korruption.

Horta: "Auf eigenen Füßen stehen"

Bereits im Mai hatte Horta die Erwartung geäußert, dass der am 20. Mai 2002 gegründete Staat bis 2012 auf eigenen Füßen stehen werde. In einem Interview der Deutschen Welle sagte Horta: „Es dauert mindestens noch zwei, drei Jahre, Polizei und Armee unseres Landes zu reorganisieren. Die UN-Mission kann dann beendet werden.“ Derzeit sind in Osttimor 650 australische Soldaten stationiert, die rund 1.000 UN-Polizisten sichern sollen.

Ein Auto der UN-Polizei im Zentrum von Dili (Foto: DW/Matthias von Hein)

Busse der UN-Polizisten in Dili erinnern daran, wie fragil die Sicherheit noch ist

Die Aussöhnung mit der früheren Besatzungsmacht Indonesien bezeichnete der Friedensnobelpreisträger in dem Interview als „beispielhaft“. Nach 24 Jahren Besatzung hatte Indonesien 1999 nach der von der internationalen Gemeinschaft erzwungenen Volksabstimmung das Land verlassen.

Amnesty fordert Aufarbeitung von Gräueltaten

Anlässlich des Jahrestages forderte Amnesty International eine rechtliche Aufarbeitung der Gräueltaten, die nach dem Referendum über die Unabhängigkeit begangen wurden. Die meisten Verantwortlichen für Gewalttaten seien straffrei geblieben, kritisierte die Menschenrechtsorganisation in Osttimors Hauptstadt Dili. Die indonesischen Streitkräfte und pro-indonesische Milizen sollen für den Tod von etwa 1.400 Menschen nach dem Referendum vom 30. August 1999 verantwortlich sein, bei dem die Bevölkerung Osttimors mit breiter Mehrheit für die Loslösung von Indonesien gestimmt hatte.

Die Regierungen von Osttimor und Indonesien hätten sich geweigert Menschenrechtsverletzungen gegen die Zivilbevölkerung zu verfolgen, darunter illegale Tötungen, sexuelle Gewalt, Verschleppung und willkürliche Verhaftungen, schreibt Amnesty in dem Bericht. Die meisten der dafür Verantwortlichen seien noch nicht vor ein unabhängiges Gericht gestellt worden. Von den in Indonesien Angeklagten seien die meisten in international scharf kritisierten Prozessen freigesprochen worden, nur ein Verantwortlicher befinde sich in Osttimor in Haft. Auch der frühere indonesische Armeechef Wiranto blieb unbehelligt. Im Juli kandidierte er bei den Präsidentschaftswahlen in Indonesien.

Von den Vereinten Nationen forderte die Menschenrechtsorganisation, ein internationales Tribunal zur Aufarbeitung der während der indonesischen Besetzung Osttimors begangenen Menschenrechtsverletzungen einzurichten. In der Besatzungszeit von 1975 bis 1999 sollen laut Angaben aus Osttimor etwa 100.000 Menschen von der indonesischen Armee oder deren Verbündeten getötet worden, verhungert oder an Krankheiten gestorben sein. (kle/qu/dpae/afpe/epd/afpd)

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